"Lohnendes Engagement" – sechs Erfolgsgeschichten aus der Viadrina
Ein Jahr, sechs Interviews, sechs sehr unterschiedliche Wege. Von September 2025 bis August 2026 hat das Team der ERUA Student Engagement Coaches an der Viadrina die Serie "Success Stories" veröffentlicht. Die Idee dahinter war einfach: Studierende hören oft, dass sich Engagement lohnt, aber sie sehen selten, wohin es tatsächlich führt. Die Serie macht genau das sichtbar. Sie zeigt Menschen, die an der Viadrina angefangen haben, sich in Gremien, Initiativen oder Projekten eingebracht haben und heute in der Hochschulleitung, in der Wissenschaft, in der Politik oder in der Wirtschaft arbeiten.
Für eine Universität, an der Studierende aus verschiedenen Ländern eingeschrieben sind, ist das kein Nebenthema. Wer neu nach Frankfurt (Oder) oder Słubice kommt, bringt oft eine wichtige Frage mit: Was kann aus diesem Studium eigentlich werden, und wie kommt man dorthin? Die sechs Porträts geben darauf ganz verschiedene Antworten.
Die sechs Interviews im Überblick
"Eine studentische Perspektive verändert das Gespräch" – Ira Helten (25. September 2025)
Ira Helten war ab April 2025 das erste studentische Mitglied im Präsidialkollegium der Viadrina – eine Position, die es bislang an nur acht deutschen Universitäten gibt. Ihr Weg dorthin begann 2019: Als Neuankömmling ohne Kontakte ging sie einfach zu jedem Treffen studentischer Initiativen, die sie finden konnte. Über den FSR Kuwi, Stuck e. V. und das Theaterfestival Unithea führte er in den AStA und zu den Semesterticketverhandlungen mit dem VBB. Ihre Botschaft: Studierende sind die Zukunft, sie können die Gegenwart der Universität aber auch hier und jetzt schon gestalten.
"Wir haben eine Gemeinschaft über Grenzen hinweg geschaffen" – Prof. Dr. Dagmara Jajeśniak-Quast (9. Januar 2026)
Sie gehörte 1992 zu den ersten rund 300 Studierenden der neu gegründeten Viadrina, als das Hauptgebäude noch eine Baustelle war und Vorlesungen in Kinos stattfanden. Heute ist sie Professorin für Interdisziplinäre Polenstudien und leitet das Viadrina Center of Polish and Ukrainian Studies. Im Interview erzählt sie von der Gründung des Krakauer Kreises, vom Englischlernen als Babysitterin in Chicago und von den Nächten auf der Oderbrücke, als sie den EU-Beitritt Polens, Schengen und die Öffnung des Arbeitsmarkts gefeiert hat. Ihre Botschaft an heutige Studierende: Nur die eine Hälfte der Ausbildung findet im Seminarraum statt, die andere draußen.
"Die Viadrina war nie nur eine Universität, sie war auch ein Zuhause" – Julia Szuleta (13. April 2026)
Julia Szuleta kam aus einer kleinen polnischen Stadt und begann mit einem einjährigen Deutsch-Intensivkurs. Aus der Erinnerung daran, wie es sich anfühlt, neu in einem fremden Land zu sein, resultierte erst eine Tätigkeit als Tutorin, dann die Leitung des Bereichs Incomings und Tutoring bei European Student Network (ESN) und schließlich die Präsidentschaft des ESN Frankfurt (Oder). Parallel war sie bei ELSA als Director for Board Management aktiv und arbeitete in der Abteilung für Chancengleichheit. Ihr Rat in einem Satz: Ergreift jede Chance, die sich euch bietet!
"Die wertvollsten Uni-Erfahrungen stehen nicht in einem Masterplan" – Philip Panek (29. Mai 2026)
Als Sohn polnischer Eltern in Deutschland aufgewachsen, entschied sich Philip Panek für das Deutsch-Polnische Jurastudium an der Viadrina und am Collegium Polonicum. Über den Senat, den Studierendenrat des Collegium Polonicum und den Prüfungsausschuss hat er die Universität von innen kennengelernt – inklusive der Erkenntnis, dass hinter Hochschulstrukturen immer Menschen stehen. Heute ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Viadrina Compliance Center. Seine Erfahrungen verdeutlichen nicht zuletzt, wie unterschiedlich studentische Mitbestimmung auf der deutschen und der polnischen Seite der Oder funktionieren kann.
