Appell für einen Gegenentwurf zur Trump'schen Machtmediation – Lars Kirchhoff beim Wissenschaftssalon

Berlin/Frankfurt (Oder), 

Beim jährlich stattfindenden Salon Sophie Charlotte der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) wurde am 17. Januar 2026 diskutiert, wie es gelingen kann, Konflikte zu lösen. Viadrina-Konfliktforscher Prof. Dr. Lars Kirchhoff sprach bei der gut besuchten Veranstaltung darüber, wie Friedensvermittlung unter den aktuellen geopolitischen Bedingungen funktionieren kann. Er warnte davor, in den von Donald Trump „salonfähig gemachten Boxring“ zu steigen.

„Konflikte lösen!“ – dieses Motto des Wissenschaftssalons sorgte für Andrang. Vor der BBAW bildete sich eine lange Schlange auf dem Gendarmenmarkt, in den Fluren des Akademiegebäudes herrschte dichtes Gedränge. Neben dem Thema lag das sicherlich an der Prominenz der Redner*innen aus Politik, Wissenschaft und Kultur, unter ihnen Boris Pistorius, Aleida Assmann und Steffen Mau. Auch der Raum der Studienstiftung des deutschen Volkes, auf deren Einladung die Viadrina mit Lars Kirchhoff bei dem Salon vertreten war, war bis auf den letzten Platz besetzt.

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Geopolitik heute: Unkalkulierbar und kurzfristig statt sorgfältig und sensibel

In der Veranstaltung mit dem Titel „Friedensvermittlung in Zeiten von Deals, Bilateralismus und Wertedifferenz“ fragte Lars Kirchhoff danach, welche Zukunft das über Jahrzehnte aufgebaute System der Friedensmediation unter dem Druck von US-Präsident Donald Trump, Putins Krieg in der Ukraine und dem Primat des Militärischen hat. Bricht es zusammen ober etabliert es sich als echte außenpolitische Alternative zu kurzfristigen Deals? Kirchhoff stieg mit einer Analyse ein, wie massiv sich die Ziele von Vermittlungsprozessen unter den neuen geopolitischen Realitäten verschoben haben: Statt umfassender Abkommen mit dem Ziel, langfristig Frieden zu sichern, herrschen aktuell kurzfristige, funktionale, transaktionelle Deals vor. Auch im Prozess selbst beobachtet er tiefgreifende Veränderungen. An die Stelle von sorgfältiger Vorbereitung, präzisem Agendasetting und sensibler Aushandlung von Beteiligungs- und Entscheidungsmodalitäten tritt ein „Fahren auf Sicht“. Die Unkalkulierbarkeit als Prinzip sowie der massive Druckeinsatz von Donald Trump seien die neuen Hauptzutaten für echte Bewegung, so Kirchhoffs Analyse. 

Deutschland sollte Arena für komplexe Vermittlungsprozesse etablieren

In der anschließenden Diskussion, wie Deutschland und die EU auf diese Veränderungen reagieren sollten, bezog Lars Kirchhoff Stellung für einen Gegenentwurf zur Trump'schen Machtmediation. „Ein auf Macht und Disruption basierender Politikansatz ist so weit von der Nachkriegsidentität Deutschlands entfernt, dass ein Einsteigen in diesen durch Trump salonfähig gemachten Boxring ein Fehler wäre“, sagte Kirchhoff. Gleichzeitig werde es Deutschlands Rolle in Europa nicht gerecht, einfach abzuwarten, bis die Zeiten für Friedensmediation wieder besser werden.  Für einen echten Gegenentwurf, so Kirchhoffs Überzeugung, müssten Deutschland und die EU eine Arena für Vermittlungsprozesse etablieren und bespielen, in der ein Kernbestand an Normen beachtet wird, in der es anspruchsvoll konzipierte Vermittlungsprozesse gibt mit dem Ziel, Konflikte in der nötigen Komplexität zu transformieren und jenseits aller Naivität für positiven Frieden einzutreten.

Der Konfliktforscher endete mit der Aussage: „Deutschland muss für die eigene Außenpolitik – in bewusster Abgrenzung zu den USA – einen Weg finden, der deutsche Interessen ernst nimmt und verteidigt, dabei aber den Willen anderer Akteure – Staaten und Zivilgesellschaften – nicht bricht, so anspruchsvoll das ist.“

Kompetenz zum BBAW-Jahresmotto „Konflikte lösen“ an der Viadrina

Neben der Vermittlung seiner Expertise und dem Kontaktaufbau zu anderen Akteur*innen aus Wissenschaft und Praxis war die Teilnahme für Lars Kirchhoff auch sinnvoll, um das junge Publikum auf die Europa-Universität als einen Ort aufmerksam zu machen, an dem man Konfliktkompetenz erwerben kann: „Das Jahresmotto der BBAW ,Konflikte lösen!‘ hat so viele Überschneidungen mit dem  Profil der Viadrina – vom Institut für Konfliktmanagement (IKM) über das Zertifikatsprogramm ViAPACS bis hin zum neuen Master Conflict and Democracy ab dem Wintersemester 2026 – dass eine Teilnahme am Salon Sophie Charlotte wertvoll war.“ Die Kooperation mit der Studienstiftung, mit der das IKM seit Jahren zum Themenfeld Konflikt zusammenwirkt, sei besonders naheliegend. 

Frauke Adesiyan

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