Botschafter zu Gast: Studierende haken bei Grenzkontrollen und deutsch-polnischer Politik nach
Bitte recht kritisch: Am 3. Februar hatten Studierende der Viadrina die Gelegenheit, den vor einem halben Jahr in sein Amt berufenen deutschen Botschafter in Polen, Miguel Berger, zu befragen und ihm auch Impulse aus dem unmittelbaren deutsch-polnischen Alltag in der Doppelstadt Frankfurt (Oder) – Słubice mit auf den Weg zu geben. Moderiert wurde das Treffen von Viadrina-Präsident Prof. Dr. Eduard Mühle.
Seit August 2025 ist Miguel Berger Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Warschau und vertritt dort die Interessen der Bundesregierung. An der Viadrina, die für ihre besonderen Verbindungen nach Polen steht, sprach er mit Studierenden aus den drei Viadrina-Fakultäten über seine Arbeit und deren Herausforderungen sowie über die aktuelle Beziehung zwischen Deutschland und Polen. Gemeinsam warf der Botschafter mit den Studierenden auch immer wieder einen Blick zurück in die Geschichte: „Ich gehe gerne an Universitäten und komme mit jungen Leuten ins Gespräch, um zu erfahren, was sie umtreibt, was sie sich wünschen.“
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In seiner Einleitung betonte der Botschafter besonders die durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die wankelmütige Politik der US-Regierung unter Trump forcierte Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik zwischen Deutschland und Polen – während der PiS-Regierungszeit sei dieses Zusammenspiel eher ruhend gewesen. „In diesem Bereich sind die größten Fortschritte zu verzeichnen“, erklärte er und verwies auf die Bedeutung der militärischen Aufrüstung in Deutschland und der NATO, um „nicht nur das Baltikum, sondern insbesondere Polen vor Russland“ zu schützen. Viadrina-Präsident Eduard Mühle zeigte Verständnis für diesen Punkt, ergänzte jedoch: „Wir als Universität haben zwar keine Zivilklausel, dennoch fehlt uns die militärwissenschaftliche Ausrichtung, da wir in diesem Bereich keine Fächer haben. Uns als Viadrina bewegt in besonderem Maße die alltägliche Kooperation zwischen Deutschland und Polen“.
Zwischen Geschichte, Zukunft und Grenzfragen
Die Bandbreite der Themen, mit denen die Studierenden den Botschafter schließlich konfrontierten, waren vielfältig und kenntnisreich – von Fragen zu Job-Aussichten im Auswärtigen Amt bis hin zur historischen Aufarbeitung nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu Letzterem stellten sich Fragen nach Schulbucheinträgen, dem Deutsch-Polnischen Haus sowie dem schon lange geplanten Denkmal zur Erinnerung an die polnischen Opfer.
Miguel Berger zeigte sich aufgeschlossen und zugewandt – und bewies trotz seiner erst sechsmonatigen Amtszeit ein großes Wissen über Polen. „Wie schaffen Sie es, Ihre persönliche Meinung mit der offiziellen Politik der Bundesregierung zu vereinbaren?“, wollte eine Studentin wissen. „Es ist meine Aufgabe, diese Position zu vertreten, sonst wäre ich hier fehl am Platz“, erklärte Berger. Doch der Konsens zwischen den demokratischen Parteien in Deutschland in der Außenpolitik sei so groß, dass es ihm meistens leichtfalle, das zu vereinbaren. „Das ist in vielen anderen Ländern nicht so – etwa, wenn man wie mein polnischer Kollege erst die Politik der PiS vertreten musste und nun die von Tusk“, räumte er ein.
Eine Studentin berichtete dem Botschafter, dass sie sich mit dem deutsch-polnischen Barometer auseinandergesetzt habe, mit dem die gegenseitige Einstellung zueinander untersucht wird. „Mir ist aufgefallen, dass sich meine Generation in Polen eher für die Aufarbeitung der Geschichte interessiert und man sich in Deutschland eher um die Zukunft Gedanken macht“, führte sie aus. Das bestätigte auch Miguel Berger und nannte es eine Herausforderung, diese unterschiedlichen Prioritäten jeweils berücksichtigen zu müssen, um gegenseitiges Verständnis zu erlangen. Die Sympathiewerte steigen in Deutschland seit längerem für Polen, andersherum seien sie eher sinkend. „Doch die Schwiegersohn-Frage wird von 70 Prozent der Menschen in Polen noch positiv beantwortet, also sie hätten nichts gegen einen Deutschen“, scherzte er.
Die deutsch-polnischen Grenzkontrollen an der Brücke von Frankfurt (Oder) und Słubice seien dagegen ein „echtes Ärgernis“, bestätigte Berger die Rückfragen der Studierenden. „Wann werden sie beendet?“, wollte ein Student konkret wissen. „Ein genaues Datum kann ich Ihnen nicht nennen, jedoch stehen sie in einem großen Zusammenhang zur Aushandlung des Asylpakets“, erklärte Berger. Für ihn, der mit der Freizügigkeit von Schengen aufgewachsen sei, gelte aber: „Je früher, desto besser.“
Heike Stralau
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