Volkswirt Prof. Dr. Georg Stadtmann analysiert Wettstreit der Konzepte für die Ukraine

Frankfurt (Oder), 

Anlässlich der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz (Ukraine Recovery Conference) am 25. und 26. Juni 2026 in Danzig analysiert der Volkswirtschaftler Prof. Dr. Georg Stadtmann von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) bereits existierende Wiederaufbau-Pläne verschiedener Institutionen. „Es ist bemerkenswert, dass die Planungen bereits heute erstaunlich weit fortgeschritten sind. Obwohl weder Kriegsende noch Friedensordnung feststehen, existieren detaillierte Vorstellungen über Institutionen, Finanzierungsmechanismen und Investitionsprioritäten“, sagt Georg Stadtmann und spricht von einem „Wettstreit der Konzepte“, der bereits jetzt stattfinde.

Für seine Analyse aus makroökonomischer Perspektive wertete Stadtmann acht Papiere mit strategischer oder operativer Relevanz für den Wiederaufbau der Ukraine nach Leitidee, Akteuren sowie Finanzierung aus und zeigt Stärken und Grenzen der einzelnen Konzepte auf. Die Pläne stammen von der Europäischen Union, der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), von Denkfabriken wie dem Centre for Economic Policy Research (CEPR) um dem German Marshall Fund sowie der ukrainischen Regierung. „Gemeinsam ist ihnen die Überzeugung, dass der Wiederaufbau weit über die Reparatur zerstörter Gebäude und Straßen hinausgehen muss. Die Ukraine soll moderner, wettbewerbsfähiger und stärker in europäische Strukturen eingebunden werden als vor dem Krieg“, fasst Georg Stadtmann zusammen. 

Unterschiede macht er aus, wenn es um die Wege zu diesem Ziel geht, bei der Finanzierung und der wirtschaftlichen Leitidee. „Einige Konzepte stellen den EU-Beitritt der Ukraine in den Mittelpunkt und verstehen den Wiederaufbau als Teil eines umfassenden Modernisierungs- und Integrationsprozesses. Andere konzentrieren sich stärker auf makroökonomische Stabilität, den Aufbau leistungsfähiger Institutionen oder die Bekämpfung von Korruption. Wieder andere betonen die Rolle privater Investitionen und sehen staatliche Mittel vor allem als Hebel, um internationales Kapital anzuziehen“, gibt Stadtmann Beispiele für die Bandbreite der ausgearbeiteten Pläne. Die jeweilige Konzentration auf die künftige Ukraine als modernen Industriestandort, als Energie- und Rohstofflieferant oder als Ort der Digitalisierung mit starker IT-Branche sei auch ein Ausdruck politischer Interessen der einzelnen Akteure, gibt Stadtmann zu bedenken.   

Sein Fazit: „Der Wiederaufbau der Ukraine gilt schon heute als eines der größten wirtschafts- und geopolitischen Projekte des 21. Jahrhunderts. Schätzungen der Weltbank gehen von einem Finanzbedarf in dreistelliger Milliardenhöhe aus. Doch wie dieser Wiederaufbau aussehen soll, darüber herrscht keineswegs Einigkeit.“ 

Prof. Dr. Georg Stadtmann steht für Hintergrundgespräche und Interviews zu diesem Thema zur Verfügung. Kontakt per Mail an presse@europa-uni.de.

Frauke Adesiyan

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