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Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Der Herzschlag des Alten Kinos – Viadrina-Studierende erkunden mit Künstlerinnen das Lichtspieltheater der Jugend

Wenn am 2. Juli die Ausstellung „Filmriss“ im Alten Kino in Frankfurts Zentrum eröffnet wird, zeigen auch Studierende der Viadrina ihre Kunst. Organisiert von Kulturkoordinatorin Constance Krüger haben sie mitgewirkt an den partizipativen Projekten der Künstlerinnengruppe Endmoräne, die das seit 24 Jahren leerstehende Lichtspieltheater mit ihrer Kunst füllt.

Es soll zum neuen Standort des Brandenburgischen Museums für moderne Kunst werden: das Lichtspieltheater der Jugend, von vielen „Altes Kino“ genannt. Moderne Kunst ist schon ab Samstag, dem 2. Juli, darin zu sehen, auch wenn der Bau derzeit noch in einem verwahrlosten Zustand ist. Bröckelnder Putz, aufgerissene Schächte, besprühte Wände, staubiger Mief. Und mittendrin arbeiten seit 20. Juni 18 Berliner und Brandenburger Künstlerinnen der Gruppe Endmoräne, um die Ausstellung „Filmriss“ vorzubereiten. Jeden Sommer bespielt die Gruppe einen anderen verlassenen Ort; nun also im Zentrum von Frankfurt (Oder) jenes Gebäude, das jahrzehntelang als Schandfleck galt und für das es seit Kurzem Hoffnung gibt: mit millionenschwerer Landes- und Bundes-Förderung soll es zum Museum werden. >>>weiterlesen

Es ist ein unrenovierter Vorausblick auf die Museumszukunft: In einem schmalen, überwältigend hohen Raum mit ausladendem Wasserschaden an der Decke spielt Kulturwissenschaftsstudentin Laura Stein der Künstlerin Elke Postler wenige Tage vor der Ausstellungseröffnung ihre Soundinstallation vor. Es klopft dumpf, gefolgt von Knarzen, Ratschen und Knacken – in einer sechsstündigen Schleife reihen sich die Geräusche aneinander. In dem so still scheinenden Haus hat die Studentin den Sound von Lichtschaltern, Türen, Treppen und Flimmerschächten mit ihrem Handy festgehalten. „Privilegiert“ habe sie sich gefühlt, als sie durch die Räume streifen durfte in dem Gebäude, in dessen Kinosesseln einst ihr Vater gesessen hat, das sie als junge Frankfurterin aber noch nie offen erlebt hat. „Tolle Geräusche hast du gefunden“, findet Elke Postler und platziert den Rekorder in einen halboffenen Verteilerkasten, über den der Frankfurter Graffiti-Künstler Jeremy gerade einen menschlichen Schatten an die Wand gesprayt hat. „Bisschen wie ein Herzschlag“, sagt die Berliner Künstlerin.

Ihre Kunst ist für Elke Postler immer an den Raum und seine Umgebung gebunden. „Das macht sonst für mich keinen Sinn“, sagt sie. Daher sei es auch so schön, dass sie mit Studierenden der Viadrina – neben Laura Stein ist auch der Fotograf Roman Boichuk beteiligt – und dem Frankfurter Sprayer Jeremy zusammenarbeitet. „Dieser Raum und ein paar Leute, die mitmachen wollen – das hat Potenzial“, habe sie bei der ersten Begehung sofort gespürt. Zwei Wochen liegen zwischen dem ersten Treffen der Künstlerin mit den Studierenden und der Ausstellungseröffnung; ihr Raum mit dem Titel „Überdeutlich“ wird dann gefüllt sein mit Assoziationen zu Frankfurt (Oder), zum Kino und zu überdeutlichen Wahrheiten, aus denen die Gesellschaft derzeit noch nicht die richtigen Schlüsse zieht, wie Elke Postler findet.

Auch eine Etage tiefer im Eingangsbereich des früheren Kinos sind studentische Arbeiten zu sehen. Unter fotografischen Momentaufnahmen stehen kurze, von den Bildern inspirierte Texte. Die Künstlerinnen Michaela Nasoetion und Alina Inserra haben sie mit der Frankfurter Autorin Carmen Winter und einer Gruppe von Frankfurterinnen und Frankfurtern erarbeitet. Eine von ihnen ist Studentin Inés Noé. Sie schreibt über die „Intimität zwischen Klappsitzen“ und vergessene Korkenzieher für die reingeschmuggelte Flasche Wein. Ihr Kommilitone Maximilian Christ erinnert sich angesichts der Bilder aus dem Lichtspieltheater an eine Szene aus dem Film Yi Yi des taiwanesischen Regisseurs Edward Yang, in der der Protagonist sagt: „Wir leben dreimal solange, seitdem der Film erfunden wurde.“ Ein Satz, der in diesem Kino, in dem seit beinahe einem Vierteljahrhundert kein Film mehr lief, eine ganz eigene Bedeutung bekommt.

(FA)

Die Ausstellung ist nach der Eröffnung am Samstag, 2. Juli, 15 Uhr, am 3. Juli, 9. und 10. Juli, sowie am 16. und 17. Juli, jeweils zwischen 12.00 und 18.00 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen: https://endmoraene.de/aktuelles/