Von Nordmazedonien bis an die Stadtbrücke – Abschluss des Seminars „From Borders to Bridges“
Mit einer Ausstellung endet das Seminar „From Borders to Bridges“ des Gastdozenten Dr. Naum Trajanovski an der Viadrina. Vom 30. März bis 30. April 2026 sind die Plakate in der ersten Etage im Gräfin-Dönhoff-Gebäude zu sehen. Sie verdeutlichen die Beschäftigung des Soziologen von der Universität Warschau und seinen Studierenden mit zwischenstaatlichen Beziehungen in Europa und erinnerungspolitischen Konfliktlinien. Für den Studenten Camille Poli war die Erkundung der deutsch-polnischen Doppelstadt Frankfurt (Oder) Słubice besonders erkenntnisreich.
Dr. Naum Trajanovski ist ausgewiesener Experte für den erinnerungspolitischen Konflikt zwischen Nordmazedonien und Bulgarien. In seinem Seminar betrachtete er mit den Studierenden davon ausgehend auch andere Regionen. Die theoretischen Erkenntnisse nutzte die Gruppe zur Analyse von Grenzkonflikten und erinnerungspolitischen Auseinandersetzungen, die die Teilnehmenden oft aus ihren Heimatländern oder von Reisen kannten. Gemeinsam erkundeten sie schließlich bei Exkursionen, beispielsweise ins Museum Viadrina und nach Słubice, die Realität der deutsch-polnischen Grenzstadt.
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Für einige der Studierenden war es die erste tiefere Auseinandersetzung mit ihrer Universitätsstadt. „Der Ausflug nach Słubice war mein allererster Besuch in Polen überhaupt“, sagt Camille Poli. Am Seminar von Naum Trajanovski hat den Masterstudenten in European Studies vor allem die Frage interessiert, wie verschiedene Versionen von Geschichte konfliktreiche Grenzbeziehungen in Europa beeinflussen können. Dass Trajanovski selbst aus Nordmazedonien kommt und ein enormes Wissen aus der Balkan-Region mitbringt, hat ihn beeindruckt. „Das spielt ansonsten in der klassischen deutschen Schulbildung ja keine Rolle“, so Camille Poli.
Wie sehr erinnerungspolitische Diskussionen die Gegenwart prägen können, kennt Camille selbst aus mehreren Kontexten. So sind in der Heimat seiner französischen Familie vor allem die Kolonialgeschichte und der algerische Befreiungskampf ein Thema. Während seiner Jugend in Deutschland waren es hingegen Auseinandersetzungen von Freund*innen mit der Nazi-Vergangenheit in ihren Familien, die zu Diskussionen führten.
In dem Seminar habe er gelernt, wie verschiedene Wege der Geschichtsvermittlung – sei es durch Museen, Zeitzeugenberichte oder Denkmale – sehr verschiedene Versionen der Geschichte bieten können. Am Beispiel der Doppelstadt Frankfurt (Oder) – Słubice sei für ihn aber auch offensichtlich geworden, dass die Interaktion manchmal von sehr viel banaleren Dingen geprägt ist als von der geteilten Geschichte: „Studierende gehen nach Polen, um preiswerter zu essen oder Zigaretten zu kaufen und polnische Jugendliche kommen ins Frankfurter Fitnessstudio, weil das wiederum billiger für sie ist.“
Neben Camille Poli haben die Studierenden Irmak Azra Tekin, Risa Fujii und Konstantin Beburov an der Ausstellung mitgearbeitet. Das Seminar „From Borders to Bridges: The Upward and Downward Spirals of Inter-State Relations in Europe” im Wintersemester 2025/26 fand im Rahmen einer von der Meyer‑Struckmann‑Stiftung finanzierten Gastdozentur an der Viadrina statt.
Über seine Forschung spricht Naum Trajanovski in diesem Vortrag mit dem Titel „In the Spirit of the European Values – Bulgarian-North Macedonia’s Dispute over History and Memory“ (YouTube), den er im Rahmen der ValEUs Lecture Series am 19. Januar 2026 an der Viadrina gehalten hat.
Frauke Adesiyan
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