Konzentriert schreiben in europäischer Runde: Rückblick auf das ERUA/ZLL Writing Retreat für Lehrende und Forschende

Frankfurt (Oder), 

Was geschieht, wenn 15 Forschende aus ganz Europa vier Tage lang gemeinsam an ihren Texten arbeiten? Wer dabei war, spricht zuweilen von einem kleinen Wunder.

Vom 4. bis 7. Mai 2026 versammelte das Writing Retreat for Teachers and Researchers Wissenschaftler*innen und Promovierende aus den ERUA-Universitäten an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Gearbeitet wurde im neu eröffneten Co-Working-Space auf dem Campus. Ausgerichtet wurde das Retreat gemeinsam von ERUA und dem Zentrum für Lehre und Lernen (ZLL) der Viadrina. Die Leitung lag bei Franziska Liebetanz, Co-Leiterin des ZLL. Sie führte die Teilnehmenden durch ein Programm, das konzentrierte Schreibphasen mit kollegialem Austausch und gegenseitigem Feedback verband.

Das Konzept setzte bewusst auf Einfachheit und überzeugte gerade deshalb: klar gegliederte Tagesabläufe, dedizierte Zeiten für die eigenen Schreibvorhaben, aber auch Raum für den Austausch über Fächer- und Kulturgrenzen hinweg. 

Stimmen aus dem Retreat

Matilda Appiah, Doktorandin aus Ghana, absolviert derzeit einen Erasmus-Aufenthalt an der Mykolas-Romeris-Universität in Litauen. In ihrer Dissertation entwickelt sie ein Instrument zur Messung der Kommunikationsqualität studentischer Serviceeinrichtungen. Das Retreat gab ihr mehr als nur Zeit zum Schreiben:

Es hat mir das Vertrauen gegeben, dass ich es schaffen kann. Viele kämpfen mit denselben Schwierigkeiten; ich dachte, ich wäre die Einzige. Am Ende der Woche hatte ich erreicht, was ich mir vorgenommen hatte: ein Kapitel meiner Dissertation abzuschließen.

Matilda Appiah, Erasmus-Doktorandin aus Ghana an der Mykolas-Romeris-Universität in Litauen

Damit beschrieb sie etwas, was beim wissenschaftlichen Schreiben oft fehlt: die Gewissheit, mit den eigenen Schwierigkeiten nicht allein zu sein. 

Hristo Chukurliev leitet die zentrale Universitätsverwaltung der New Bulgarian University und arbeitet zugleich an seiner Habilitation. Mit eher gedämpften Erwartungen angereist, sprach er am Ende von einem kleinen "Wunder": 

Ich hatte gehofft, dass mir das Writing Retreat nützlich sein würde. Mit einem Wunder aber hatte ich nicht gerechnet. Genau das ist gestern passiert: Es hat mir bei meinem Text wirklich geholfen. Ich nehme das Konzept also unbedingt mit nach Hause: An angloamerikanischen und deutschen Hochschulen ist es weit etablierter und ich freue mich darauf, es nun auch nach Bulgarien zu tragen.

Hristo Chukurliev, Direktor der zentralen Universitätsverwaltung der New Bulgarian University

Für ihn war das Retreat also nicht nur persönlich ein Gewinn. Das Format lässt sich auch in andere professionelle Kontexte übertragen. 

Eindrücke aus dem Writing Retreat

Mehr als ein Schreibworkshop

Was dieses Retreat unter dem Strich so besonders machte, war die Kombination von individuellem Fortschritt mit gemeinsamem Erfahrungsaustausch. Die Teilnehmenden brachten ihre Artikel, Dissertationskapitel und wissenschaftlichen Texte mit und kehrten mit weiterentwickelten Entwürfen, neuen fachlichen Kontakten und gleich mehrfach mit dem Vorsatz zurück, das Format auch an der eigenen Hochschule zu etablieren. 

Als Veranstaltungsort diente Viadrinas neu eröffneter Co-Working-Space – ein passender Rahmen für ein Format, das über Hochschulgrenzen hinweg neue Formen der Zusammenarbeit erprobt. ERUA und das ZLL werden mit Sicherheit daran anknüpfen. 

Fritz Schlüter

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