35 Jahre Deutsch-Polnischer Nachbarschaftsvertrag

Vom Vertrag zum gelebten europäischen Dialog

EU-, Deutschland-, Polen- und Viadrinafahnen vor der Viadrina Auditorium Maximum

Mit dem Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991 wurde ein historischer Grundstein für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen gelegt. Nur wenige Wochen später, am 15. Juli 1991, wurde die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) wiedergegründet. Diese zeitliche Nähe steht symbolisch für den politischen und gesellschaftlichen Aufbruch, der den deutsch-polnischen Beziehungen nach dem Ende des Kalten Krieges neue Perspektiven eröffnete.

Die Idee einer Universität an der deutsch-polnischen Grenze war von Anfang an eng mit dem Geist dieses Vertrages verbunden. Wie der Gründungssenat in der Denkschrift zur Wiedergründung der Viadrina festhielt, sollte die „einzigartige Möglichkeit“ genutzt werden, „eine Universität an der Grenze zwischen Polen und Deutschland in unverwechselbarer Weise um einen in deutsch-polnischer Hochschulkooperation bestehenden Kern aufzubauen und darüber hinaus international auszurichten“.

Das sagt Präsident Prof. Dr. Eduard Mühle

Der Deutsch-Polnische Nachbarschaftsvertrag von 1991 und die Wiedergründung der Europa-Universität Viadrina wenige Wochen später stehen für eine gemeinsame Vision: den deutsch-polnischen Dialog in einem vereinten Europa dauerhaft zu stärken und über Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten.

Prof. Dr. Eduard Mühle, Präsident Europa-Universität Viadrina

Viadrina Präsident Prof. Dr. Eduard Mühle

35 Jahre Deutsch-Polnischer Nachbarschaftsvertrag

Mit der späteren Gründung des Collegium Polonicum in Słubice wurde dieser Gedanke konkret umgesetzt: als gemeinsamer akademischer Raum, in dem Studierende, Forschende und Lehrende aus beiden Ländern zusammenkommen und miteinander arbeiten.

Seit mehr als drei Jahrzehnten steht die Viadrina damit für gelebte europäische Zusammenarbeit im Alltag. Dafür stehen auch die Kooperationen in ERUA und hier bei DOING DEMOCRACY mit der SWPS aber auch der langjährigen fruchtbaren Partnerschaft mit der Adam-Mickiewicz Universität Poznań. Gerade heute zeigt sich, wie wichtig solche Orte des Austauschs und des gegenseitigen Verständnisses sind. Die Viadrina versteht den Nachbarschaftsvertrag daher nicht nur als historischen Bezugspunkt, sondern auch als Auftrag, im deutsch-polnischen Dialog die wichtigen Themen der Gegenwart und Zukunft gemeinsam und weiterhin aktiv zu gestalten – in Forschung, Lehre und im gesellschaftlichen Austausch über Grenzen hinweg.

Deutsch-polnische Veranstaltungen im Sommersemester 2026

Auftakt des deutsch-polnischen Vernetzungsevents „Doing Democracy: Connecting Academia and Civil Society Across Borders“ anlässlich des 35. Jubiläums des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrags.

Podiumsgespräch zur Frage, warum eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Bereich Demokratie notwendig ist; mit: Prof. Mikołaj Cześnik (SWPS Warschau), Artur Koldomasov (SWPS Warschau, angefragt), Dr. Anja Hennig (Viadrina), Moderation: Irene Hahn-Fuhr (Centrum Liberale Moderne/Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit). Die Veranstaltung wird simultan deutsch-polnisch gedolmetscht.

Donnerstag, 23. April 2026, 13.00 bis 14.30 Uhr, Logensaal, Europa-Universität Viadrina

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Podiumsgespräch im Rahmen des deutsch-polnischen Vernetzungsevents „Doing Democracy: Connecting Academia and Civil Society Across Borders“ anlässlich des 35. Jubiläums des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrags.

Diskutiert werden die Herausforderungen und Möglichkeiten demokratischer Beteiligung in Zeiten von Desinformation mit Prof. Dr. Gesine Schwan (Berlin), Dr. Anne Holper (Viadrina), Prof. Dr. Radosław Markowski (SWPS Warschau) und Krzysztof Izdebski (Batory Stiftung). Es moderiert Dr. Anja Hennig (Viadrina). Ergänzt wird die Diskussion durch Einblicke in verschiedene Aspekte aus der Zivilgesellschaft. Der Bürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder), Claus Junghanns, spricht ein Grußwort. Die Veranstaltung wird simultan deutsch-polnisch gedolmetscht.

