„Wir müssen mehr nachdenken als zuvor“ – Roksana Rybicka ermutigt als Digital Changemaker zu kritischer KI-Nutzung

Frankfurt (Oder), 

Roksana Rybicka ist eine von 15 Studierenden in ganz Deutschland, die für die DigitalChangeMaker-Initiative vom Hochschulforum Digitalisierung (HFD) ausgewählt wurden. In dieser Funktion spricht sie am 22. und 23. Juni 2026 beim University Future Festival in Berlin und Graz unter anderem darüber, wie KI das Studieren verändert. Sie selbst studiert Jura und Digital Entrepreneurship an der Viadrina, arbeitet als Schreibtutorin am Zentrum für Lehre und Lernen und gründet gleich zwei Unternehmen im Bereich Künstliche Intelligenz. Im Interview erzählt sie, was ihre Mission als Digital Changemaker ist und warum KI uns das Denken nicht abnimmt.

Roksana, was macht dich zum Digital Changemaker?

Ich habe mich in diesem Programm vom Hochschulforum Digitalisierung beworben, weil ich schon so viel zu KI und Schreiben, KI und Denken und auch Partizipation an Hochschulen gearbeitet habe, dass ich mir dachte: Ja, das ist mein Ding. Meine Rolle als Digital Changemaker an der Viadrina bedeutet, dass ich die Perspektive von den Studierenden einbringe, wenn es um KI-Nutzung geht.

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Digital Changemaker hört sich auch danach an, dass man digitale Transformationen mitgestaltet. Geht es bei deinem Engagement auch darum, sich nicht überrollen zu lassen?

Ja, das ist ein großer Aspekt davon. Gemeinsam mit den anderen Digital Changemakern will ich Studierenden Hilfe zur Selbsthilfe in Bezug auf KI-Literacy anbieten. Wir entwickeln ein deutschlandweites Konzept – das AI Change Lab –, in dem sich Studierende die grundlegenden Skills aneignen. Das Ziel ist, dass sie eine eigene KI-Strategie entwickeln. Das Changemaking bedeutet für mich, die Leute dazu zu bewegen, ein bisschen kritischer mit der KI umzugehen.

Wie bist du selbst zum Thema Technologie und Digitalität gekommen?  

Schon seit ich klein war, habe ich ganz viel mit IT gemacht. Als ich zwölf war, habe ich meinen ersten PC zusammengebaut. Ich hatte mich tatsächlich auch auf ein IT-Studium beworben und bin dann aufgrund verschiedener, auch familiärer, Gründe doch an dieser kleinen, feinen Universität Viadrina gelandet. Hier gibt es zwar kein IT, aber Jura und ich habe mich auf Medienrecht, Digitalrecht und Datenschutzrecht spezialisiert. Was mich damals auch angezogen hat, war die Eröffnung der European New School of Digital Studies (ENS). Und so habe ich mich entschieden, als zweiten Studiengang auch noch Digital Entrepreneurship zu belegen.

Seit du deinen ersten Computer zusammengebaut hast, ist technologisch so viel passiert. Wie schaffst du es, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben?

Ich bin einfach ganz viel in dieser Bubble unterwegs. Ich gehe auf Konferenzen, zu Vorträgen und bin motiviert, mich weiterzuentwickeln. KI ist mein Hobby und das Feld meiner Gründungen – ich habe zwei Start-ups in diesem Gebiet. Einerseits entwickle ich eine App, die den Leuten Future Skills beibringen soll. Ein bisschen wie bei Duolingo, nur dass sie Critical Thinking, Schreiben und auch einige KI-Skills lernen. Außerdem arbeite ich mit einem Team an einem Unternehmen, das KI-Talente und interessante Stellen und Projekte zueinander bringt.  

Trotz deiner Begeisterung bist du alles andere als kritiklos gegenüber KI. Was macht dir am meisten Sorgen?

