Berufsbegleitend zum Mediations-Master – Studierende berichten

Frankfurt (Oder), 

Im berufsbegleitenden Masterstudiengang Mediation und Konfliktmanagement studieren aktuell im 14. Jahrgang 33 Personen aus ganz Deutschland und der Schweiz. Sie kommen aus der Wirtschaft, sind Jurist*innen, arbeiten im öffentlichen Dienst oder bei Nichtregierungsorganisationen. In vier Semestern lernen sie berufsbegleitend Methoden und Techniken der Konfliktbearbeitung für ihren Berufsalltag und reflektieren ihre Praxis auf einem akademischen Niveau. Hier erzählen sie, wie das Studium sie bei der Arbeit in der Ausländerbehörde, als Aufsichtsratsmitglied, bei Tarifverhandlungen oder in Erbstreitigkeiten voranbringt.

Es ist der Anfang eines langen Seminar-Wochenendes an der Viadrina. Unter den Jacken an der Garderobe im Seminarraum stehen Reiserucksäcke, Koffer und Klappräder. Mitunter liegen mehrere hundert Kilometer Anreise hinter den Studierenden – und ein dichtes Seminarprogramm vor ihnen. Zum Auftakt für die letzte Runde an diesem Donnerstag laufen sie alle aufs Stichwort von den Dozierenden Dr. Anna Braun und Lars Hofmann kreuz und quer durch den Raum. Sich verständigen, Wege finden, Kollisionen vermeiden – darum geht es bei dieser Aufwärmung. Es ist ein gutes Bild für das, was die Studierenden zwischen 24 und 68 Jahren in diesem Studium lernen.

Zwischen konzentrierten Arbeitsphasen wird hier immer wieder gescherzt und erzählt. Auch schon nach wenigen Monaten – im September hat der aktuelle Jahrgang sein Studium aufgenommen – ist eine Gemeinschaft entstanden. Zu ihr gehört unter anderem der Jurist und Verhandlungsführer bei der Deutschen Bahn, Dr. Till Stadtmüller. Konfliktbearbeitung gehört bei ihm zum Tagesgeschäft. „In allen Situationen, in denen ich mich beruflich bewege, geht es darum, ausgehend von komplexen Interessenslagen am Ende gute Lösungen zu finden und den Konflikt als einen Schritt nach vorne für alle zu begreifen und zu behandeln“, sagt er. Schon seit dem zweiten Semester seines Jurastudiums habe er den Studiengang im Blick gehabt. „Ich finde es jetzt umso schöner, dass ich meine praktischen Erfahrungen auf ein theoretisches Fundament stellen und gleichzeitig noch Handwerkszeug dazu gewinnen kann“, so Till Stadtmüller. Die Techniken, die er im Studium lernt, empfindet er als „unglaublich wertvoll“, wenn es darum geht, die eigentlichen Interessen hinter konträren Positionen zu ergründen und in Einklang zu bringen. Neben den Dozierenden lerne er auch von den Kommiliton*innen: „Wir alle haben ganz unterschiedliche berufliche Hintergründe und Erfahrungshorizonte; die machen den Austausch unglaublich reich.“

Auch Baptista Sivanzire ist Jurist und bringt doch ganz andere Erfahrungen ein. Der Viadrina-Absolvent arbeitet in der Ausländerbehörde in Potsdam. Schon während seines Jurastudiums hat ihn das Feld der Mediation begeistert. „Und jetzt merke ich, dass ich das auch sehr gut im Beruf anwenden kann“, sagt er. Hilfreich seien Techniken wie das Loopen, bei der man einander Aussagen spiegelt, um sicherzugehen, sie richtig erfasst zu haben. „In Situationen, die ein bisschen hitzig werden, kann ich das anwenden. Es hilft, die Spannung rauszunehmen und mit dem Kunden zu einem konstruktiven Lösungsansatz zu kommen. Auch mit Kolleginnen und Kollegen funktioniert die Kommunikation so besser“, findet Baptista Sivanzire. Neben solchen praktischen und sofort anwendbaren Inhalten empfindet er die tiefere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit juristischen Aspekten wie dem Mediationsgesetz und der Neutralität des Mediators als bereichernd.

Studierende berichten aus dem Berufsalltag

In der freien Wirtschaft sind die Kenntnisse und Fähigkeiten, die in dem Masterstudiengang vermittelt werden, ebenfalls gefragt. Als Aufsichtsrätin in verschiedenen Unternehmen macht Finja Carolin Kütz häufig die Erfahrung, dass bei Entscheidungsprozessen auf zwischenmenschlicher Ebene immer „ganz viel mitschwingt“. Mit dem Studium möchte sie sich ihren Methodenbaukasten ausbauen, um den Weg zu guten Entscheidungen mitzugestalten. „Außerdem hatte ich Lust, mich intellektuell zu fordern“, sagt sie zu ihrer Motivation für das Studium. Einen „intellektuellen Bedarf“ wollte auch Tiffany Mittelstenscheid mit dem Viadrina-Studium decken. Sie arbeitet als Fachreferentin im Bereich Power Solutions bei Bosch und merkt dort, wie hilfreich es ist, Mediationstechniken zu kennen, um ein Gespräch zielgerichtet zu führen. Von dem Studium verspricht sie sich eine Professionalisierung und ein Fortkommen in Fragen, die sie ohnehin täglich beschäftigen.

„Der Schwerpunkt meiner Tätigkeit ist es, Gerichte zu vermeiden und Menschen wieder miteinander ins Gespräch zu bringen“, sagt Student, Rechtsanwalt und Notar Christoph Heinigk auf die Frage, warum er berufsbegleitend studiert. Mediation und Konfliktmanagement seien in seinem Spezialgebiet Erbrecht essenziell. Das wesentliche Werkzeug, hat der Anwalt gelernt, ist dabei das Zuhören. „Für mich ist das Wichtigste, dass ich mich innerlich mit Interesse ausstatte an meinem Gegenüber. Und wenn ich dieses Interesse tatsächlich habe, dann will ich wissen, wie es ihm geht. Und dann halte ich eher die Klappe und lass ihn reden“, sagt er.

Die Rolle der Kommunikation ist auch für Rebecca Arnt, die als Anwältin im Ehe- und Familienrecht arbeitet, zentral. Oft stünden hinter den Rechtsstreitigkeiten Konflikte, bei denen das Recht nur begrenzt hilfreich ist. „Jeder, der schon mal mit einer streitigen Erbengemeinschaft zu tun hatte, weiß, dass man da wenig weiterkommt mit Gesetzen und Normen. Über die Mediation hat man dann Möglichkeiten, langfristigere Lösungen zu finden“, ist sie überzeugt. Natürlich gebe es „Kunden, die auf Krawall gebürstet sind und streiten wollen“, sagt Christoph Heinigk, aber die merken schnell, dass sie bei ihm nicht richtig sind. Ihm gehe es im Beruf wie im Studium darum, zusammen mit allen Konfliktparteien Lösungen zu finden.

Mediation und Konfliktmanagement ist ein postgradualer, interdisziplinärer Studiengang. Nach vier Semestern schließt er – je nach gewählter Ausrichtung – mit dem Erwerb des akademischen Grades Master of Arts (M.A.) oder Master of Laws (LL.M.) ab. Im Wintersemester 2027/2028 startet der 15. Jahrgang.

Text: Frauke Adesiyan, Video: Katrin Hartmann und Frauke Adesiyan

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