„Veränderung entsteht durch die Bereitschaft, für andere da zu sein“ – Interview mit Mohammad Arafat Intisher

Frankfurt (Oder), 

Mohammad Arafat Intisher schloss 2023 seinen Masterstudiengang „Digital Entrepreneurship“ an der European New School of Digital Studies an der Viadrina ab. Neben seinem Studium engagierte er sich als Beauftragter für Antirassismus. Derzeit arbeitet er als Associate Engineer im Bereich Core Data & Control Technology bei der Deutschen Bank. Er spricht fließend Bengali, Englisch und Deutsch und hat einen globalen akademischen und beruflichen Werdegang vorzuweisen, der sowohl von technischer Weiterentwicklung als auch von gesellschaftlichem Engagement geprägt ist.

Was waren deine Erfahrungen, als du neu an der Viadrina warst?
Mein Fokus lag damals auf dem Lernen, auf akademischem Erfolg und dem Aufbau meiner beruflichen Zukunft. Was ich nicht erwartet hatte, war, wie stark das Universitätsleben meine persönliche Entwicklung über das Studium hinaus prägen würde. Sehr schnell wurde mir klar, dass eine Universität nicht nur eine akademische Einrichtung ist, sondern eine Gemeinschaft, die aus vielen Menschen, Erfahrungen und gemeinsamen Verantwortlichkeiten besteht.

Du hast eine sehr einflussreiche Rolle als Antirassismus-Beauftragter im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) übernommen. Was hat dich dazu motiviert, diese Aufgabe zu übernehmen?
Ich habe die Rolle des Antirassismus-Beauftragten im AStA übernommen, weil ich mich verpflichtet fühlte, über mein Studium hinaus einen Beitrag zu leisten.
Die Rolle bedeutete, bei schwierigen Gesprächen präsent zu sein, Studierende zu unterstützen, die Diskriminierung erlebt hatten, und mich für eine Campuskultur einzusetzen, die auf Würde und Inklusion basiert. Es gab sicherlich Momente des Zweifels, Momente, in denen ich mich fragte, ob eine einzelne Person wirklich etwas bewirken kann. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass die Wirkung nicht immer unmittelbar oder sichtbar ist. Beständigkeit ist wichtig. Präsenz zeigen, zuhören und in diesen Situationen standhaft bleiben – das schafft nach und nach Veränderung, auch wenn sie zunächst nur leise beginnt.

Einweihung Bank 040822-21

In seiner Rolle als Anti-Rassismus-Beautragter hat Mohammad Arafat Intisher im August 2022 eine „Bank gegen Rassismus" auf dem Campus eingeweiht. Mit dabei unter anderem die damalige Viadrina-Präsidentin Prof. Dr. Julia von Blumenthal. 

Welche Aufgaben hattest du in dieser Funktion?
Ich habe Aufklärungskampagnen, Workshops und Gemeinschaftsveranstaltungen mit den Schwerpunkten Inklusion und Antidiskriminierung organisiert. Ich habe dabei mit studentischen Gruppen sowie externen Organisationen zusammengearbeitet, um den Dialog und das Engagement zu stärken. Vor allem aber habe ich mich dafür eingesetzt, dass Studierende, die sich unsichtbar oder ungehört fühlten, immer jemanden hatten, an den sie sich wenden konnten.
Jede Interaktion und jede Initiative hat mich weitergebracht – nicht nur beruflich, sondern auch persönlich. Dadurch habe ich Empathie, Resilienz und ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Gemeinschaften entwickelt, denen ich angehöre.

Wie hat diese Erfahrung deine berufliche Entwicklung beeinflusst?
Mein Engagement in der studentischen Selbstverwaltung und bei Gemeinschaftsinitiativen hat viele Fähigkeiten gestärkt, auf die ich mich heute in meinem Berufsleben verlasse: Kommunikation über unterschiedliche Perspektiven hinweg, Führungsstärke unter Druck und die Fähigkeit, Menschen für gemeinsame Ziele zusammenzubringen.
Das sind nicht nur akademische oder organisatorische Fähigkeiten. Sie sind in der heutigen, sich schnell verändernden Welt unverzichtbar, insbesondere angesichts des rasanten Aufstiegs von Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Automatisierung, bei denen Anpassungsfähigkeit und menschenzentriertes Denken wichtiger denn je sind.
Ob im universitären Umfeld oder in der Unternehmenswelt – diese Erfahrungen haben mich gelehrt, wie man sich in komplexen Situationen klar und zielgerichtet zurechtfindet.

Gibt es Menschen, denen du im Rückblick besonders dankbar bist?
Da möchte ich der nicht-akademischen Gemeinschaft der Universität meine Anerkennung aussprechen: den Mitarbeitenden der Verwaltung, den Wartungsteams, den Technikern, dem Sicherheitspersonal und vielen anderen. Ihre Arbeit bildet das Fundament, auf dem Studierende und Mitglieder der Fakultät sich entfalten können.
Auch wenn ihre Beiträge im akademischen Bereich vielleicht nicht immer sichtbar sind, ist ihr Einfluss im täglichen Ablauf und für das Wohlergehen des universitären Umfelds deutlich spürbar. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil dessen, was Lernen und Wachstum erst möglich macht.

Wie blickst du insgesamt auf deinen Weg von der Viadrina ins Berufsleben?
Rückblickend sehe ich meinen Weg nicht nur als Übergang vom Studierenden zum Arbeiten. Ich sehe darin eine Wandlung – von einem Lernenden zu einem Fürsprecher bestimmter Gruppen und nun zu einem Berufstätigen.
Was ich am meisten schätze, sind nicht nur die Rollen, die ich innehatte, sondern die Denkweise, die ich entwickelt habe: zielgerichtet zu führen, konsequent zu bleiben und überall, wo ich bin, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Dieser Weg hat mich gelehrt, dass bedeutende Veränderungen nicht immer durch große Taten entstehen, sondern durch Beständigkeit, Verantwortung und die Bereitschaft, für andere da zu sein. Und das ist etwas, das ich auch heute noch in mein Berufsleben mitnehme.

Das Interview mit Mohammad Arafat Intisher ist Teil einer Serie, die von den ERUA Student Engagement Coaches initiiert wurde. Das Arbeitspaket „Studentisches Engagement" innerhalb der European Reform University Alliance (ERUA) spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung einer aktiven und partizipativen Universitätskultur. Die Viadrina leitet dieses Arbeitspaket innerhalb der Allianz.

Die Student Engagement Coaches an der Viadrina werden durch das Programm „European University Networks (EUN) – Nationale Initiative" des DAAD gefördert.

Die folgenden Artikel sind bereits in dieser Reihe veröffentlicht worden:

Saliqa Parveen

Mehr über ERUA an der Viadrina

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