Hörsaal voller Zukunft – Ein Team aus Freiwilligen organisiert zum 20. Mal die Kinderuni

Frankfurt (Oder), 

Am 4. März 2026 startet zum 20. Mal die Kinderuni an der Viadrina. Hinter dem Erfolgsformat, das in der vorlesungsfreien Zeit Hunderte Kinder in den Hörsaal lockt, steckt ein ehrenamtliches Team. Anke Prahtel, Renate Jakowanis, Jutta Zech und Kaspar Frey planen und organisieren über Monate das Programm. Hier erzählen sie, warum die Kinderuni ihr Herzensprojekt ist und welche Vorträge sie am meisten beeindruckt haben.

Wenn die Kinder ab Anfang März schwatzend und kichernd die großen Treppen im Gräfin-Dönhoff-Gebäude hochströmen, ihre Studierendenausweise abstempeln lassen und sich Plätze im Hörsaal aussuchen, läuft alles wie von allein. Für Anke Prahtel, Renate Jakowanis, Jutta Zech und Kaspar Frey hat dann kaum jemand Augen. Dabei sind sie es, die dafür sorgen, dass die Kinderuniversität Jahr für Jahr so reibungslos stattfindet. Das Team plant und organisiert in ehrenamtlichen Engagement  die Veranstaltung. Immer im September starten sie ihre Überlegungen: Um welche Themen soll es diesmal gehen? Und wem liegt das: Vor Hunderten Kindern zwischen 8 und 13 Jahren unterhaltsam sprechen?

„Das kann nicht jeder“, weiß Renate Jakowanis. Daher ist die Suche nach geeigneten Referent*innen, die ohne Honorar ihr Wissen zur Verfügung stellen, für sie die größte Herausforderung. Die Veranstaltung selbst, bei der es oft trubelig zugeht, findet das Team hingegen „gar nicht so anstrengend“. Während einige Kinder in Schönschrift mitschreiben, melden sich andere ungeduldig, schwatzen einzelne und manchmal schweben Papierflieger durch den Raum. „Das sind halt Kinder und die haben auch schon einen langen Schultag hinter sich“, sagt Anke Prahtel verständnisvoll.

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Das Kinderuni-Team: Renate Jakowanis, Jutta Zech, Kaspar Frey und Anke Prahtel

Die Chemie in diesem Team stimmt, das merkt man schnell. Genau diese Sympathie war für Jutta Zech auch ausschlaggebend, um sich langfristig zu engagieren. „Außerdem arbeite ich einfach gern mit Kindern“, sagt sie. Renate Jakowanis wollte etwas Sinnvolles machen, als sie 2012 aus ihrem Dienst im Schulamt ausschied. „Unter Menschen sein, nicht in ein Loch fallen“, das sei ihr wichtig gewesen. Mit Anke Prahtel fanden sie eine Mitstreiterin mit viel Erfahrung – in Eisenhüttenstadt hatte sie sich schon zuvor für die dortige Kinderuni engagiert. Und Kaspar Frey begründet sein Engagement: „Ich bin immer ein Macher in der Stadt und ich habe immer Freude am Pädagogischen.“ Freiwilliges Engagement sei manchmal nicht leicht in der Stadt, so seine Erfahrung. „Aber die Kinderuni kommt einfach gut an, da machen alle mit.“ Neben der Viadrina und dem Studierendenwerk ist es vor allem die finanzielle Unterstützung vom Lions Club, die das Format Jahr für Jahr möglich macht.

Der emeritierte Jura-Professor Kaspar Frey ist seit den Anfängen der Kinderuni dabei. Als die ersten Kinderuniversitäten in Deutschland 2002 in Tübingen startete, fanden er und andere Frankfurter Eltern das so nachahmenswert, dass sie auch ein solches Format initiierten. Kerstin Bechly, Susanne Mögle und Kaspar Frey luden 2005 zur ersten Viadrina Kinderuni ein – und es war sofort ein Erfolg. Nach rund zehn Jahren übernahmen Anke Prahtel, Renate Jakowanis und Jutta Zech vom Anfangsteam. Kaspar Frey, den sie „den Herrn Professor“ nennen, blieb dabei.

Sein Anspruch ist es, dass die Vorträge der Kinderuniversität wissenschaftlicher Natur sind – bei aller Unterhaltung. „Natürlich wollen Kinder, dass es knallt und zischt“, sagt Kaspar Frey. Vorträge über Ameisen, Wölfe und Bienen kommen gut an oder auch ein Karate-Großmeister, der für erstaunliche Disziplin im Hörsaal sorgte. „Am besten sind die Dozenten, die sehr trockene Themen gut rüberbringen“, sagt Anke Prahtel. Wie anschaulich man über Wahlen oder die Finanzkrise in Griechenland erzählen kann – „das hätte ich im Leben nicht gedacht“.

Sie freut sich über den großen Zuspruch auch, weil durch die Kinderuni junge Familien die Viadrina besuchen, die sonst nicht viel mit der Europa-Universität zu tun haben. Renate Jakowanis geht es neben der Heranführung an wissenschaftliche Themen vor allem darum, dass Kinder in den heutigen digitalen Zeiten „auch mal eine Stunde in echt zusammensitzen“. Kaspar Frey stellt sich gern vor, dass in der Kinderuni Jungen und Mädchen sitzen, in deren Familien vielleicht noch nie jemand studiert hat und die merken: „Das ist ja auch ein Ort für mich!“ „In diesem Hörsaal ohne Eltern sitzt jedes Jahr eine Generation, die mal die Zukunft gestalten wird. Die trauen sich nach dem Warum zu fragen und die bekommen hier das Gefühl: Wir können etwas bewegen.

Programm der Kinderuni 2026

Ab dem 4. März können Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 13 Jahren an vier Vorlesungen im Hörsaal der Europa-Universität Viadrina teilnehmen. Sie finden jeweils mittwochs von 16.00 bis 17.00 Uhr im Hörsaal 3 des Gräfin-Dönhoff-Gebäudes, Europaplatz 1, statt.

Am Mittwoch, dem 4. März, hält Viadrina-Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Charlotte Köhler einen Vortrag mit dem Titel „Routen, Daten & Bananen – Wie kommt der Supermarkt zu euch nach Hause?“

„Schreiben wie Heinrich von Kleist“ heißt es am Mittwoch, dem 11. März. Dr. Barbara Gribnitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Kleist-Museum, spricht über den vor fast 250 Jahren in Frankfurt (Oder) geborenen Dichter Heinrich von Kleist.

„Aus dem Tagebuch einer alten Eiche“ berichtet am Mittwoch, dem 18. März, Roland Boljahn, Gründer und langjähriger Leiter der Waldschule am Rogge-Busch in Müllrose.

Zum Abschluss am Mittwoch, dem 25. März, erfahren die Kinderuni-Teilnehmenden von der Projektgruppe „Feuerwehr Eisenhüttenstadt“, warum die Feuerwehr schon immer wichtig war und welche Bedeutung sie heute hat.

Frauke Adesiyan

Information und Anmeldung zur Kinderuni

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