Feministische Spring School zum Arbeits- und Sozialrecht

Frankfurt (Oder) / Słubice, 

Vom 16. bis 20. März 2026 diskutierten 25 Studierende bei einer feministischen Spring School an der Viadrina über aktuelle Themen aus dem Arbeits- und Sozialrecht mit Bezug zu Geschlechterfragen. Die Tagung fand auf Einladung des Hugo Sinzheimer Instituts für Arbeits- und Sozialrecht der Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation mit dem Center for Interdisciplinary Labour Law Studies (Prof. Dr. Eva Kocher) der Viadrina und der Universität Kassel (Prof. Dr. Isabell Hensel und Prof. Dr. Judith Brockmann) statt.

Ob ungleiche Verteilung von Care-Aufgaben, ungleiche Bezahlung, fehlende Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Diskriminierung, Belästigung und Gewalt, geringere Repräsentanz von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen in Führungspositionen – oft finden diese Themen in der juristischen Ausbildung keinen Platz. In der Spring School hinterfragten die Teilnehmenden im Austausch mit Referentinnen aus Wissenschaft und Praxis sowie in Arbeitsgruppen untereinander die gesellschaftlichen und rechtlichen Zusammenhänge.

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Einen Schwerpunkt bildete der rechtliche Umgang mit geschlechtsbezogenen Stereotypen durch das Antidiskriminierungsrecht. Unter anderem wurden Fälle aus der Beratungspraxis der Ombudsstelle zum Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz beleuchtet: Wenn eine kopftuchtragende muslimische Standesbeamtin in eine Funktion ohne Bürger*innen-Kontakt versetzt wird oder Menschen mit Behinderungen sexuell belästigt werden, wirken mehrere Diskriminierungsdimensionen zusammen. Soraia Da Costa Batista von der Gesellschaft für Freiheitsrechte stellte zudem vor, wie ihre Organisation Gerichtsverfahren im Diskriminierungsschutz strategisch führt und welche Fälle sich hierfür eignen. 

Die weiteren Schwerpunkte reichten von der Rolle von Geschlecht und Gleichstellung im kollektiven Arbeitsrecht mit Praxiseinblicken bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt über die Pflichten von Arbeitgebern gegenüber schwangeren und stillenden Beschäftigten bis zur Sicherstellung gleicher Entlohnung für gleiche Arbeit. Fragen des Zugangs zu Recht und der Rechtsdurchsetzung zogen sich durch die gesamte Woche; konkrete Strategien wurden durch Praxis-Initiativen vorgestellt. Diskutiert wurden so Möglichkeiten, ausländische, Live-In-Pflegekräfte oder App-basierte Lieferdienstleistende mit Blick auf ihre sozialen Rechte zu unterstützen. Am Beispiel der Krankenhausbewegung wurde veranschaulicht, unter welchen Bedingungen es gelingt, sich kollektiv zu organisieren und Rechte durchzusetzen.

Den Abschluss der Spring School bildete eine Podiumsdiskussion zu den Herausforderungen durch antifeministische Akteure, wobei auch diskutiert wurde, welche Rolle feministische Perspektiven an Hochschulen spielen können – verbunden mit der Reflexion der eigenen juristischen Ausbildung.

Die Referentinnen zeigten vielfältige berufliche Perspektiven in Wissenschaft, Justiz, Verwaltung und Verbänden auf. Höhepunkte waren Gespräche mit der Präsidentin des Bundesarbeitsgerichtes, Inken Gallner, sowie mit Anja Weusthoff, Abteilungsleiterin für Frauen, Gleichstellungs- und Familienpolitik im DGB-Bundesvorstand und Mitglied des Aufsichtsrates von ArcelorMittal.

Ein geführter Spaziergang durch die Doppelstadt, ein Kamingespräch mit Dr. Marina Grasse, die 1990 Gleichstellungsbeauftragte der frei gewählten DDR-Regierung war, und Vernetzungsveranstaltungen in lokalen Kulturorten, ergänzten die inhaltliche Auseinandersetzung mit ost- und westdeutschen Unterschieden in Arbeits- und Lebensrealitäten und machten so den Lernort zum Teil des Programms.

Das positive Feedback der Teilnehmenden und Referierenden unterstrich erneut den Bedarf und den Mehrwert des Formates: Die Verbindung interdisziplinärer wissenschaftlicher und praktischer Perspektiven mit der Förderung wertvoller Kompetenzen flankiert Studium und Lehre und stärkt den wissenschaftlichen Nachwuchs, den Einstieg in die berufliche Praxis sowie den Transfer in die Gesellschaft. Eine dritte Auflage ist für 2028 geplant.

Jacqueline Christoph und Eva Kocher

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