„Musik ist die Sprache, die wir alle sprechen“ – ERUAvision feiert Premiere

Frankfurt (Oder), 

Was als studentische Idee im Kosmos der ERUA-Hochschulallianz begann, endete in einer Woche voller Musik, Austausch und europäischem Geist. Zum ersten Mal kamen bei ERUAvision in der ersten Maiwoche 2026 Musiker*innen von Universitäten aus Italien, Frankreich, Spanien, Bulgarien, Deutschland und Litauen zusammen. Im Frankfurter Kleist Forum präsentierten sie ihre selbstgeschriebenen Songs und machten dabei dem Eurovision Song Contest (ESC), der am Wochenende in Wien stattfindet, Konkurrenz.

Contest of Unity – Wettbewerb der Einheit lautete das Motto der Premiere von ERUAvision. Was so pathetisch klingt, wie der große ESC mitunter auftrumpft, wurde während der ERUAvision-Woche in Frankfurt (Oder) tatsächlich gelebt. Ob auf der Studiobühne vom Kleist Forum, im Tonstudio in den Gerstenberger Höfen oder bei Workshops auf dem Campus – überall war sie zu spüren: die Verbundenheit und die gemeinsame Liebe für die Musik der Teilnehmenden von sechs ERUA-Universitäten und ihrer Gastgeber*innen in Frankfurt (Oder). Da ließen die Türkin Selina Cicek, die in Vilnius Jura studiert, und Medizinstudentin Yurima del Mar Ramos Ávila von der Universität Las Palmas de Gran Canaria in einer Probenpause spontan einen spanischen Pop-Song durch die Wandelhalle des Kleist Forums schallen. Ein Techniker vom Kleist Forum half kurzerhand mit seinem privaten Verstärker aus, damit der E-Bass von Yigit Tellioglu aus Vilnius die richtige Kraft auf der Bühne bekommt. Und für Williard Kalwani aus Tansania, der im italienischen Macerata Wirtschaft studiert, gab es Kuchen, Kerzen und Gesang zum 30. Geburtstag.

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Um den Wettstreit, den beim abschließenden Konzert Vyara Raycheva von der New Bulgarian University für sich entschied, ging es hier nur noch am Rande. Wer es von einer der ERUA-Partneruniversitäten nach Frankfurt geschafft hatte, war schon Gewinner*in. Die Aufnahme der selbstgeschriebenen Songs im Tonstudio von Luca Troschke gehörte genauso zum Preis wie Workshops beispielsweise über die Rolle von Frauen oder kulturelle Aneignung im Musikgeschäft. Miguel Ehlert, Leiter des Knabenchors der Frankfurter Singakademie, half den Teilnehmenden gesanglich und in ihrer Bühnenpräsenz.

Was dank der Unterstützung durch die Frankfurter Kulturszene und das ERUA-Team an der Viadrina zu einer so eindrücklichen Erfahrung für alle Teilnehmenden wurde, hatte seinen Anfang bei Izan Suárez Nuez, studentischer ERUA-Botschafter von Gran Canaria. Als studentisches Projekt hat er ERUAvision angestoßen. Er hat die Förderung über ERUA beantragt, Mitstreiter*innen gefunden, ein Regelbuch aufgestellt, Teilnehmende gesucht und das Programm organisiert. Am Rande der Proben im Kleist Forum sagt er: „Jetzt zu sehen, wie alle zusammenkommen, mit denen wir über Monate so viele Mails geschrieben haben, erscheint mir fast unwirklich. Es ist wunderschön, diese Gemeinschaft zu erleben.“ Die Organisation habe seinem Team viel Geduld abverlangt und manche frustrierenden Momente bereitgehalten. „Aber es ist schön zu lernen, mit vielen verschiedenen Menschen zu kooperieren; jeder hat eine Aufgabe und letztendlich haben wir in allen Online-Meetings auch immer viel gelacht“, sagt er.