Donnerstag, 23. April 2026, 18.30 bis 20.00 Uhr, Raum Słubice, Rathaus Frankfurt (Oder)

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Workshop im Rahmen des deutsch-polnischen Vernetzungsevents „Doing Democracy: Connecting Academia and Civil Society Across Borders“ anlässlich des 35. Jubiläums des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrags.

Das Finale von DOING DEMOCRACY dient dem Austausch zentraler Erkenntnisse, gewonnener Erfahrungen und dem Sammeln von Ideen für mögliche Projekte. Im Fokus stehen die Fragen, welche Formate für eine künftige Zusammenarbeit denkbar und welche Bedingungen dafür nötig sind. Impulse zu Förderung und strategischer Weiterentwicklung geben Alfred Roos, Tolerantes Brandenburg, die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung und Krzysztof Idebski, Batory Stiftung Warschau. Es moderiert Artur Koldomasov, SWPS Warschau.

Die Veranstaltung wird simultan deutsch-polnisch gedolmetscht.

Freitag, 24. April 2026, 13.30 bis 15.30 Uhr, Konferenzsaal, Collegium Polonicum, Słubice

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Vortrag mit Dr. Magdalena Abraham-Diefenbach für Schülerinnen und Schüler der Klassen neun bis zwölf mit anschließendem Mittagessen in der Mensa und Campusführung mit Studierenden der Viadrina. Dr. Magdalena Abraham-Diefenbach erklärt, was es mit dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag von 1991 auf sich hat und warum er bis heute eine wichtige Rolle für beide Länder spielt. Sie diskutiert mit den Schülerinnen und Schülern, welche Erfahrungen sie in der Doppelstadt Frankfurt (Oder)-Słubice sowie in der Grenzregion in Bezug auf die deutsch-polnische Geschichte gemacht haben und welche Rolle diese in ihrem Alltag spielen.

Lehrkräfte können ihre Klassen über veranstaltung@europa-uni.de mit Angabe der Schule, Klasse und Anzahl der Schüler*innen anmelden. Bitte geben Sie auch an, ob Ihre Schüler*innen am Mittagessen und an der Campusführung teilnehmen möchten.

Der Vortrag findet auf Deutsch statt.

Freitag, 8. Mai 2026, 11.00 – ca. 14.00 Uhr, Gräfin-Dönhoff-Gebäude, Hörsaal 6, Europa-Universität Viadrina

Anlässlich des 100. Geburtstags von Henryk Bereska, Autor und Übersetzer bedeutender polnischer Werke, findet im Collegium Polonicum in Słubice sowie auf der Oder eine Festveranstaltung statt.

Die Feier beginnt am Vormittag mit einem Poetendampfer auf der Oder (11.00 Uhr), der symbolisch für Bereskas Wirken zwischen zwei Ufern und zwei Sprachräumen steht und bei dem Literaten aus Polen und Deutschland ihre Werke lesen und diskutieren werden.

Am Nachmittag (13.30 Uhr) wird im Collegium Polonicum die Ausstellung „Ohne Applaus… Vom Übersetzen als stiller Kunst.“ eröffnet. Sie beleuchtet die Biographie von Henryk Bereska, seine literarische Arbeit und seine Bedeutung für die Rezeption polnischer Kultur im deutschsprachigen Raum. Im Zentrum des künstlerischen Programms am Collegium Polonicum steht die szenische Lesung "Wenn ich nachts losgehe…", eine Theaterproduktion nach Texten Henryk Bereskas, gestaltet vom Theater des Lachens, ein Kurzvortrag von Prof. Ines Geipel und Lesung zur Ausgabe des Tagebuchs Bereskas.

Die Veranstaltung klingt mit einer weiteren Fahrt des Poetendampfers auf der Oder (18.00 Uhr) aus.

Die Karl Dedecius Stiftung an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und das Karl Dedecius Archiv am Collegium Polonicum laden ein, in Vertretung aller Kooperationspartner und Zuschussgeber.

