Mit Humor über die Oder – Steffen Möller mit dem Viadrina-Preis geehrt

Frankfurt (Oder), 

Der Kabarettist und Schauspieler Steffen Möller wurde am 21. Mai 2026 im Kleist Forum in Frankfurt (Oder) mit dem 25. Viadrina-Preis geehrt. Nach einer humorvollen Einstimmung auf den Preisträger durch Laudator Radek Knapp bewies Möller dem gut gelaunten Saalpublikum, warum er den Preis für eine ganz spezielle Art deutsch-polnischer Verständigung verdient hat.

Ein Vierteljahrhundert Viadrina-Preis, ein Vierteljahrhundert Ehrung deutsch-polnischer Verständigung – es war wohl an der Zeit, ein gemeinsames Land zu gründen. Jedenfalls, wenn es nach dem diesjährigen Preisträger Steffen Möller geht. Polschland ist seine Vision von einem Land, das nur das Beste beider Staaten in sein Konzept übernimmt. Die Flagge ist auch schon entworfen: bunte Ballons, ein bisschen Konfetti und der geteilte Schriftzug, damit auch kein Irrtum darüber möglich ist, dass es sich um eine Landesflagge und nicht um die Dekoration eines Kindergeburtstages handelt.

Fotos von der Preisverleihung im Kleist Forum

Selten – oder wahrscheinlich noch nie in der 25-jährigen Geschichte wurde bei einer Viadrina-Preisverleihung so viel gelacht, geklatscht und gesungen. Es ist eben doch etwas sehr Besonderes, einen Schauspieler und zugleich Kabarettisten mit einem Preis zu ehren, dessen „Erfinder“ ein Verleger und ein Universitätsprofessor sind. Es wäre spannend gewesen, über welche Witze der Ideengeber Prof. Dr. Hans N. Weiler und der Stifter Claus Detjen gelacht hätten. Doch der eine weilt in den USA, und der andere steckt mitten in den Vorbereitungen für seinen 90. Geburtstag. „Claus Detjen ist der Grund dafür, dass wir diesen Preis verleihen können; und wir sind ihm sehr dankbar dafür“, erklärte Viadrina-Präsident Prof. Dr. Eduard Mühle in seiner Begrüßung dem Publikum im Kleist Forum. Bevor der polnisch-österreichische Schriftsteller Radek Knapp seine Laudatio auf den Preisträger hielt, wurde noch das Team des Unithea-Festivals mit dem Förderpreis geehrt.

Der Applaus für die Studentinnen begleitete Radek Knapp ans Podium. Er erzählte in Anekdoten über den Viadrina-Preisträger Steffen Möller; ehrte ihn mit warmherzigen Worten und Erzählungen, die nur von einem engen Vertrauten stammen konnten. Zugleich war es wohl der erste von zwei Comedy-Auftritten des Abends – und zum Glück, wie Knapp feststellte, konnte Möller ihn dieses Mal nicht einfach unterbrechen. Stefek, wie er ihn nannte, habe er 1994 kennengelernt. So kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wunderte er sich über den jungen Studenten aus Deutschland, auf den er in einer Kneipe in Warschau traf. Sie lernten sich kennen, erst mit erfundener Biografie und dann – bei aller Komik der beiden – doch ganz ernsthaft. „Das Land an der Weichsel hat ihn sehr ins Herz geschlossen“, beteuerte Radek Knapp seinem Freund und führte weiter aus: „Und manchmal scheint es so, als mag er dieses Land mehr als die Polen selbst.“ Der Humor und die Kunst, für die Steffen Möller stehe, erschaffen einen angstfreien Raum des Austausches, des Interesses füreinander. Die Art und Weise, in der Steffen Möller das Land für sich erschloss und die Herzen der Polen mithilfe der polnischen Fernsehserie „M jak miłość“ für sich gewann, tat offenbar vielen diesseits und jenseits der Oder gut.

Möller selbst schaffte es, in seinem kurzen Programmausschnitt, auch das Publikum im Saal für seine Idee von Polschland einzunehmen; natürlich mit Augenzwinkern, reichlich humoristisch aufgearbeiteten Vorurteilen und autobiografischen Geschichten seiner ureigenen Ergründung der polnischen und deutschen Seele. So kam er gleich zu Beginn seiner mit PowerPoint-Folien bebilderten Show zu dem Schluss: „Viadrina – das ist mein Lebensmotto, immer hin und her über die Oder!“, und visualisierte das nicht mit einer Brücke oder einem anderen symbolträchtigen Foto, sondern mit einem Schnappschuss aus dem Speisewagen des Warschau-Express‘. Als gesetzter und nicht abwählbarer Präsident von Polschland sei er das Herumgereise leid und wolle einfach das Beste beider Länder in einem vereinen. Usedom zu klein, Grönland bereits reserviert, na gut, dann eben virtuell. Der Saal im Kleist Forum geriet zum Stimmungstest, was genau denn das Beste aus Polen und Deutschland sei. Ist es das Tempolimit auf polnischen Autobahnen oder die unbegrenzte Geschwindigkeit auf deutschen? Ist es die Suppe mit Einlage oder die Soße zur Kartoffel? Ist es die Uhrzeit, zu der man Mittag isst: in Deutschland 12 Uhr, spätestens 13 Uhr, was aber schon als „asozial“ gelte. Oder das „polnische Mittag“ ab 14 Uhr? Rund 50 Prozent des Programms waren übrigens nicht verständlich für diejenigen im Saal, die der jeweils anderen Sprache nicht mächtig waren. Auch das provozierte Möller bewusst durch seinen spontan erscheinenden Wechsel zwischen den Sprachen, wahrscheinlich um das Interesse am jeweils anderen zu wecken. Denn so viele Kompromisse zwischen Deutschen und Polen müsse man mit Blick auf die Gemeinsamkeiten gar nicht eingehen. Beide verbringen das Wochenende gern in ihrer kleinen Gartenlaube, werfen den Grill an und schimpfen dabei auf Politik und Staat. „Grillen und Grollen, das können wir beide.“ Zum Abschluss musste noch die von ihm frei erfundene Nationalhymne nach der Melodie von „Biene Maja“ gesungen werden. Denn Steffen Möller und auch alle anderen wissen: Nicht nur der Viadrina-Preis verbindet, auch die Musik. Zuweilen eben auch die etwas in Verlegenheit bringende, mit roter Schirmmütze und Sonnenbrille aber ertragbare Melodie vom Sänger aus dem gemeinsamen Nachbarland Tschechien.

Heike Stralau

Mehr über den Viadrina-Preis erfahren

Beitrag teilen:


Zurück zum Newsportal

Abteilung für Hochschulkommunikation