Vertrauen, Finanzen, Ukraine: EU-Kommissar Piotr Serafin sprach mit Studierenden
Piotr Serafin, seit 2024 EU-Kommissar für Haushalt, Betrugsbekämpfung und öffentliche Verwaltung, war am 23. April 2026 zu Gast am Collegium Polonicum. Im Rahmen eines Youth Policy Dialogue – einem Dialogformat der Europäischen Kommission – sprach er mit Studierenden der Europa-Universität Viadrina und des Collegium Polonicum. Im Zentrum stand die Frage: Welche Prioritäten sollte Europa setzen – und für wen? Damit knüpfte die Diskussion unmittelbar an Serafins Arbeit an, der entscheidend mitprägt, wofür die Europäische Union künftig ihre Mittel einsetzt.
Piotr Serafin verkörpert selbst die enge Verflechtung zwischen Polen, Deutschland und der Europäischen Union. Seine Laufbahn führte ihn von den Verhandlungen zum EU-Beitritt Polens über die Arbeit im Kabinett von Donald Tusk bis hin zu seiner heutigen Rolle in Brüssel. In Słubice traf er auf eine Studierendenschaft, die selbst in einem grenzüberschreitenden europäischen Alltag verankert ist.
Eingangs betonte Serafin seine persönliche Verbindung zur Region: Der EU-Kommissar wurde im rund 50 Kilometer entfernten Sulęcin geboren. „Dennoch kam mir damals in den 1980er Jahren Frankfurt (Oder) unglaublich weit weg vor. Man konnte nicht einfach über die Brücke gehen. Doch noch bevor ich erwachsen wurde, veränderte sich alles um mich herum grundlegend. Die Brücke über die Oder wurde immer mehr zu einer Brücke, die verbindet“, so Serafin.
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Vor der Fragerunde mit den rund 50 internationalen Studierenden ordnete Serafin die Rolle des EU-Haushalts ein: Dieser könne nicht jedes gesellschaftliche Problem lösen. Zwar umfasse der aktuelle langfristige Haushalt rund 1,8 Billionen Euro; das entspreche jedoch nur etwas mehr als zwei Prozent der öffentlichen Ausgaben der Mitgliedstaaten. „Ich bitte Sie, große Erwartungen an die EU zu stellen. Aber ich warne Sie auch: Erwarten Sie nicht zu viel. Denn es gibt nichts Schlimmeres in der Politik, als Hoffnungen und Versprechen, die gemacht, aber nicht eingehalten werden“, sagte er.
Passend dazu fragte ein Student, ob und wie finanzielle Mittel die Vertrauenskrise in der EU lösen könnten. Serafin betonte, Geld könne helfen, entscheidend seien jedoch politische Entscheidungen – etwa in der Migrations- und Klimapolitik. Es sei wichtig, Kritik ernst zu nehmen und gegebenenfalls zu korrigieren.
Moderiert von ENS-Studentin Ira Helten und German and Polish Law Student Jakub Małolepszy kreisten die Fragen im Verlauf der zweistündigen Diskussion um Themen wie die Unterstützung von Grenzregionen, Korruptionsbekämpfung und transatlantischen Handel. Ebenso ging es um Nachhaltigkeit, CO₂-Reduktion sowie EU-Erweiterungsperspektiven für Länder wie Montenegro und die Ukraine.
Auch die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine wurden diskutiert. Serafin betonte, der Krieg zeige die Verwundbarkeit Europas und die Notwendigkeit stärkerer Verteidigungsfähigkeit. Entsprechend seien die EU-Ausgaben in diesem Bereich deutlich gestiegen. „Wenn wir dieses Geld ausgeben, müssen wir auch nach dem europäischen Mehrwert suchen. Wir sehen ihn in der Förderung von Forschung, Innovation und Arbeitsplätzen auf dem europäischen Kontinent, denn den Großteil der Hardware haben die Europäer bisher außerhalb Europas gekauft“, so Serafin.
Zum Abschluss zeigte sich Serafin beeindruckt von der internationalen Zusammensetzung der Viadrina-Community und ermutigte die Studierenden, eine Karriere in der EU in Betracht zu ziehen.
Die Youth Policy Dialogues der Europäischen Kommission zielen darauf ab, junge Menschen direkt in politische Entscheidungsprozesse einzubinden. Ihre Beiträge werden dokumentiert und fließen in die weitere Arbeit der Kommission ein.
Ulrike Polley
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