Theater und Übersetzung – Neuer Band der Reihe OderÜbersetzen erschienen
Mit Band 11 ist eine neue Ausgabe der wissenschaftlichen Reihe OderÜbersetzen. Übersetzer_in und Übersetzen im deutsch-polnischen Kontext des Karl Dedecius Archivs erschienen. Unter dem Titel „Theater und Übersetzung / Teatr i przekład“ versammelt sie Beiträge zu den vielfältigen Beziehungen zwischen Theater, Sprache und Translation.
Die Beiträge zeigen, dass Übersetzen auf der Bühne weit mehr ist als die Übertragung eines Textes: Es ist ein kultureller Aushandlungsprozess, der Perspektiven eröffnet, Erinnerungen vermittelt und den Dialog zwischen Gesellschaften ermöglicht. Der Themenschwerpunkt reicht von der Übersetzung dramatischer Texte über mehrsprachige Theaterpraxis bis hin zu Fragen kultureller Vermittlung und performativer Kommunikation.
Mit zwei Beiträgen sind auch Mitarbeiterinnen der Karl Dedecius Stiftung vertreten. Dr. Ilona Czechowska und Dr. Małgorzata Szajbel-Keck greifen dabei unterschiedliche Aspekte der deutsch-polnischen Übersetzungs- und Kulturgeschichte auf und zeigen, wie eng wissenschaftliche Forschung, Archivarbeit und kulturelle Praxis miteinander verbunden sind.
Theatergeschichte aus dem Archiv neu gelesen
Im Beitrag „Geister der Hoffnung – Die Hochzeit in Salzburg. Die Kulissen der Aufführung eines polnischen Dramas“ rekonstruiert Ilona Czechowska anhand bislang wenig beachteter Archivmaterialien die Entstehungsgeschichte von Karl Dedecius’ Übersetzung von Stanisław Wyspiańskis Wesele (Die Hochzeit). Im Mittelpunkt steht die Salzburger Inszenierung, die auf Initiative des Regisseurs Peter Stein entstand und für die Dedecius die deutsche Übersetzung anfertigte.
Czechowska macht deutlich, dass Theaterübersetzung immer auch ein Prozess intensiver Zusammenarbeit ist, in dem literarische, künstlerische und historische Kontexte aufeinandertreffen. Der Beitrag eröffnet zugleich einen seltenen Einblick in die Bestände des Karl Dedecius Archivs und zeigt, wie archivalische Quellen die Entstehungsgeschichte bedeutender Übersetzungen sichtbar machen können.
Wisława Szymborska über Grenzen hinweg
Der zweite Beitrag stammt von Dr. Małgorzata Szajbel-Keck. Unter dem Titel „Szymborska ohne Grenzen: Hundert Jahre der Dichterin in Frankfurt (Oder) und Słubice“ dokumentiert sie die grenzüberschreitenden Veranstaltungen zum 100. Geburtstag der Literaturnobelpreisträgerin. Im Mittelpunkt stehen Ausstellungen, wissenschaftliche Veranstaltungen, Lesungen und der internationale Übersetzungswettbewerb, die gemeinsam von der Karl Dedecius Stiftung und zahlreichen Partnerinstitutionen organisiert wurden.
Der Beitrag verdeutlicht, wie Übersetzung als kulturelle Praxis Menschen über Sprach- und Ländergrenzen hinweg verbindet und wie das Werk Wisława Szymborskas im deutsch-polnischen Grenzraum neue Resonanzräume eröffnet.
Szymborskas Gedicht „Lachen“ erstmals auf Deutsch veröffentlicht
Darüber hinaus enthält der Band die Erstveröffentlichung der deutschen Übersetzung des Gedichts „Lachen“ (Śmiech) von Wisława Szymborska in der Übersetzung von Angela Rogner. Die Übersetzung entstand im Rahmen des von der Karl Dedecius Stiftung anlässlich des Wisława-Szymborska-Jahres 2023 ausgeschriebenen Wettbewerbs für die beste nicht-professionelle Übersetzung des bis dahin nicht ins Deutsche übertragenen Gedichts und wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
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