20250507-eruavision-interview-1Mit Klavier, E-Bass und Gesang präsentierten Selina Cicek, Yigit Tellioglu und Ulpan Turniyazova von der Mykolas Romeris Universität Vilnius ihren Song „Take me away“ über toxische Beziehungen. Die drei studieren Film, Jura und Marketing, teils als Erasmus-Studierende, teils regulär in Vilnius. Sie haben sich spontan für den Wettbewerb zusammengetan und vereinen dabei die kraftvolle Stimme von Selina, die klassische Musikausbildung von Ulpan und die Metal-Attitüde von Yigit. „Bevor ich hier war, wollte ich einfach nur, dass wir gewinnen. Aber jetzt geht es nicht ums Gewinnen, sondern darum, einander zu unterstützen. Musik ist die Sprache, die wir alle sprechen“, fasst Yigit zusammen, was sie über ERUAvision denken.

20250507-eruavision-interview-5Martin Aubague und Pierre Blocquet von der Universität Paris 8 sorgten schon bei der Probe mit ihrem französischen Rap für Begeisterung bei ihren Mitstreiter*innen. Sie studieren Computer Science und Geschichte in Paris und sind schon seit Jahren befreundet. Was sie verbindet ist die Liebe zum Rap und Hip-Hop, die sie bisher aber nur aus ihren Zimmern über Online-Plattformen ausgelebt haben. Ihren Song „Paradise“ vor Publikum zu rappen, ist für beide eine Premiere. „Das Beste an ERUAvision ist der Auftritt. Wenn die Leute mit ihren Köpfen zu deiner Musik nicken – das ist ein sehr befriedigendes Gefühl“, sagt Pierre. Martin ergänzt: „Musik ist unser Leben; es ist unser Weg, eine Vision zu erschaffen und sie zu teilen.“

20250507-eruavision-interview-9An der Universität Macerata haben der Sänger Williard Kalwani aus Tansania und der Produzent Ruslan Zulpikarov aus Turkmenistan zueinandergefunden. Sie haben sich in ihrem Wirtschaftsstudium kennengelernt und sich auf diese ungewöhnliche Zusammenarbeit eingelassen. Ruslan hat den Song geschrieben, Williard performte ihn, auch wenn er bisher nur auf Swahili und nie auf Englisch gesungen hat. „Für mich war die beste Erfahrung die Arbeit im Tonstudio“, sagt Ruslan. Luca Troschke habe ihm gezeigt, was aus dem Song noch rauszuholen sei. Für Williard war es besonders schön zu erfahren, wie ihm die anderen Musiker*innen und das Team über seine Unsicherheiten hinweghalfen. „Sie haben immer wieder gesagt, dass ich das kann“, sagt er. Kurz vor der Show war er bei 95 Prozent Selbstsicherheit. „Ich warte noch auf die letzten fünf.“

20250507-eruavision-interview-14Medizinstudentin Yurima del Mar Ramos Ávila von der University of Las Palmas de Gran Canaria brachte mit ihrem spanischen Song, der übersetzt „Wer bin ich ohne dich?“ heißt, ein besonders persönliches Stück Musik mit nach Frankfurt (Oder). Sie verarbeitet darin Verluste – unter anderem den Tod ihrer Großmutter. Musik verbinde nicht nur Menschen unterschiedlicher Kulturen, ist sie überzeugt. „Musik verbindet uns auch mit uns selbst, mit unseren Herzen und hilft uns, transparenter gegenüber anderen zu sein. Sie kann uns mit der Wahrheit verbinden“, sagt Yurima. Viele Menschen erleben Schmerzhaftes. „Es ist schwer, das allein auszumachen; ich möchte für andere da sein“, beschreibt sie die Motivation für ihre musikalische Arbeit.

Die weiteren Teilnehmenden waren: David Samuel Rüth für die Viadrina und Vyara Raycheva für die New Bulgarian University.

Text: Frauke Adesiyan, Video: Valeria Lazareva

Zum Mitschnitt vom ERUAvision-Konzert

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