Ulrich van Loyen hält Antrittsvorlesung an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät

Frankfurt (Oder), 

Dr. Dr. Ulrich van Loyen, der sich im November 2025 an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät habilitiert hat, hielt am 9. Juni 2026 im Senatssaal seine Antrittsvorlesung als Privatdozent für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Thema seines Vortrags war „Japonismus von rechts. Eine italienische Faszinationsgeschichte“. Ulrich van Loyen ist nach verschiedenen wissenschaftlichen Stationen im In- und Ausland derzeit als DAAD-Langzeitdozent für Religious and Cultural Studies an der Ilia State University in Tbilisi (Georgien) tätig.

Prof. Dr. Daniel Illger, Studiendekan der Kulturwissenschaftlichen Fakultät, eröffnete die Veranstaltung. Er betonte seine Freude darüber, mit Herrn van Loyen einen Forscher für die Lehre an der Fakultät gewonnen zu haben, der in der Literaturwissenschaft, der Sozialanthropologie und der Kulturgeschichte gleichermaßen zu Hause ist. In seinen Publikationen analysiere er die materiellen wie geistigen Bedingungen von Kultur auf innovative Weise. Mit diesem internationalen und interdisziplinären Profil, so Illger, passe Herr van Loyen hervorragend zur Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Viadrina. Anschließend überreichte der Prodekan Herrn van Loyen die Urkunde mit der Ernennung zum Privatdozenten.

Antrittsvorlesung-van-Loyen

In seinem Vortrag befasste sich Ulrich van Loyen mit dem japanischen Schriftsteller und ultranationalistischen Aktivisten Mishima Yukio, der im November 1970 nach einem gescheiterten Putschversuch öffentlich den „Seppuku“, den rituellen Suizid der Samurai, vollzog. Ausgehend von dem Befund, dass Mishimas Werke in Deutschland kaum bekannt, in anderen europäischen Ländern, insbesondere in Italien, dagegen „in jeder Bahnhofsbuchhandlung“ zu finden sind, analysierte van Loyen die literarische, wissenschaftliche sowie politische Rezeption des Autors. Dabei spannte er einen weiten Bogen von der Ästhetisierung des Heldentods in Anlehnung an das Martyrium des heiligen Sebastian über die rituelle Gewalt im italienischen Mondo-Film der 1960er- und 1970er-Jahre bis hin zum Terrorismus der „bleiernen Jahre“ in Italien zwischen 1969 und 1980. Er zeigte auf originelle Weise Verschränkungen von Ästhetik, Gewalt und rechtsradikaler Ideologie auf und demonstrierte damit überzeugend, wie sich geistes- und sozialwissenschaftliche Fragestellungen produktiv verbinden lassen.

Mit einem Empfang vor dem Senatssaal, zu dem Ulrich van Loyen einlud, klang der Abend aus.

Henrik Bispinck

Beitrag teilen:


Zurück zum Newsportal

Abteilung für Hochschulkommunikation