Campus im Kriegszustand – Viadrina-Kontakte zu ukrainischen Partner-Universitäten

Am 2. März 2022 erreichten Bilder eines bombardierten Gebäudes der Nationalen W.-N.-Karazin-Universität Charkiw die Viadrina. Erschüttert bekräftigte Viadrina-Präsidentin Prof. Dr. Julia von Blumenthal angesichts des Angriffs der russischen Armee auf die Partner-Universität ihre Solidarität mit den ukrainischen Hochschulen. Schon eine Woche zuvor hatte sie sich mit Solidaritätsschreiben an die Präsidenten und die Präsidentin der vier ukrainischen Partner-Universitäten gewandt. Die Antworten geben Einblick in einen ukrainischen Uni-Alltag unter Kriegsbedingungen.

„Tief erschüttert habe ich von der Zerstörung von Gebäuden unserer Partner-Universität, der Nationalen W.-N.-Karazin-Universität Charkiw, erfahren. Die Bilder des brennenden Fakultätsgebäudes führen uns das Grauen des Krieges vor Augen“, äußerte sich Prof. Dr. Julia von Blumenthal am Tag nach der Bombardierung des Universitätsgebäudes in der ostukrainischen Stadt Charkiw. Der Raketeneinschlag sei ein Anschlag auf das Leben von Kolleg:innen und Studierenden, die seit Tagen unter den Angriffen auf ihre Stadt leiden. „Wir appellieren an die internationale Staatengemeinschaft, auf die Einrichtung von humanitären Korridoren hinzuwirken“, forderte die Viadrina-Präsidentin.

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Brennende Partner-Universität: Unter anderem die Tagesschau berichtete am 2. März über den Angriff auf ein Gebäude der Nationalen W.-N.-Karazin-Universität Charkiw. Screenshot: ARD-Mediathek


Die Äußerung war eine Bekräftigung der Solidaritätsbekundung mit den ukrainischen Partner-Universitäten, die Julia von Blumenthal bereits einen Tag nach dem Angriff der russischen Führung versandt hatte. Darin hatte sie aufs schärfste die russische Aggression verurteilt und den Angriff auf die Souveränität und die territoriale Integrität der Ukraine beklagt. „Ich versichere Ihnen, dass die Viadrina fest an Ihrer Seite steht und unsere Gedanken ganz bei Ihnen und all unseren ukrainischen Partner-Universitäten und den zivilgesellschaftlichen Partnern sind“, stand in den Briefen. Enge Beziehung mit unterschiedlichen Schwerpunkten pflegt die Europa-Universität neben der Nationalen Karazin-Universität mit der Nationalen Universität Kiew-Mohyla-Akademie (NaUKMA), der Ukrainischen Katholischen Universität in Lwiw und der Nationalen Taras-Schevchenko-Universität in Kyjiv. Drei dieser Einrichtungen hatte eine Viadrina-Delegation im Oktober 2019 besucht, auch daran erinnert die Viadrina-Präsidentin in ihren Solidaritätsschreiben / Unterstützungsschreiben.

Ein Antwortschreiben erreichte die Viadrina von der Taras-Schevchenko-Universität. Deren Rektor Volodymyr Bugrov fordert in seinem Brief die Partner auf, seinen Appell zur Verteidigung der Ukraine an die deutsche Regierung zu übermitteln, außenpolitische Anstrengungen zu bündeln und den „Widerstand gegen die russische Aggression zu verstärken“.

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Die Webseite der Ukrainische Katholische Universität Lwiw gibt Einblick in den derzeitigen Alltag auf dem Campus. Screenshot: UCU-Website


Fast täglich kommen Mails der Ukrainischen Katholischen Universität (UCU) in Lwiw im Postfach der Viadrina-Präsidentin an. Das Internationale Büro der UCU appelliert darin an internationale Partner, die Unterstützung nicht aufzugeben. Zahlreiche Links geben einen Einblick in einen Universität-Alltag im Kriegszustand. So berichtet Studentin Alisa in einem Video davon, wie sie seit Tagen im Keller ihres Studierendenwohnheimes in Lwiw lebt. Gerade sei es ihr gelungen, einen Großteil ihrer Familie aus dem besonders stark angegriffenen Charkiw nach Lwiw zu bringen. Ein weiterer Film zeigt die ehrenamtlichen Aktivitäten der Studierenden der Universität. Neben dem Werben um Spenden und deren Verteilung geht es dabei auch um den Kampf gegen Falschinformationen. Auf der Webseite der UCU erscheinen täglich neue an die internationalen Partner gerichtete Nachrichten.

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Die Kiew-Mohyla-Akademie veröffentlicht einen Appell an die internationale Hochschul-Gemeinschaft. Screenshot: KMA-Website


Auch die Kiew-Mohyla-Akademie richtet sich in ihrer englischsprachigen Internetpräsenz an internationale Partner. Neben einem Appell an die internationale Gemeinschaft, gemeinsam für Sicherheit, Freiheit und Frieden in Europa einzustehen, sind auch sämtliche Solidaritätsadressen – darunter auch die der Viadrina – veröffentlicht. 

(FA)