Drei Waffen, eine Zeitung und vier G – Studentische Ideen für das Kleist-Jubiläum 2027
2027 wird in Frankfurt (Oder) der 250. Geburtstag von Heinrich von Kleist gefeiert – auch mit Studierenden der Viadrina. In einer Ideenwerkstatt zum Kleist-Jahr von Felix Töppel und Prof. Dr. Klaus Weber haben sie über die Frage „Was tun mit Kleist?“ nachgedacht. Am 8. Oktober 2026 haben die Studierenden ihre Projekte im Rahmen der Kleist-Festtage im Kleist-Museum vorgestellt.
Warum liegen da drei Waffen in der Grube am Kleinen Wannsee, nachdem Heinrich von Kleist am 21.11.1811 erst seine Freundin Henriette von Kleist und dann sich selbst erschoss? Diese Frage hat Christin Eichstädt nach einem Besuch im Kleist-Museum zum Auftakt der Ideenwerkstatt nicht mehr losgelassen. Sie hat sich in Polizeiakten, Zeugenaussagen und Briefe von und an Kleist vertieft, um zu rekonstruieren, was passiert ist. Es ist die „dunkle Seite von Kleist“, die sie interessiert und über die sie – als Liebhaberin von True-Crime-Podcasts – ein Hörspiel-Skript geschrieben hat.
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In Partnerschaft mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) wird dieses Skript nun zum Klingen gebracht und im Frühjahr 2027 zu hören sein. „Ich war schwer beeindruckt, wie unglaublich dicht an Informationen das Skript ist“, sagte rbb-Redakteurin Alina Pröckl bei der Vorstellung der Projektideen im Kleist-Museum. Gemeinsam feilen sie nun noch an dem Inhalt, balancieren Unterhaltung und Wissen aus und sorgen auch für eine psychologische Einbettung des erweiterten Suizids. „Ich möchte, dass man beim Hören Wissen aufsaugen kann, ohne das zu merken“, bringt Christin Eichstädt auf den Punkt, was gute Podcasts für sie ausmachen.
Nicht unwahrscheinlich, dass Heinrich von Kleist den Podcast mit Vergnügen selbst hören würde – True Crime könnte man auch das nennen, was er mit seinen Berliner Abendblättern im Zeitungsgeschäft groß gemacht hat: alltägliche Polizeimeldungen nicht ohne Sinn fürs Reißerische und manche Ausschmückung zu unterhaltsamen Geschichten aufbereiten. Die Berliner Abendblätter dienen auch als Inspiration für ein weiteres studentisches Projekt. Im Kleist-Jahr werden an verschiedenen Stellen in Frankfurt (Oder) und Berlin altmodisch anmutende Zeitungshalter auftauchen, lange hölzerne Stangen und darin eingespannt das „Frankfurter Kleist-Blatt. Vier G“. Dafür schreiben Nico Burgmeier und Jan-Marius Rogler über Grenzen, Geschlechterrollen, Gesellschaft und Gewalt und verknüpfen dabei Kleists Werke, seine Zeit und die Gegenwart. „Wir sehen Kleist dabei als Prisma, als Teil der Gesellschaft, der Einblick in seine Zeit gibt“, sagt Jan-Marius Rogler über die inhaltliche Entwicklung des Projektes.
Dass die Zeitung mit mehreren Ausgaben erscheinen wird, ist auch der Zusammenarbeit mit der Agentur Compart Media zu verdanken, die unentgeltlich mit dem Seminar zusammenarbeitet und gestalterische Aufgaben übernimmt. Eine weitere studentische Idee, die auch von der Agentur umgesetzt wird, ist eine „Intersection Map“, die unter dem Titel „Verstrickt und Zerrissen“ Kleists unterschiedliche Rollen, seine Widersprüche und Identitätskonflikte sichtbar machen wird.
Was von dem Seminar bleibt, geht über Podcast, Zeitung und Intersection Map hinaus. Die Präsentation in der offenen Werkstatt des Kleist-Museums hat verdeutlicht, wie tief die Eindrücke bei den Studierenden sind, die die Beschäftigung mit Kleist hinterlässt. Christin Eichstädt beispielsweise ist in Kleists Briefe eingetaucht. „Ich bin darin versunken und gar nicht mehr rausgekommen“, sagt sie. Als Schülerin hatte sie bei der Pflichtlektüre des „Zerbrochnen Krugs“ noch eine ganz andere Kleist-Erfahrung gemacht. Das fand sie damals ziemlich langweilig. Für Jan-Marius Rogler, der 2020 aus Bayern an die Viadrina kam, ist die Beschäftigung mit Kleist auch eine Auseinandersetzung mit seinem Studienort. „Man spürt da schon so ein Ziehen, eine Verpflichtung, sich hier mit Kleist zu beschäftigen“, sagt er. Das Spannendste für ihn an dem Dichter, der vor einem Vierteljahrtausend in seiner Unistadt geboren wurde, ist dessen unvergleichlicher Optimismus: „Seine Herangehensweise an Projekte und seine ganze Persönlichkeit; daran sieht man wirklich das Aufbrechen von Grenzen.“
Frauke Adesiyan
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