Vortrag Von der Diktatur diktierte Träume. Schreibweisen prekärer Personalität in Zeiten totaler Herrschaft

Die Diktatur diktiert Träume. Diese Einsicht stammt aus Charlotte Beradts bekannter Anthologie Das Dritte Reich des Traums (1966). Seit Reinhart Kosellecks Nachwort zu Beradts Traumbuch gehören ‚diktierte Träume‘ zu wichtigen Quellen in der Geschichte des Totalitarismus und der Shoah. Die literarisch bezeugenden Traumnotate von Rudolf Leonhard und Vercors sowie die Lagerträume von Primo Levi oder Charlotte Delbo sind zwar unter verschiedenen Bedingungen entstanden. Sie verbindet jedoch die Reflexion von Strategien der Entpersonalisierung, die im NS-Staat durch juristisch-politische Entrechtungen und in den Verbrechen der Konzentrations- und Vernichtungslagern vollzogen wurden. Der Vortrag untersucht, wie poetologische Verfahren und politische Analysen hierbei ineinandergreifen.

Dr. Sebastian Schönbeck ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld. Seine Forschungen befassen sich mit Romantik und Romantikforschung, engagierter Literatur, Erkennbarkeit von Personen in literarischen Texten (Name, Namenlosigkeit) sowie mit der Theorie und Geschichte der Personalpronomen. Derzeit arbeitet er an seiner zweiten Monographie zu Poetologien der Person in Exil- und Lagerliteratur. Publikationen: Die Fabeltiere der Aufklärung. Naturgeschichte und Poetik von Gottsched bis Lessing (2020) Unarten. Kleist und das Gesetz der Gattung, Hg. mit A. Allerkamp/M. Preuss (2019); Ding und Bild in der Europäischen Romantik und Figuren der Endlichkeit in der Europäischen Romantik, Hg. mit J. C. Heller/E. Martin (2021/2024) und Rhetorik und Romantik. Internationales Jahrbuch der Rhetorik. Hg. mit A. Allerkamp (2025).


Zusammenfassung:

Donnerstag, 29. Januar 2026, 18.00 Uhr
Von der Diktatur diktierte Träume. Schreibweisen prekärer Personalität in Zeiten totaler Herrschaft
Vortrag

mit: Dr. Sebastian Schönbeck (Universität Bielefeld)
Vortrag im Rahmen des "Literarisch-philosophisches Kolloquiums. Kritik heute!" von Frau Prof. Dr. Andrea Allerkamp statt.
Ort: Hauptgebäude, Große Scharrnstraße 59, Raum HG 104



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