"Różewicz - ein Dichter der inspiriert. Fotografie von Adam Hawałej"

Beschreibung

picture for the web2 ©Adam Hawałej

22.11.2022-06.03.2023
Universitätsbibliothek der Europa-Universität Viadrina

Tadeusz Różewicz (1921-2014) gehört zu den wichtigsten Dichtern und Dramatikern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie der Jahrhundertwende in Polen. Wir zeigen an der Viadrina eine Sammlung von Bildern des Fotografs Adam Hawałej, die an Tadeusz Różewicz erinnert.

Diese Fotosammlung ist etwas Besonderes, denn Tadeusz Różewicz ließ sich ungerne fotografieren. Sein Fotograf, Adam Hawałej, erinnert sich:

„Ich habe Herrn Tadeusz 1986 persönlich kennengelernt. Ich suchte schon länger nach einem Fototermin, er lehnte es aber immer wieder ab. Dieses hin und her dauerte drei Jahre. Als ich die Hoffnung aufgab, ihn je fotografieren zu dürfen, traf ich [...] Tadeusz Różewicz bei Frau Maria Dębicz [Leterin der Programmgruppe am Polnischen Theater in Wroclaw / Dramaturgin des Polnischen Theaters in Breslau in den Jahren 1972-2006]. Er saß einfach im Sessel und trank Tee. Ich wurde vorgestellt und irgendwann fragte mich Frau Dębicz, ob ich ein Foto von Tadeusz machen könnte und so entstand das erste Bild.“*

Danach dürfte der Fotograf Różewicz öfters begleiten und fotografieren. Inspiriert von dieser Sammlung entstand das Buch „Różewicz w obiektywie Adama Hawałeja (Tadeusz Różewicz im Objektiv von Adam Hawałej)“ (2011) sowie die präsentierte Ausstellung.

*aus Różewicz w obiektywie Adama Hawałeja, Wrocław 2011

Termine

Am 30. November 2022 fand ein Podiumsgespräch mit dem Fotografen A. Hawałej und der Biografin M. Grochowska an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) statt. Die Gäste sprachen von ihren eigenen Erfahrungen mit Tadeusz Różewicz - A. Hawałej von seinen Reisen mit dem Dichter, und M. Grochowska von ihren Reisen auf den Spuren des Dichters.

Info

Tadeusz Różewicz war ein Dichter, Dramatiker, Drehbuchautor, Prosaautor, Satiriker. Er war einer der vielseitigsten und kreativsten Fortsetzer der literarischen Avantgarde. Mehrfach wurde er als Kandidat für den Nobelpreis vorgeschlagen. In seiner Poesie drückte Różewicz die Ängste und Verbitterung seiner Generation aus, die die Unterdrückung seitens Polens Besatzer hautnah erlebte. In die Literaturgeschickte kam er dennoch nicht als Dichter der Verzweiflung ein, sondern viel mehr als skeptischer Rebell gegen die herrschende Weltordnung.

Różewiczs bittere Abrechnung mit der Biografie seiner Generation, die sich erfolglos im Chaos des modernen Lebens zurechtfand, spiegelte sich perfekt in seinen Dramen. Mit bitterer Ironie beobachtete skizzierte er den Alltag eines durchschnittlichen polnischen Intellektuellen. 

Die Stärke der Kreativität von Różewicz liegt in der Fähigkeit, Gegensätze zu verbinden. Einerseits hält er an der klassischen, elaborierten Form fest, andererseits dient sie ihm dazu, frische, unkonventionelle Inhalte auszudrücken. Umgekehrt verleiht er Themen aus der Vergangenheit einen innovativen Ausdruck. Dadurch werden seine Arbeiten mehrdeutig, verstörend und universell. Der immerwährende Wert der Avantgarde in Form und Inhalt der Werke wird durch die recht häufige Inszenierung seiner Stücke bestätigt. Obwohl sie mehrere Dutzend Jahre alt sind, spiegeln sie immer noch genau unseren Gemütszustand wider.

Różewicz wird zu einem der eindringlichsten Chronisten der polnischen Realität des vergangenen und des gegenwärtigen Jahrhunderts. Die positive Resonanz auf die im Ausland aufgeführten Stücke beweist, dass er Anspielungen oder Obertöne verwendet, die nicht nur in seiner Heimat deutlich werden.

Adam Hawałej ist ein Presse- und Theaterfotograf. Als Fotojournalist befasste er sich täglich hauptsächlich mit Pressefotografie in Niederschlesien, vor allem dokumentierte er die größten soziokulturellen und sportlichen Ereignisse in Polen und im Ausland. In Wrocław waren das wiederum mehrere kulturelle Veranstaltungen. Von 1986 bis 2014 dokumentierte er das Leben von Tadeusz Różewicz. 2011 veröffentlichte er das Album „Różewicz“. Für seine Verdienste wurde er u.a. mit dem Verdienstpreis der Polnischen Presseagentur im Jahr 2012 und dem Tadeusz Szwed Preis des Verbandes Polnischer Journalisten geehrt.

Magdalena Grochowska ist eine Publizistin und Schriftstellerin. Seit 1996 ist sie Reporterin für die „Gazeta Wyborcza“. Sie schreibt vor allem Biografien. Für „Jerzy Giedroyc. Do Polski ze snu“ (2009) wurde sie mehrmals ausgezeichnet. In den ersten Teil ihrer neuesten Biografie „Różewicz. Rekonstruktion“ beschäftigt sich Grochowska mit der Geschichte der Familie Różewiczs. Sie zeigt das Drama eines vom Krieg verbrannten Mannes, der die polnische Poesie revolutionierte, obwohl es „nach Auschwitz“ verstummen sollte. Grochowska erzählt von Różewicz als Ehemann, Vater und Sohn. Sie zeigt seine Verstrickung in den sozialistischen Realismus, seine Befreiung davon sowie die Geburt des Dramatikers. So schrieb sie über ihrer Arbeit an dem Buch:

„Ich arbeitete über 5 Jahre an der „Rekonstruktion“. Es war eine schwierige Zeit mit Tadeusz Różewicz. Ich bin immer noch auf dem Weg zu ihm. Er führte mich durch die hellen und dunklen Räume seines Werkes, warf mich in Fallen und kafkaesken Höllen. Ich zweifelte an mich und kämpfte ans Licht wiederzukommen. Seine Verwandten und seine Familie halfen mir; auch Historiker, Archivare und Bibliothekare. Freundliche Menschen, denen bewusst ist, dass es unmöglich ist, die letzten hundert Jahre polnischer Geschichte zu verstehen, ohne Różewicz kennenzulernen und zu verstehen.“*

*aus Różewicz. Rekonstrukcja I. M. Grochowska, Warszawa 2021

Die Ausstellung wurde von Adam Hawałej ausgeliehen.

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