Im Herzen des Viadrina Coworking Space
Am 15. April wird der Coworking Space der Viadrina feierlich eröffnet. Nach fünf Jahren Bauzeit und einigen baulichen Herausforderungen hat der Campus dann einen innovativen Lern-, Arbeits- und Begegnungsraum mehr. Kurz vor der Eröffnung erzählt Peggy Walter vom Technischen Gebäude- und Baumanagement der Viadrina über die Besonderheiten des Baus, die künftige Nutzung und wo sich Spuren der Geschichte entdecken lassen.
Klemmbrett unter dem Arm, Handy am Ohr – das ist wenige Tage vor der Eröffnung des Viadrina Coworking Space die Standard-Ausrüstung von Peggy Walter. Bei der Architektin und Mitarbeiterin des Technischen Gebäudemanagements der Viadrina laufen derzeit alle Fäden zusammen, wenn es um die letzten Arbeiten in dem neugestalteten Lern- und Begegnungsort auf dem Campus geht. Während sie durch die rund 1.500 Quadratmeter großen, lichtdurchfluteten Räume zwischen rohem Beton und Glaswänden läuft, surren die Akkuschrauber in der Küchenzeile. Auf den Terrassen werden Fliesen verlegt und Techniker klicken eine LED-Fliese nach der anderen an den riesigen Bildschirm im Eingangsbereich. „Wenn ich hier morgens reinkomme und die Bauarbeiter sehe, geht für mich die Sonne auf“, sagt Peggy Walter.
galerie coworking
Überhaupt ist der Coworking Space für sie ein großer Glücksfall. „Bauen im Bestand, das ist meine Leidenschaft. Neue Orte in alten Gebäuden schaffen und dann auch noch für junge Leute – das ist für mich das Schönste“, sagt Peggy Walter. Diese Kombination von Alt und Neu ist augenfällig, sobald man den Coworking Space betritt. Glasflächen wechseln sich mit Sichtbeton ab. Besonders prägend sind sieben Lichtschächte, die hoch aus dem Dach ragen. Durch sie dringt Licht und Luft in den früher eher dunkel anmutenden Raum. Die größte der Boxen, die später auch noch bepflanzt werden sollen, hat eine Grundfläche von drei mal 13 Metern. Im Kontrast zu diesen luftigen, modernen Elementen hat sich das Architekturbüro ganz bewusst dafür entschieden, das Stahlbetonskelett, von dem Ende der 1970er-Jahre als Bezirksparteischule errichteten Gebäude, sichtbar zu machen. An mehreren Stellen entdeckt man mit dickem Stift handgeschriebene Daten auf dem Beton, die die Bauarbeiter 1976 hinterlassen haben.
Noch auffälliger verweisen die Kugelleuchten und das großflächige Hinterglasbild im Eingangsbereich auf die DDR-Geschichte des Gebäudes. Das Stabwerkleuchtsystem von Peter Rockel mit 137 leuchtenden Kugeln dominierte den Raum, der bis in die frühen Viadrina-Jahre als Mensa genutzt wurde. Peggy Walter hat unter ihnen auf ihrem Abiball getanzt, als das Gebäude zum Kongresshotel gehörte. Die neue Anordnung in mehreren kleineren Ensembles hat dem Architekturbüro bei der Planung einiges abverlangt, genauso wie der Elektrofirma bei der Anbringung. Ein Hingucker ist auch die Hinterglasmalerei von Eberhard Hückstädt, auf der er das Verständnis von Völkerfreundschaft aus dem Jahr 1978 festhielt. Während des Umbaus war es in Holzkisten verpackt, davor nur über Eck zu sehen. Nun ist es von einem Restaurator gereinigt worden und steht wieder als Ganzes an der Wand. „Diese Elemente sind sicherlich eine Bereicherung für die Studierenden, aber ich erhoffe mir auch, dass sie einige Frankfurter und Frankfurterinnen in den Coworking Space locken, weil sie sich an die frühere Nutzung erinnern“, sagt Peggy Walter über die Leuchten und das Bild.
Der großzügige Eingangsbereich wird künftig mit seinen Sitzgelegenheiten und einem Getränkeautomaten für alle ein öffentlicher Raum der Begegnung sein. Dahinter erstreckt sich eine Fläche, die dem Lernen und dem Austausch gewidmet ist. An langen Steh- und Sitztischen können künftig Laptops aufgeklappt werden; hier kann man auf Sesseln lesen, sich besprechen, gemeinsam Ideen entwickeln und arbeiten. Neben den offenen Flächen stehen 15 sogenannte Carrels zur Verfügung. Studierende können sich in diese gläsernen Kabinen einmieten; sie bieten Platz für ein bis 25 Personen. Auch hier können Möbel flexibel verschoben und erweitert werden, um verschiedenen Lern- und Arbeitsansprüchen gerecht zu werden. „Das ist das Herz des Coworking Space, ein Ort, in dem neue Lernformen ermöglicht werden und Austausch gefördert wird“, fasst Peggy Walter die Idee dahinter zusammen.
Austausch steht auch im Fokus eines Bereiches des Gebäudes, der Gründer*innen gewidmet ist. Der geschützte Gründungsbereich mit flexiblen Büros, einem Gemeinschaftsraum und einem Maker Space mit verschiedenen Geräten wie 3D-Drucker und Plotter steht Gründenden, die an Programmen des Gründungszentrums teilnehmen, rund um die Uhr zur Verfügung.
Dass zwischen dem Architekturwettbewerb, den das Berliner Büro Scheidt Kasprusch Architekten im August 2019 für sich entscheiden konnte, und der Eröffnung des Coworking Space im April 2026 so viel Zeit vergangen ist, hat mehrere Gründe. Die Abbrucharbeiten hatten 2021 begonnen; Start des Baus war dann im März 2022. Unter anderem musste der Vertrag mit einer Rohbaufirma gekündigt werden, nachdem zu hohe Forderungen gestellt wurden. Für einen Rückschlag sorgte auch ein Wasserschaden, der durch die Öffnung des Daches für die Lichtschächte entstanden war. Durch die lange Bauzeit sowie steigende Energiekosten und Baupreise liegen die Kosten für den Umbau bei 17,5 statt der veranschlagten 14 Millionen Euro. Getragen werden sie zu großen Teilen vom Land Brandenburg.
Die Herausforderungen rücken für Peggy Walter in den Hintergrund, wenn sie durch die neuen Räume geht und vor Augen hat, wie diese künftig von Studierenden der Viadrina und anderen Menschen aus der Stadt belebt werden. Einen ersten Eindruck davon, wie hier künftig gelernt und gearbeitet wird, können Besucher*innen bei der feierlichen Eröffnung am 15. April ab 17.30 Uhr (im Anschluss an die Viadrina Debate) bekommen.
Frauke Adesiyan
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