#002 KI in der Lehre – Hilfe oder Hindernis?
Künstliche Intelligenz sorgt aktuell für derart große Veränderungen in der Lehre, dass Universitäten mit ihren Reformen kaum hinterherkommen. In der zweiten Folge von LehrGut geht es darum, wie KI sinnvoll an Hochschulen eingesetzt werden kann. Roksana Rybicka, Studentin an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), und Prof. Dr. Charlotte Köhler, Viadrina-Vizepräsidentin für Digitalisierung, sprechen über die Fragen: Welche Kompetenzen brauchen Studierende und Lehrende im Umgang mit KI? Wie müssen sich Prüfungsformen verändern und welche Regeln brauchen Studierende? Zum Schluss geben beide Praxistipps für den (Uni-)Alltag mit KI.
00:00 – 04:50: Begrüßung und Vorstellungsrunde
Zu Gast im Studio ist Roksana Rybicka, die an der Viadrina Jura und Digital Entrepreneurship studiert und sich als Digital Change Maker beim Hochschulforum Digitalisierung für KI-Kompetenzen von Studierenden engagiert. Diese studentische Perspektive ergänzt Prof. Dr. Charlotte Köhler, die als Vizepräsidentin für Digitalisierung unter anderem KI-Richtlinien mit erarbeitet und zuletzt das viel beachtete Fake News Festival an der Viadrina organisiert hat. Beide geben im schnellen Entweder-Oder-Fragespiel Auskunft über ihre Vorlieben im Uni-Alltag.
Jetzt die 2. Folge von LehrGut anhören:
Roksana Rybicka (l.) und Prof. Dr. Charlotte Köhler
Katrin Hartmann / Viadrina
04:50 – 08:44: KI ist allgegenwärtig – aber worüber sprechen wir eigentlich?
Charlotte Köhler macht deutlich, dass wir eigentlich Large Language-Modelle wie ChatGPT meinen, wenn wir im alltäglichen Kontext von Künstlicher Intelligenz sprechen; ein Instrument, das auch Roksana Rybicka im Studienalltag benutzt – und zwar sehr bewusst. Sie erklärt auch, warum sie Schreibaufgaben prinzipiell ohne KI erledigt.
08:44 – 18:40: Wie werden wir KI-kompetent?
Wie setze ich KI sicher und reflektiert ein? Welche rechtlichen und ethischen Aspekte gilt es zu beachten? Das lernen Viadrina-Studierende ab dem Wintersemester 2026/27 im KI-Kompetenzmodul. Charlotte Köhler berichtet, was dahintersteckt. Wie Studierende KI nutzen und wie unterschiedlich ihre Kenntnisse und Fähigkeiten ausgebildet sind, erfährt Roksana Rybicka unter anderem bei ihrer Tätigkeit als Peer-Tutorin im Zentrum für Lehre und Lernen. Doch nicht nur die Kompetenzen unterscheiden sich – es geht auch um Chancengleichheit beim Zugang zu leistungsstarken KI-Anwendungen.
18:40 – 26:28: Von Richtlinien und ihren Grenzen
Wie hoch der Druck auf Studierende ist, angesichts von KI glaubhaft wissenschaftlich zu arbeiten, beschreibt Roksana Rybicka: „Wir beobachten in der Studierendenschaft, dass wir eine umgekehrte Beweislast haben. Also ich muss quasi beweisen, egal wie gut oder wie schlecht ich schreibe: Es war keine KI.“ Hier können klare Vorgaben durch Richtlinien helfen. Allerdings komme man laut Charlotte Köhler auch mit guten Richtlinien nicht darum herum, grundsätzlich darüber nachzudenken, welche Prüfungsformate im Hinblick auf die flächendeckende Verfügbarkeit von KI-Anwendungen sinnvoll sind.
26:28 – 31:37: Wenn der Professor mit der KI spricht
In einem Einspieler erzählt Prof. Dr. Timm Beichelt, Professor für Europastudien an der Viadrina, wie er sich ganz konkret mit KI in der Lehre auseinandersetzt. In einer ausführlichen „Konversation“ mit Gemini hat er ergründet, ob und wie KI Studierenden helfen kann, gute Leistungen im akademischen Sinn zu erzielen. Seine These: „Die Fortschritte der KI werden eher den starken als den schwachen Studierenden zugutekommen.“ Er sieht Lehrende an Universitäten in der Pflicht, Kompetenzen von Studierenden zu stärken, die ihnen die KI nicht abnehmen kann.
31:37 – 39:04: Neue Prüfungsformate gesucht
Projektarbeit, Challenge, Blogbeitrag oder Social-Media-Account – was Studierende als Prüfungsleistung einreichen müssen, wird sich angesichts von KI ändern. Doch auch Klausuren auf Papier haben laut Charlotte Köhler noch eine Berechtigung. Projekte, die die kritische Reflexion von Studierenden fördern und ihre Kreativität sichtbar machen, findet Roksana Rybicka wichtig. Sie sieht bei der Flexibilität in Sachen Prüfungsleistungen große Unterschiede zwischen den Fakultäten.
39:04 – 46:03: Blick in die Zukunft und Praxistipps
Zum Abschluss des Gesprächs schauen beide Gäste vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Für die Zeit, bis die KI-Nutzung nicht mehr ständig diskutiert werden muss, haben beide noch Tipps für den Alltag an der Universität und darüber hinaus: vom Sokratischen Dialog mit ChatGPT bis zu KI-Detox-Tagen.
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