Ich sehe eine Gefahr, wo die KI uns die eigene menschliche Stimme wegnimmt. KI kann ein Assistent sein, ein Sparring-Partner. Ich kann sie nutzen, um eine Idee zu validieren, weil ich vielleicht zu schüchtern bin, um sie mit einem Menschen zu besprechen. Aber wenn die KI anfängt, uns als Menschen blind zu ersetzen, ist das sehr kritisch. Und das sage ich auch immer wieder in Bezug auf Schreibprozesse. Es macht einen Unterschied, ob mir die KI hilft, meine Ideen zu diskutieren, oder ob sie für mich spricht. Gefährlich wird es, wenn der Mensch quasi zum Tool der KI wird. Deswegen finde ich die Entwicklung toll, dass wir die KI immer mehr hinterfragen, dass es immer transparenter wird, wie sie funktioniert, was sie kann und was sie nicht kann.

Was ich bei KI auch sehr kritisch hinterfrage ist die Gerechtigkeit, denn nicht jeder hat denselben Zugang zu KI. Nicht jeder kann Premium-Versionen der Programme nutzen. Und nicht jeder hat die Skills, auf die man im Umgang mit KI achten sollte. Natürlich wird Künstliche Intelligenz aber auch gewisse Lücken schließen – etwa bei unterschiedlichen Sprachkenntnissen. Sie kann Menschen auch helfen, sich gehört zu fühlen. Ich sehe also einen wunderbaren Trend und gleichzeitig öffnen sich ganz viele Fragen.

Dafür, dass Studierende KI sinnvoll beim Schreiben einsetzen, engagierst du dich auch als Tutorin im Zentrum für Lehre und Lernen (ZLL). Mit welchen Fragen kommen die Studierenden in die Beratung?

Die Hauptfrage der Studierenden ist die nach ihrer eigenen Stimme. Jeder nutzt KI irgendwie, das ist nicht die Frage. Das Entscheidende ist: Wo endet eigentlich die eigenständige Leistung der Studierenden und wo fängt die KI an? Eine andere wichtige Frage ist, ob die KI-Nutzung konform zur KI-Richtlinie ist. Ein ganz simples Beispiel: Beim Paraphrasieren von fremden Texten muss man angeben, dass die Paraphrase mit KI stattgefunden hat. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wenn ich mich selbst paraphrasiere, muss ich das dann angeben oder nicht? Das mache ich ja auch nicht, wenn ich die Rechtschreibprüfung verwende.

Hast du Sorge, dass Kompetenzen verloren gehen durch die Nutzung von KI beim Schreiben?

Zum Schreiben gehören weitere wichtige Skills: kritisches Denken, die Auswahl der richtigen Quellen, Informationsbeschaffung, Lesen, Verstehen, Kodieren, Sortieren … Außerdem muss man alles, was die KI ausspuckt, noch mal hinterfragen, noch mal überprüfen. Das generiert eigentlich eine zusätzliche Arbeit, wenn man es richtig macht. Nachdenken müssen wir also trotzdem weiter selber, sogar mehr als zuvor, würde ich sagen.

Hast du bei deinen Tätigkeiten, ob als Schreibtutorin oder als Digital Changemakerin, eine Mission?

Mein innerer Auftrag ist es, den Leuten ein bisschen zu helfen, die Welt zu verstehen. Ich möchte sie ermuntern, sich in diesen Zeiten der Veränderung selbst zu helfen.

Wo siehst du dich selbst in der Zukunft?

Ich will meine Masterabschlüsse machen, das Staatsexamen endlich über die Bühne bringen und dann mal schauen. Ich kann mir gut vorstellen, in der Wissenschaft zu bleiben. Ich merke, wie wichtig es ist, dass engagierte, junge Leute sowohl die wissenschaftlichen Diskurse prägen als auch die um KI, und ums Schreiben.

Frauke Adesiyan

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