Rückblick

"Henryk Bereska – ein Mann im Dazwischen"

Internationale Tagung an der Europa-Universität Viadrina und im Collegium Polonicum

Vom 15. bis 17. Oktober 2025 fand an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und im Collegium Polonicum in Słubice die internationale Tagung „Henryk Bereska – ein Mann im Dazwischen“ statt. Wissenschaftlerinnen, Übersetzerinnen, Autorinnen und Kulturvermittlerinnen aus Deutschland und Polen widmeten sich Leben und Werk des Dichters, Übersetzers und Kulturvermittlers Henryk Bereska, dessen Wirken beispielhaft für literarische und kulturelle Grenzgänge zwischen Ost und West steht.

Im Zentrum der Tagung standen Bereskas Rolle als literarischer Übersetzer, seine Bedeutung für den deutsch-polnischen Kulturaustausch sowie die Aktualität seines Denkens in gegenwärtigen literatur- und kulturwissenschaftlichen Debatten. In Vorträgen und Diskussionen wurde Bereska unter anderem als Vermittler zwischen literarischen Traditionen, politischen Systemen und ästhetischen Positionen analysiert.

Der erste Konferenztag begann mit einer feierlichen Eröffnung und einem Eröffnungsvortrag, gefolgt von mehreren Plenarvorträgen, die grundlegende Perspektiven auf Bereskas Werk eröffneten. Dabei ging es unter anderem um Übersetzen als kulturelle Praxis, um Mehrsprachigkeit und um die Frage, wie literarische Vermittlung unter politischen und historischen Bedingungen gestaltet werden kann. Für zentrale Programmpunkte wurde eine Simultanübersetzung ins Deutsche und Polnische angeboten, sodass ein intensiver fachlicher Austausch über Sprachgrenzen hinweg möglich war. Die Veranstaltungen des ersten Tages wurden per Livestream auf dem YouTube-Kanal des Collegium Polonicum übertragen und sind dort weiterhin frei zugänglich.

In den Sektionen vertieften Einzelvorträge diese Perspektiven – etwa mit vergleichenden Analysen einzelner Übersetzungen (u. a. zu Tadeusz Różewicz) und mit Beiträgen zu Bereskas Arbeit an der Lyrik Zbigniewa Herberts. Weitere Vorträge widmeten sich Bereskas Übersetzungspoetik und -praxis, etwa im Umgang mit archaisierten Vorlagen oder im Bereich der Theaterübersetzung, sowie seinem eigenen Schreiben – von Selbstzeugnissen bis hin zur Frage nach literarischen Bildern der DDR in seinen Aufzeichnungen.

Ein besonderer Höhepunkt der Tagung war der öffentliche Konferenzabend „Spuren, Stimmen, Erinnerungen“ am 15. Oktober 2025 in der Großen Aula des Collegium Polonicum. In einem abwechslungsreichen Format aus Gespräch, Lesung und Musik wurde Henryk Bereska nicht nur als Übersetzer und Intellektueller, sondern auch als kulturelle Persönlichkeit gewürdigt. Für einen besonderen Akzent sorgte das Theater des Lachens, das in einem unterhaltsamen Sketch erstmals eine neu angefertigte Puppe, die Henryk Bereska darstellt, vorstellte. Die szenische Präsentation verband Humor mit biografischen Anspielungen und eröffnete einen spielerischen Zugang zu Bereskas Person und Werk.

Im Rahmen des Konferenzabends fand außerdem die Preisverleihung des Übersetzungswettbewerbs „Bereska-Aphorismen übersetzen“ statt. Der Wettbewerb richtete sich an Nachwuchsübersetzer*innen ohne bisherige Buchveröffentlichung und lud dazu ein, zehn ausgewählte Aphorismen Bereskas literarisch ins Deutsche zu übertragen. Der Preis ging an Konrad Miller, dessen Übersetzung die Jury durch sprachliche Präzision und stilistische Sensibilität überzeugte.

Die Tagung wurde von der Karl Dedecius Stiftung organisiert. Eine zentrale Partnerinstitution war der Lehrstuhl für Translatorik und Glottodidaktik an der Universität Wrocław, mit dem eine enge Zusammenarbeit im Bereich der Übersetzungsforschung besteht. Diese Kooperation spiegelte sich auch im Programm wider, das bewusst wissenschaftliche Analyse, übersetzerische Praxis und Nachwuchsförderung miteinander verband.

Die Beiträge der Tagung sollen in einem wissenschaftlichen Konferenzband veröffentlicht werden und die Ergebnisse der Diskussionen dauerhaft dokumentieren.

Mit der Tagung "Henryk Bereska – ein Mann im Dazwischen" wurde nicht nur das Werk eines bedeutenden Übersetzers gewürdigt, sondern zugleich ein Raum für aktuellen deutsch-polnischen Dialog geschaffen – ganz im Sinne Bereskas eigener Vermittlungsarbeit zwischen Sprachen, Literaturen und Kulturen.

Karl Dedecius Stiftung

Dr. Ilona Czechowska

Dr. Małgorzata Szajbel-Keck
HG 262
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