„Das Studium der Menschenrechte ist wichtiger denn je“ – Was Teilnehmende der Sommerschule zum Europäischen Menschenrechtsschutz mitnehmen

Frankfurt (Oder), 

39 Studierende aus Afrika, Asien, Südamerika und Europa lernten vom 6. bis 17. Juli 2026 bei der diesjährigen Sommerschule „The European System of Human Rights Protection“ an der Viadrina. In Seminaren, Vorträgen und einem abschließenden Moot Court ging es um europäische Fragen des Menschenrechtsschutzes. Die Teilnehmenden schätzen vor allem die offenen und kritischen Diskussionen und das internationale Umfeld der Sommerschule.

Folterverbot, Minderheitenrechte, Meinungsfreiheit – das waren einige die Themen der diesjährigen Sommerschule. Vormittags Vorlesungen, nachmittags vertiefende Diskussionen, zusätzlich die Vorbereitung auf den abschließenden Moot Court, Erkundungen in der Doppelstadt, soziales Beisammensein am Abend – es war ein dichtes Programm für die Teilnehmenden. Hier berichten sie, welche Aspekte des Programms für sie am interessantesten waren und was sie in ihren Alltag mit zurücknehmen.

gruppe sommerschule human rights

Antonella Campobasso LosaccoAntonella Campobasso Losacco, Linguistik-Doktorandin aus Italien:

Als Nicht-Jura-Studentin war diese Sommerschule für mich unglaublich bereichernd. In Italien arbeite ich als Kultur- und Sprachmittlerin im Bereich der Integration und sozialen Inklusion von Asylsuchenden und Flüchtlingen und bin außerdem am Strafgericht tätig. Dank dieses Programms kehre ich mit vertieften juristischen Kenntnissen zurück. Es handelt sich wirklich um ein interdisziplinäres Berufsfeld: Jurist*innen benötigen ein größeres kulturelles Bewusstsein, und Kulturmittler*innen brauchen fundiertere juristische Kenntnisse.

Höhepunkte der Sommerschule waren für mich die Seminare zum Diskriminierungsverbot und zur Religionsfreiheit. Das Thema Religionsfreiheit ist in Italien, der Heimat der Vatikanstadt und des Papstes, von großer Relevanz. Im Kurs habe ich mich wirklich einbezogen gefühlt, wir haben auch über italienische Fälle gesprochen. Im Seminar zum Diskriminierungsverbot ging der Dozent weit über den üblichen Rahmen hinaus und beschränkte sich nicht auf die übliche Botschaft, dass „Diskriminierung falsch ist“.

Schließlich ist die grenzüberschreitende Dimension dieses Programms mit dem täglichen Überqueren der Grenze zwischen Deutschland und Polen schon ein Erlebnis für sich.

Luigi UsaiLuigi Usai, Jura-Absolvent aus Italien:

Die speziellen Kurse zu bestimmten Menschenrechten im Rahmen des europäischen Schutzsystems fand ich faszinierend, da ich mich besonders für die Wirksamkeit der Menschenrechte interessiere.

Abgesehen vom Unterricht war das Beste an der Sommerschule die wirklich internationale Gruppe der Teilnehmenden, die nicht nur aus Europa, sondern aus der ganzen Welt stammten. Der Austausch mit ihnen und das Kennenlernen ihrer Kulturen war eine einzigartige Erfahrung.

Was ich mitnehme: Hab keine Angst davor, deine Komfortzone zu verlassen, deine Meinung zu sagen und deine Erfahrungen zu teilen. Das macht dich wirklich zu einem besseren Menschen.

Mila WischnewskiMila Wischnewski, Jura-Absolventin aus Deutschland 

Ich habe mich seit einiger Zeit auf den Bereich der Menschenrechte spezialisiert und mich deshalb darauf gefreut, meine Kenntnisse über das europäische System des Menschenrechtsschutzes zu vertiefen.

Am besten fand ich die Möglichkeit, den Dozent*innen Fragen zu stellen, die den Kern der Menschenrechtsdiskurse, -debatten und -probleme treffen, beispielsweise zum Abschiebeverbot aus medizinischen Gründen im Kontext postkolonialer Debatten. Meiner Meinung nach brauchen wir diesen Ansatz, der fundiertes normatives Wissen über Menschenrechte und ihre rechtlichen Grundlagen mit Raum für praktische Erfahrungen und kritische Perspektiven verbindet.

Während der Sommerschule habe ich die offene und einladende Atmosphäre sehr geschätzt. Der Umgang miteinander war wirklich anregend.

Mohyeldin SulimanMohyeldin Suliman, Jura-Student aus Schottland:

Das Studium der Menschenrechte ist wichtiger denn je, gerade in einer Zeit, in der sie so stark bedroht sind. Für mich war das Beste an dieser Sommerschule die Tiefe der normativen Diskussionen – die Auseinandersetzung mit Nischenfällen und Themen, die aktuell und von großer Relevanz sind. Das Erlernen von Menschenrechten in einem derart multiethnischen Kontext, gemeinsam mit Menschen aus so vielen verschiedenen Hintergründen, war aufschlussreich und hat meinen Horizont wirklich erweitert.

Auch die Erfahrungen außerhalb des Unterrichts waren durchweg positiv. Die täglichen Fahrten zwischen Polen und Deutschland boten einen echten Einblick in das Leben in Europa.

Frauke Adesiyan / Material: Ines Frikech Laraki

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