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Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

„Wie wertvoll ist ein Foto?“ – Viadrina-Fotografin Heide Fest im Interview

heide-fest ©Heide Fest

Seit 28 Jahren fotografiert Heide Fest die Menschen, die die Europa-Universität geprägt haben. Sie hat die ersten Professorinnen und Professoren, Generationen von Studierenden, mehr als 25 Uni-Bälle und Uni-Sommerfeste und vor allem auch die vielen prominenten Gäste fotografiert; – und mit ihrem Archiv die Foto- und Online-Ausstellung zu 30 Jahren Viadrina ermöglicht. Einblicke in 30 Jahre Viadrina durch die Foto-Linse gibt sie im Interview.

Liebe Heide, seit mehr als 30 Jahren bist du Fotografen-Meisterin. Warum wurdest du Fotografin?

Heide Fest: Aufs Fotografieren kam ich in einem Fotozirkel, als ich noch Schülerin war. Besonders gefiel mir dabei das Bilderentwickeln. Ich hatte auch früher immer schon die Klassenfahrten und andere Events fotografiert. Die wenigsten hatten einen Fotoapparat. Dann wurde ich 14 Jahre alt und musste mich für einen Beruf entscheiden. In der Ausbildung zur Fotolaborantin beim Institut für Halbleiterphysik (IHP) habe ich den Beruf von Grund auf gelernt.
Es hat mir viel Spaß gemacht, hauptsächlich lernte ich Chemie, Geometrie und Fototechnik. Im heutigen Job brauche ich davon nicht mehr so viel. Schließlich habe ich noch neben der Arbeit später in der Erwachsenenqualifizierung meine Fotografenausbildung gemacht. Nach dem Abschluss dachte ich: Jetzt kannst du auch gleich den Meister machen - ich war sehr zielstrebig. Die Meisterschule war eine harte Schule.

Wie hat der politische Umbruch 1989 deine Laufbahn beeinflusst?

Meinen Abschluss als Industriefotografenmeister bekam ich genau in der Wendezeit, der wurde dann nicht mehr anerkannt. Deshalb musste ich nochmals eine Meisterschule besuchen und den Handwerksmeister nachmachen. Es war bitter, ich habe es aber gemacht.

1992 musste ich das IHP dann verlassen. Ich war jung und man hatte gesagt, ich hätte die besseren Perspektiven als die älteren Kolleg:innen. Ich habe selbstständig für einige Firmen gearbeitet, etwa für einen Treppenbauer und Kartenmacher. Ich habe damals gemerkt, mit welchen harten Bandagen in meinem Beruf gekämpft wird und dass er eigentlich eine Männerdomäne war und ist. Da wurden bei Presseterminen doch auch mal die Ellenbogen ausgefahren.

Wie kamst du dann zur Viadrina?

Annette Bauer hat mich gefunden. Sie eröffnete sozusagen am 1. Januar 1993 die Pressestelle der Viadrina. Wir kannten uns von der Märkischen Oderzeitung, bei der ich als Fotolaborantin als Urlaubsvertretung gearbeitet hatte. Im Mai holte sie mich dann zu sich. Zwanzig Jahre lang hat sie hier alles aufgebaut.

Was waren deine ersten Aufgaben in der Viadrina-Pressestelle?

Als ich anfing, hatte ich von Computern null Ahnung. Frau Bauer gab mir ein QuarkXpress-Handbuch und sagte: ‚Das lesen Sie sich durch!‘ Und eigentlich bräuchte ich mir sowieso nur drei Sachen merken: Apfel-A, Apfel-C, Apfel-V! Das hat mich mein Leben lang begleitet. So viele Aufgaben, wie wir heute in unserer Abteilung übernehmen, hatten wir damals nicht. Wir erstellten den Pressespiegel, die Presseinformationen, die Uni-Zeitung und die Mitarbeiterzeitung.
Schön war das Gefühl der Familie Viadrina. Wir kannten jeden Professor, jede Professorin und selbst die Studierenden kannten wir größtenteils beim Namen. 1994 habe ich dann meinen Sohn bekommen. Als ich ein Jahr später wiederkam, war die Viadrina bereits eine große Institution geworden.
Die Uni wuchs, und Professor Dr. Hans N. Weiler, der damalige Rektor, legte die Latte immer höher. Wir hatten das Gefühl, er würde nie schlafen. Tags und nachts kamen seine Mails mit seinen Wünschen und Bitten.