"Veränderung entsteht durch die Bereitschaft, für andere da zu sein" – Mohammad Arafat Intisher (9. Juli 2026)
Mohammad Arafat Intisher schloss 2023 den Master "Digital Entrepreneurship" an der European New School of Digital Studies ab und war während seines Studiums Beauftragter für Antirassismus im AStA. Heute arbeitet er als Associate Engineer bei der Deutschen Bank. Im Interview beschreibt er, wie er durch Aufklärungskampagnen, Workshops und herausfordernde Gespräche genau die Fähigkeiten erwerben konnte, auf die er sich heute beruflich verlässt: Kommunikation über Perspektiven hinweg, Führung unter Druck, Menschen für gemeinsame Ziele zusammenbringen. Bemerkenswert ist auch, wem er ausdrücklich seinen Dank ausspricht: den nicht-akademischen Mitarbeiter*innen der Universität – von der Verwaltung bis zur Technik.
"Hab keine Angst, es zu versuchen" – Sahra Damus (24. August 2026)
Sahra Damus studierte von 2002 bis 2008 Kulturwissenschaften an der Viadrina, war im Fakultätsrat, im AStA und im StuPa aktiv und beteiligte sich an ViaMUN, was zu einem Praktikum bei den Vereinten Nationen in Wien führte. Mit dem AStA setzte sie 2008 die erste Busverbindung über die Oder durch. Danach folgten Forschung, Gleichstellungsarbeit, fünf Jahre als Abgeordnete im Brandenburger Landtag und die Rückkehr an die Viadrina, wo sie heute Beauftragte für Nachhaltigkeit ist und für ERUA arbeitet. Sie spricht auch offen darüber, wie es ist, Familie, Beruf und Engagement zu vereinbaren.
Wege zum Erfolg
Über alle diese Gespräche hinweg zeichnen sich durchaus einige Muster ab: Verbindungen, die langfristig zu etwas geführt haben, waren keineswegs immer schon im Vorhinein erkennbar. Ein United-Nations-Modellprojekt führte zu einem Praktikum bei den Vereinten Nationen in Wien. Eine Tutor*innentätigkeit mündete in die Leitung eines internationalen Studierendennetzwerks. Verhandlungen über ein Semesterticket führen zur ersten Busverbindung über die Oder. Wirklich planbar waren diese Wege aber wohl kaum. Hinzu kommt die Grenzlage der Viadrina: Deutsch-polnische Rechtssysteme, grenzüberschreitende Verbindungen, Mehrsprachigkeit als landespolitisches Thema — was anderswo ein gesuchtes Alleinstellungsmerkmal ist, gehört an der Viadrina zum Studienalltag.
Wo anfangen?
Die Strukturen und Netzwerke, die dies ermöglicht haben, gibt es auch weiterhin: Fachschaftsräte, Studierendenparlament, AStA, ESN, ELSA. Mit ERUA kommen sogar noch Travelling Seminars, Summer Schools und vielfältige studentische Beteiligungsmöglichkeiten an sieben Partneruniversitäten in Europa hinzu.
Der erste Schritt war dabei selten der offensichtliche. Und er setzte nicht unbedingt besondere Vorkenntnisse voraus. Was sich im Rückblick als folgerichtig liest, hat sich in der Regel aus etwas viel Kleinerem entwickelt — einer Gelegenheit, die man ergriffen hat, einem Umfeld, das das möglich gemacht hat, und der Bereitschaft, mitzugestalten, noch bevor man wusste, wohin es führt.
Wer nicht weiß, wo er anfangen soll: Sahra Damus' Empfehlung war, andere zu fragen. Die obengenannten Gruppen und Gremien sind mit nur ein paar Klicks erreichbar.
Die Serie "Success Stories" wurde von den ERUA Student Engagement Coaches initiiert. Das Handlungsfeld "Studentisches Engagement" innerhalb der European Reform University Alliance (ERUA) spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung einer aktiven und partizipativen Universitätskultur. Die Viadrina leitet dieses Work Package innerhalb der Allianz.
Die Student Engagement Coaches an der Viadrina werden durch das Programm "European University Networks (EUN) – Nationale Initiative" des DAAD gefördert.
Folgende Artikel sind in dieser Reihe erschienen:
"Hab keine Angst, es zu versuchen" – Interview mit Sahra Damus
"Veränderung entsteht durch die Bereitschaft, für andere da zu sein" – Interview mit Mohammad Arafat Intisher
"Die wertvollsten Uni-Erfahrungen stehen nicht in einem Masterplan" – Interview mit Philip Panek
"Die Viadrina war nie nur eine Universität, sie war auch ein Zuhause" – Interview mit Julia Szuleta
"Wir haben eine Gemeinschaft über Grenzen hinweg geschaffen" – Interview mit Prof. Dagmara Jajeśniak-Quast
"Eine studentische Perspektive verändert das Gespräch" – Interview mit Ira Helten
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