Alle Teile der Veranstaltung werden deutsch-polnisch durchgeführt.

Sonntag, 17. Mai 2026, 11.00 bis 20.00 Uhr, Schiffsanlegestelle Frankfurt (Oder) (Onkel Helmut) und Collegium Polonicum, Słubice

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Die Europa-Universität verleiht den 25. Viadrina-Preis an den Bestsellerautor, Schauspieler und Kabarettisten Steffen Möller. Mit der Auszeichnung wird sein literarisches Werk und sein künstlerisches Schaffen als Entertainer und Schauspieler gewürdigt, mit dem er auf besondere Weise seit vielen Jahren zu einer vertieften Verständigung zwischen Deutschland und Polen beiträgt. Die Laudatio hält der Schriftsteller Radek Knapp.  

Der Eintritt für die Preisverleihung mit anschließender Kabarettshow und Umtrunk ist frei.

Mit dem Viadrina-Preis würdigt die Universität seit 1999 herausragende Persönlichkeiten und bedeutende Initiativen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens für ihr Engagement zur Verständigung, Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Kleist Forum statt und wird simultan deutsch-polnisch gedolmetscht.

Donnerstag, 21. Mai 2026, 16.00 Uhr, Kleist Forum, Platz der Einheit 1, Frankfurt (Oder)

Programm und Anmeldung

In Zeiten globaler Machtverschiebungen gewinnt das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen besondere geopolitische Bedeutung. Beide Länder sind zentrale Pfeiler der europäischen Sicherheitsordnung und zugleich Brückenbauer in einer Region, die zunehmend im Fokus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen steht. Über die bilateralen Beziehungen vor dem Hintergrund globaler Umbrüche diskutieren: Dr. Kathrin Zehender (Politisches Bildungsforum Brandenburg), Knut Abraham (MdB, Polen-Beauftragter der Bundesregierung), Rolf Nikel (DGAP) und Prof. Dr. Pierre-Frédéric Weber (Universität Szczecin), Moderation: Prof. Dr. Claudia Maria Weber (Viadrina).

Die Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit der Europa-Universität Viadrina findet auf Deutsch statt.

Donnerstag, 28. Mai 2026, 16.30 Uhr, Senatssaal, Hauptgebäude, Europa-Universität Viadrina

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Die Karl Dedecius Stiftung an der Europa-Universität Viadrina lädt zu einem öffentlichen Gespräch über Henryk Bereska und seine „Kolberger Hefte“ in die Friedenskirche in Frankfurt (Oder) ein. Zu Gast ist Prof. Ines Geipel, Schriftstellerin und Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin.

Ines Geipel hat sich wissenschaftlich und publizistisch intensiv mit „verfemter“ Literatur der DDR auseinandergesetzt. Gemeinsam mit Joachim Walther gab sie die Edition „Die Verschwiegene Bibliothek“ heraus – eine Reihe, in der Texte von Autorinnen und Autoren veröffentlicht wurden, die in der DDR nicht erscheinen durften oder aus dem offiziellen Literaturbetrieb ausgeschlossen waren. Mit der Reihe wurden literarische Stimmen wieder zugänglich gemacht, die lange marginalisiert oder verdrängt waren.

In diesem Zusammenhang erschien auch eine Ausgabe der „Kolberger Hefte“, der Tagebücher von Henryk Bereska. Bereska war Lyriker, Prosaautor und einer der wichtigsten Übersetzer polnischer Literatur ins Deutsche. Seine Arbeit prägte den deutsch-polnischen Literaturtransfer über Jahrzehnte hinweg. Die „Kolberger Hefte“ geben Einblick in sein Schreiben, seine Selbstverortung als Übersetzer und Autor sowie in die kulturellen Rahmenbedingungen seines Wirkens. Das Gespräch eröffnet unterschiedliche Perspektiven auf Bereskas Werk und dessen editorische und literaturgeschichtliche Einordnung.

Die Veranstaltung wird in Kooperation mit dem Oekumenischen Europa-Centrum Frankfurt (Oder) e.V. organisiert.

Sonntag, 31. Mai 2026, 18.00 Uhr, Friedenskirche Frankfurt (Oder)

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Kontakt

Martina Klepek

Eventmanagement