Dauerhaft, gleichberechtigt, unabhängig – Zukunft der Ukrainestudien im Zentrum der Eröffnung der Ukrainian Week
Am 12. Oktober 2026 wurde an der Viadrina die Ukrainische Woche der Global Coalition of Ukrainian Studies (GCU) eröffnet. Neben dem Beitritt der Viadrina zur GCU bot das Programm mit Vorträgen, einer Diskussion, einer Ausstellung und weiteren Formaten Einblicke zur Frage, wie die Ukraineforschung an deutschen Hochschulen langfristig gestärkt werden kann und was es für eine noch engere Zusammenarbeit mit ukrainischen Universitäten braucht.
Der Logensaal der Europa-Universität Viadrina wurde an diesem Montag zum Treffpunkt der deutsch-ukrainischen Wissenschaftskooperation: Zahlreiche Gäste aus Brandenburg, Deutschland und der Ukraine kamen zur Eröffnung der Ukrainian Week zusammen. Höhepunkt der Veranstaltung war die Unterzeichnung eines Memorandums, mit dem die Viadrina der Global Coalition for Ukrainian Studies beitritt und sich damit zum weiteren Ausbau der Ukrainestudien verpflichtet. Im Gegenzug erhält die Universität Zugang zu einem internationalen Netzwerk der Ukrainestudien sowie Unterstützung von ukrainischer Seite beim Aufbau von Lehrplänen und bei der institutionellen Verankerung der Ukrainestudien.
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In einer Videobotschaft würdigte die ukrainische First Lady und Botschafterin der Global Coalition for Ukrainian Studies, Olena Selenska, das bereits bestehende Engagement der Universität. Sie hob hervor, dass die Viadrina längst über einzelne Projekte hinausgegangen sei und eine umfassende Infrastruktur für Ukrainestudien aufgebaut habe – vom Kompetenzverbund Interdisziplinäre Ukrainestudien (KIU) und dem Viadrina Ukrainian Law Campus bis hin zu strukturierten Studien- und Promotionsangeboten.
Wie lässt sich die Ukraineforschung an deutschen Hochschulen dauerhaft verankern – unabhängig von der unmittelbaren Aufmerksamkeit für den Krieg? Und wie können ukrainische Wissenschaftler gleichberechtigt an der Entwicklung von Forschung und Lehre beteiligt werden? Diese Fragen prägten die Eröffnungsreden, Gespräche und Podiumsdiskussionen rund um die Unterzeichnung des Memorandums.
Die Viadrina stellte dabei mehrere ihrer Initiativen im Bereich der Ukrainestudien vor. Dr. Susann Worschech präsentierte den Kompetenzverbund Interdisziplinäre Ukraine Studien (KIU), der Forschung und Lehre über die Ukraine und mit der Ukraine vernetzt und in diesem Jahr mit dem Ukrainian Studies Distinguished Award ausgezeichnet wurde. Prof. Dr. Benjamin Lahusen erläuterte den Viadrina Ukrainian Law Campus, ein gemeinsames Projekt mit der Nationalen Universität Kyjiw-Mohyla-Akademie, das ukrainischen Jurastudierenden ein Studienumfeld in Frankfurt (Oder) bietet und ihre Verbindung zur ukrainischen Hochschulbildung erhält. Stefan Henkel, Leiter des International Office, stellte das German-Ukrainian University Network vor. Auch ein gemeinsam mit der Kyjiw-Mohyla-Akademie geplanter Studiengang zu Transitional Justice gehört zu den Vorhaben, mit denen die Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden soll.
Bei der Podiumsdiskussion „Security & Resilience for a European Future“ ging es um die Bedeutung der Ukrainestudien für das Verständnis politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen in Europa. Volodymyr Sheiko, Generaldirektor des Ukrainischen Instituts, verwies darauf, dass die Ukraine und Osteuropa in Deutschland lange aus einer postsowjetischen, häufig russlandzentrierten Perspektive betrachtet worden seien. Dadurch seien sowohl die demokratischen Entwicklungen in der Ukraine als auch der wachsende russische Imperialismus nicht ausreichend berücksichtigt worden. Prof. Dr. Jan Behrends ergänzte, dass die Wissenschaft Gefahren in Russland zwar früh erkannt habe, ihre Erkenntnisse jedoch nicht immer die politischen Entscheidungsträger erreicht hätten. Ein weiteres zentrales Thema war die Rolle ukrainischer Expertise: Sie solle nicht lediglich in europäische Forschungsprojekte einfließen, sondern gleichberechtigt an deren Gestaltung beteiligt sein.
Begleitet wurde die Eröffnung von der Ausstellung „Crimea: Over a Decade Under the Russian Occupation“. Alina Olefir von der Mission des Präsidenten der Ukraine in der Autonomen Republik Krim führte in die Ausstellung ein, die verschiedene Dimensionen der russischen Besatzung der Halbinsel beleuchtet.
Den Abschluss des Tages bildete eine Keynote des ukrainischen Philosophen und Journalisten Volodymyr Yarmolenko, der zuvor auf der Frankfurter Buchmesse sein Buch „Kultur des Trotzdems. Wie die Ukraine Europa hilft“ vorgestellt hatte. In seinem Vortrag sprach er über Freiheit als „Haltung des Trotzdem“ und darüber, wie die Ukraine angesichts der russischen Angriffe ihre Freiheit behauptet. „Wenn wir auf die Idee des deutschen Philosophen Immanuel Kant von der ‚Bedingung des Möglichen‘ zurückkommen, lässt sich sagen, dass Russland immer wieder einen Zustand des Unmöglichen schafft: indem es die Ukraine angreift und kritische Infrastruktur zerstört. Die Ukraine aber lebt weiter und praktiziert Freiheit – trotzdem“, sagte Yarmolenko. In einer Zeit wiederkehrender imperialer Bestrebungen, so Yarmolenko, sei es Aufgabe der Gesellschaften, für die Demokratie einzustehen.
Die Ukrainian Week findet vom 12. bis 16. Oktober 2026 an ausgewählten deutschen Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen statt, darunter in Tübingen, Regensburg und München. Organisiert wird sie von der Global Coalition for Ukrainian Studies, dem Ukrainischen Institut und der Botschaft der Ukraine in Deutschland. Ziel ist es, die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit in Forschung und Lehre zu stärken und die Ukrainestudien langfristig an deutschen Hochschulen zu verankern.
Mariya Zoryk
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