„Wenn es etwas nicht gibt, dann soll das gemacht werden“ – wie sich Ewa Łabno-Falęcka ein faszinierendes Buch ausgedacht und herausgegeben hat
Am 9. September 2026 hat die Viadrina-Preisträgerin Dr. Ewa Łabno-Falęcka die erste Sammlung der Briefe zwischen Maria Skłodowska-Curie und Albert Einstein an der Viadrina vorgestellt. Sie hat das aufwändig vorbereitete Buch initiiert und an der Veröffentlichung der polnischen, englischen, deutschen, japanischen und französischen Fassung mitgewirkt. Im Gespräch mit Dr. Małgorzata Szajbel-Keck von der Karl Dedecius Stiftung berichtete Ewa Łabno-Falęcka von der aufwändigen Recherche zu den Briefen und teilte mit dem Publikum ihre Faszination für die Nobelpreisträgerin und den Nobelpreisträger und deren besondere Beziehung.
Alles begann mit einem Anruf aus London: „Wusstest du, dass Maria Skłodowska-Curie als eine der ersten Frauen in Europa einen Lkw-Führerschein gemacht hat?“ Nein, das wusste Ewa Łabno-Falęcka nicht, aber genau diese Frage ihrer Tochter brachte sie auf die Idee, mehr über die polnische Chemikerin und Physikerin herauszufinden. Sie fand ihre Geschichte schon immer sehr faszinierend, wusste aber nicht viel von ihrem Leben und Wirken. So begab sie sich mit ihrem Team auf die Suche nach Briefen, die Maria Skłodowska-Curie und Albert Einstein einander zwischen 1911 und 1932 geschrieben haben.
Es sind insgesamt 27 persönliche Briefe und eine Postkarte – die gesamte gefundene Korrespondenz zwischen den beiden Forschenden. In den auf Französisch verfassten und handgeschriebenen Briefen von Maria Skłodowska-Curie kommen ihre Zurückhaltung und ihr Pragmatismus zum Ausdruck, während die auf Deutsch verfassten und maschinengeschriebenen Briefe von Albert Einstein viel Ausdruckskraft, aber auch Respekt gegenüber seiner zwölf Jahre älteren Kollegin zeigen. Die Briefe waren über Jahrzehnte auf drei Kontinenten verstreut: in der französischen Nationalbibliothek, im Musée Curie, an der Hebräischen Universität Jerusalem, an der ETH Zürich und an der Princeton-Universität. In Paris stellte sich heraus, dass die Briefe der Chemikerin radioaktiv sind. Bevor sie untersucht und digitalisiert werden konnten, mussten sie dekontaminiert werden.
Fotos von der Buchpräsentation mit Dr. Ewa Łabno-Falęcka
Die beiden Persönlichkeiten haben sich 1911 in Brüssel kennengelernt. Wenige Wochen später hat Einstein den ersten Brief geschrieben. In ihrer gesamten Korrespondenz spiegeln sich die damalige Weltlage und auch verschiedene historische Umstände wider, von denen die beiden nicht verschont geblieben sind. Zahlreiche Anekdoten, kleinere und größere Geschichten aus dem Leben von Einstein und Skłodowska-Curie teilte Ewa Łabno-Falęcka an diesem Abend mit dem Publikum. Auszüge aus den Briefen haben Dr. habil. Elsa Tulmets-Gerhardt auf Französisch und Deutsch und Dr. Gero Lietz auf Deutsch vorgelesen.
Und wofür brauchte Maria Skłodowska-Curie den Lkw-Führerschein eigentlich? Sie packte Röntgengeräte auf den ihr geschenkten Lastwagen, um an den Fronten des Ersten Weltkrieges den verwundeten Soldaten möglichst effektiv zu helfen. Dass die französischen Militärärzte und Kommandanten anfangs auf diese Frau und Emigrantin nicht hören wollten, ist eine ganz andere Geschichte.
Die Veranstaltung wurde von der Karl Dedecius Stiftung in Kooperation mit dem Oekumenischen Europa-Centrum Frankfurt (Oder) e. V. organisiert.
Das Buch „Maria Skłodowska-Curie, Albert Einstein: Briefe (1911–1932)“ wurde 2026 von der Fundacja Rozwoju Edukacji dla Przemysłu herausgegeben.
Agnieszka Lindner
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