16 Jahre Compliance-Forschung: Viadrina stärkt internationales Profil
Mehr als 150 Teilnehmende und 30 Referent*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und internationalen Organisationen kamen am 7. und 8. September 2026 zum 16. Global Governance & Integrity Forum an der Europa-Universität Viadrina zusammen. Erstmals beteiligten sich rund 20 Partnerorganisationen an der Tagung, darunter OECD, UN Global Compact, Transparency International und das Basel Institute on Governance.
Seit der Antike gilt Wandel als eine der wenigen Konstanten. Für die interdisziplinäre Governance-und Compliance-Forschung an der Viadrina ist diese Erkenntnis aktueller denn je: Sie muss mit einer Realität Schritt halten, die sich immer schneller verändert.
Als Prof. Dr. Bartosz Makowicz vor 16 Jahren begann, an der Viadrina einen Forschungsschwerpunkt zu Compliance aufzubauen, aus dem später das Viadrina Compliance Center hervorging, organisierte er damals in der polnischen Hauptstadt in Kooperation mit der Universität Warschau erstmals das Deutsch-Polnische Forum für Recht und Wirtschaft. Der interdisziplinäre Ansatz verband rechts-, wirtschafts-, kommunikations- und kulturwissenschaftliche Perspektiven, um Entwicklungen in Organisationen jeder Art, insbesondere in Unternehmen, umfassender zu verstehen und daraus effektive Lösungen abzuleiten. In Deutschland gewann Compliance damals vor allem infolge prominenter Korruptionsfälle und Sanktionen US-amerikanischer Behörden gegen deutsche Unternehmen an Bedeutung. In Polen wiederum entstanden nach dem EU-Beitritt moderne Standards der Unternehmensführung, wobei auch in Deutschland entwickelte Lösungsansätze aufgegriffen wurden.
In einer Zeit geopolitischer Fragmentierung, in der Künstliche Intelligenz Prozesse vereinfacht, zugleich aber Risiken verstärkt, bleiben Integrität und eine robuste Governance unser moralischer Kompass.
Prof. Dr. Bartosz Makowicz
Fotos vom 16. Global Governance & Integrity Forum
In den folgenden Jahren widmete sich die Konferenz jährlich aktuellen Themen zu Governance und Compliance, wurde zum Deutsch-Polnischen Compliance-Forum weiterentwickelt und unter anderem mehrfach an der Warschauer Wertpapierbörse ausgerichtet. Später wurde daraus das englischsprachige European Compliance Forum, das auch in anderen europäischen Hauptstädten, etwa in Lissabon, stattfand. Schließlich, auch aufgrund zunehmender europäischer und internationaler Sichtbarkeit, entwickelte sich die Veranstaltung zum Global Governance & Integrity Forum mit einer über Europa hinausgehenden Ausrichtung. Auch während der Pandemie fand sie ohne Unterbrechung in einem damals innovativen Digitalformat statt.
Internationale Perspektiven an der Viadrina
Die diesjährige 16. Ausgabe war in mehrfacher Hinsicht besonders. An der Viadrina kamen mehr als 30 Referentinnen und Referenten aus Europa und anderen Teilen der Welt sowie mehr als 150 Teilnehmende aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichem Sektor zusammen. Erstmals waren zudem mehr als 20 Compliance-Organisationen aus Europa und Lateinamerika als Veranstaltungspartner beteiligt. Besonders hervorzuheben war, auch vor dem Hintergrund der Stärkung des einschlägigen Viadrina-Profils, die aktive Einbeziehung der ukrainischen Referierenden sowie der jungen ukrainischen Compliance-Organisation. High-Level Speakers internationaler Organisationen wie UN Global Compact, OECD und Transparency International konnten für Keynote-Vorträge gewonnen werden.
Neue Compliance-Risiken und neue Forschungsfelder
Vor allem aber zeigte das Forum, dass Governance & Compliance heute relevanter denn je sind und sich damit neue Forschungsfelder für das Viadrina Compliance Center eröffnen. Diskutiert wurden unter anderem die Folgen geopolitischer Krisen für Lieferketten-Compliance, Sanktionen und die grenzüberschreitende Überprüfung von Geschäftspartnern, die neue europäische Antikorruptionsrichtlinie, die Reform der EU-Geldwäschevorschriften sowie aktuelle Herausforderungen des Whistleblowings und interner Untersuchungen. In all diesen Bereichen gewinnt der Einsatz künstlicher Intelligenz zunehmend an Bedeutung und muss in Governance- und Compliance-Strukturen und -Prozessen mitgedacht werden. Zugleich bringt der Einsatz von KI neue rechtliche Risiken und Compliance-Anforderungen mit sich, insbesondere im Hinblick auf die Umsetzung der europäischen KI-Verordnung und unkontrollierte Verselbständigung der KI-Modelle.
Impulse für weitere Forschung und Kooperation
Die Konferenz unterstrich die international gefestigte Position der Viadrina als Standort interdisziplinärer Governance- und Compliance-Forschung. Die Zusammenarbeit mit Compliance-Organisationen und Forschenden anderer Hochschulen eröffnet zugleich Perspektiven für weitere gemeinsame Forschungsprojekte.
Bartosz Jagura
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