Wie ging es weiter, welche Aufgaben kamen hinzu?

Nach dem Babyjahr sagte Frau Bauer zu mir: ‚Sie sind jetzt auch für das WWW zuständig!‘ Ich stimmte zu, klar, musste zu Hause aber erst einmal nachschauen, was WWW überhaupt bedeutet. Wir erstellten die Internetseiten noch unter Anleitung des damaligen Webbeauftragten Eberhard Tugendheim mit html-Code. Auch das hatte mir Spaß gemacht, genauso wie das Layouten.

Was bereitet dir am meisten Freude an deinem Beruf?

Neben der Porträtfotografie sind die Besuche von Politikerinnen und Politikern toll, bei denen ich fotografierte. Kohl, Stolpe, Kinkel, Rau, Genscher, Schröder, Westerwelle, Steinmeier, Merkel – das sind viele Politik-Promis, die ich in erster Reihe begleiten durfte. In den Anfangsjahren war ich dabei immer sehr nervös, ich habe sogar vor Aufregung gezittert. Das ist heute nicht mehr so, ich fühle mich sehr sicher.

Links: Viadrina-Präsidentin Prof. Dr. Gesine Schwan empfing am 25. Juli 2005 Bundeskanzler Gerhard Schröder (l.) und den polnischen Staatspräsidenten Aleksander Kwaśniewski. Anlass war die Unterzeichnung einer „Gemeinsamen Erklärung über die Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Forschern und Studierenden der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen“. 

Rechts: Bundeskanzlerin Angela Merkel stattete der Europa-Universität am 3. Juni 2009 einen Kurzbesuch ab und trug sich in das Gästebuch der Viadrina ein. 

Fotos: Heide Fest


Wie laufen solche Termine ab?

Meistens wartete man auf die Prominenz am Portal des Hauptgebäudes. Professor Weiler fluchte öfter mal im Scherz: Wie oft er da am Portal stehe und auf irgendwen warte; in der Zeit hätte er schon so und so viele andere Dinge machen können…! Seine Nachfolgerin, Professorin Dr. Gesine Schwan, war spontan und locker, bei ihr habe ich mich immer sehr wohl gefühlt. Und ich glaube, auch die Gäste taten das. Das ist wichtig, denn in dieser Atmosphäre können solche Schlüsselmomente entstehen, die ich mit Johannes Rau, Gerhard Schröder und Frank-Walter Steinmeier hatte. Als Fotografin wartet man auf den Blick. Hat man den im Kasten, kann man eigentlich gehen. Und sie schenkten mir diesen Blick.
Angela Merkel war auch ein besonderer Besuch, auch wenn sie mir keinen Blick geschenkt hat. Es war sehr aufregend und sie war sehr beeindruckend, sie strahlt so eine Aura aus.

Nicht nur die Viadrina, auch die Fotografie entwickelte sich in dieser Zeit weiter. Plötzlich machen immer mehr Leute mit ihrem Smartphone selbst Fotos. Wie gehst du damit um?

Ich bin 2004 auf die digitale Fotografie umgestiegen, habe mich mit Photoshop vertraut gemacht und bin die digitale Archivierung meiner Fotos angegangen. Lange zuvor arbeitete beispielsweise der Frankfurter Fotograf Winfried Mausolf bei Presseterminen neben mir mit digitalem Dauerschuss. Und bei mir rollte erstmal der Film zurück!
Dass die Kolleginnen für Social Media das Fotografieren etwa bei Uni-Festen auch selbst übernehmen, finde ich gut; denn in dieser schnelllebigen Zeit schaffe ich es nicht, immer überall dabei zu sein. Zugleich frage ich mich: Wie wertvoll ist heute noch ein Foto?

Winfried-Mausolf+Heide-Fest_c_Hubert Kretschmar ©Hubert Kretschmar

Weggefährten: Heide Fest und der Frankfurter Fotograf Winfried Mausolf.

Foto: Hubert Kretschmar


Hast du eine Antwort darauf?

Schon während der Vorbereitung auf unsere Ausstellung zu 30 Jahren Viadrina konnte ich wieder sehen, wie schön es war; man schaut sich die Bilder an und durchlebt die Geschehnisse noch einmal. Weil ich von Anfang dabei sein durfte, habe ich zu den meisten Bildern eine Verbindung.

(HST)