„Wir sind immer an der Grenze des Unmöglichen“ – Unithea erhält Förderpreis
Das studentisch organisierte Theaterfestival Unithea wurde am 21. Mai 2026 mit dem Förderpreis des Viadrina-Preises ausgezeichnet. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt das Engagement des Teams und der Studierenden, kulturelle Räume für Verständigung zu schaffen. Die Preisverleihung wirft auch ein Licht darauf, wie viel die Professionalität des Festivals den Studierenden abverlangt – und wie viel sie bei der Umsetzung lernen.
Persönliche Begegnungen, kultureller Austausch und gegenseitiges Verständnis sind umso wichtiger, je fragiler der Zusammenhalt in Europa erlebt wird. Diese Einschätzung von Prof. Dr. Eduard Mühle trifft in gleicher Weise auf den diesjährigen Viadrina-Preisträger Steffen Möller und das Theater- und Performancefestival Unithea zu, das an diesem Abend mit dem Förderpreis geehrt wurde. Wie viele engagierte Menschen hinter dem Festival stecken, das seit 1997 außergewöhnliche Theater-Erlebnisse in die Doppelstadt bringt, zeigte sich nicht nur an den vielen Blumensträußen, die an das aktuelle Team übergeben wurden. Während der Rede von Studentin Mariia Didenko liefen zudem Dutzende Namen von Menschen über die Leinwand, die das besondere Event in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut, geprägt und immer wieder neu belebt haben.
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Drei von ihnen saßen sichtbar gerührt im Publikum, während die Studentinnen auf der Bühne ausgezeichnet wurden: Kulturkoordinatorin Constance Krüger, die das Praxisseminar Unithea aktuell leitet, sowie Ira Helten und Maria Ullrich, die das Festival nach einer coronabedingten Pause 2024 in einem enormen Kraftakt neu belebt haben. Sie wissen, wie viel Arbeit, Beharrlichkeit, Leidenschaft und Motivation hinter dem Festival stecken. Auch an sie waren daher die Worte von Eduard Mühle gerichtet, als er die Auszeichnung begründete: „Der studentische Förderpreis würdigt deshalb heute nicht nur ein Festival. Er würdigt studentische Initiative, kulturelles Engagement und die Fähigkeit, Räume für Begegnung und Verständigung – und zwar über Grenzen hinweg – zu schaffen.“
Für das Unithea-Team fällt die Auszeichnung in eine enorm arbeitsreiche Zeit. Schon zwei Wochen nach der Preisverleihung wird die diesjährige Ausgabe stattfinden. Die Vorbereitungen sprengen bei Weitem den Aufwand eines üblichen Uni-Seminars. „Es ist gar nicht so leicht, alle Aufgaben und Anfragen im Blick zu behalten, Prioritäten zu setzen und Deadlines einzuhalten“, sagt Mariia Didenko, die schon im zweiten Semester an dem Festivalprogramm mitarbeitet. Vom Motto über die Einladung der Künstler*innen über technische Absprachen bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit liegt alles in den Händen der Studierenden. Die praxisrelevanten Fähigkeiten, die sie daraus ziehe, seien enorm, sagt Mariia Didenko in einem Gespräch vor der Preisverleihung. Besonders befriedigend sei für sie das Gefühl, mit Unithea soziale und politische Realitäten sichtbar zu machen, Menschen eine Stimme zu geben und Brücken zwischen verschiedenen Erfahrungen und Kulturen zu bauen. Erst im April ist Jenny Nguyen zu dem Unithea-Team gestoßen – für sie eine ganz neue Erfahrung, denn von dem Festival hatte die Viadrina-Studentin zuvor noch nie gehört. Sie ist im Team für Social Media zuständig und ist begeistert, so viel Verantwortung zu haben: „Es macht total Spaß, alles selbst zu managen; wir haben die Freiheit zu arbeiten, wie wir möchten.“
Constance Krüger lächelt bei diesen Worten, denn genau das ist ihr Ziel. Sie will den Studierenden genug Sicherheit geben, damit sie sich ausprobieren und entfalten können, ohne Angst haben zu müssen, in ein Loch zu fallen. „Das Festival hat eine Professionalität erreicht, die den Studierenden sehr viel abverlangt“, gibt sie zu. „Eigentlich sind wir immer an der Grenze des Unmöglichen. Und dann geht es doch irgendwie, auch weil die Studierenden sehr engagiert sind und in der Gruppe wachsen.“ Für Professionalität sorgt auch das Kleist Forum als langjähriger Partner des Festivals. „Das Team ist mit so viel Herzblut dabei, nimmt uns viel Arbeit ab. Nur mit dieser Unterstützung können wir überhaupt professionelle Gruppen einladen“, betont Constance Krüger.
Kunst sei, wenn einer in der dunklen Nacht bei miserabler Stimmung und Wolfsgeheul aufstehe, eine Geschichte erzähle und dadurch einen angstfreien Raum schaffe. Das sagte bei der Preisverleihung Laudator Radek Knapp. Unbewusst brachte er damit auf den Punkt, was das diesjährige Unithea-Team vorhat: Unter dem Motto „Tröste mich“ bringen sie regional und überregional bekannte Künstler*innen zusammen, die ihre Geschichten erzählen: von afghanischen Frauen bis zu Frankfurter*innen aus der Oberstadt. Mariia Didenko sagt zum Ziel von Unithea: „Wir wollen mit den Besucher*innen nach Trost, Halt und Gemeinschaft suchen – in einer Zeit – die uns so unsicher erscheint.“
Frauke Adesiyan
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