Gendersensible Sprache: Studierende untersuchen öffentliche Diskurse und erarbeiten Handreichung

Frankfurt (Oder), 

Im Seminar „Geschlechtersensible Sprache zwischen Wissenschaft und Politik“ beschäftigten sich Studierende gemeinsam mit ihrer Seminarleiterin Prof. Dr. Miriam Lind ein Semester lang mit aktuellen wissenschaftlichen Studien und öffentlich-politischen Diskursen zu diesem Thema. Das Gelernte konnten sie auch praktisch anwenden: Sie erarbeiteten Kapitel für eine neue Handreichung zu geschlechtersensibler Sprache an der Viadrina. Zwischenergebnisse stellten die Studierenden in einer uni-internen Veranstaltung am 22. Januar 2026 vor.

Was sind geschlechtsneutrale Alternativbegriffe? Welche Begriffe lassen sich nicht gendern? Wie gehen andere Sprachen mit dem Thema geschlechtersensible Sprache um? Und ist gendern vereinbar mit leichter und barrierearmer Sprache? Das waren nur einige der Themen, die die Studierenden für die universitäre Handreichung erarbeitet haben. „Im Bereich gendersensible Sprache gibt es noch ganz viele Fragen und für die möchten wir möglichst praktisch Hilfestellungen anbieten und gleichzeitig auch Hintergrundinformationen liefern: Warum ist gendern wichtig? Was ist das Problem mit dem generischen Maskulinum?“, sagt Prof. Dr. Miriam Lind, Professorin für Sprachpraktiken in Medienkulturen an der Viadrina.

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Gemeinsam mit Katja Kraft, Gleichstellungsbeauftragte der Universität, hatte sie die Idee, ein Seminar zum Thema geschlechtersensible Sprache anzubieten und es mit einem Praxisteil – der Redaktion für eine universitätsweite Handreichung – zu verbinden. „Ein Gedanke dabei war, die Erfahrungen der Studierenden mit gendern im Studium einzubringen und auch eine Themen-Schwerpunktsetzung zu ermöglichen, die für Studierende selbst wichtig ist“, so Miriam Lind weiter.

Einer der Studenten war Friedemann Klehm, der den Master „Sprache, Medien und Gesellschaft“ studiert. Das Thema Gendern sei insbesondere an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät sehr präsent, sagt er, dennoch habe das Seminar seinen Blick auf das Thema nochmal erweitert: „Diese ganzen praktischen Aspekte und Hürden, was ist überhaupt gewünscht von den verschiedenen Gruppen – das ist schon schwierig, alles unter einen Hut zu kriegen. Und dann kommt auch Barrierefreiheit und der interkulturelle Aspekt hinzu – gerade an so einer internationalen Uni wie der Viadrina“, sagt Friedemann Klehm zu den Herausforderungen, die auch in der Handreichung Eingang finden werden.

Zhaneta Tsaturyan, Studentin der Kulturwissenschaften, hat das Seminar belegt, weil sie Sprachen liebt: „Ich bin in eine sehr internationale Familie geboren und gleichzeitig mit drei Muttersprachen aufgewachsen“, sagt sie. Die Sprache ihres Heimatlandes Georgien kennt kein grammatisches Geschlecht, daher war sie überrascht und interessiert daran, wie das Thema Gendern in Deutschland diskutiert wird.

Die aktuellen politischen Entwicklungen, etwa „Genderverbote“ in einigen Bundesländern, wurden im Unikurs ausführlich diskutiert. „Wenn man erst mal anfängt, sich mit der wissenschaftlichen Basis auseinander zu setzen – etwa Fragen wie: Wo sind eigentlich die sprachlichen Probleme? Wie sieht es aus mit der Studienlage zu bestimmten Sprachformen? – dann ist es aus wissenschaftlicher Sicht kaum haltbar, warum es diese Genderverbote überhaupt gibt“, sagt Miriam Lind. „Wir haben im Seminar dann vor allem versucht, die Verknüpfung von sprach- und genderideologischen Haltungen und Genderverboten aufzudecken.“

Die universitätsinterne Handreichung zum geschlechterinklusiven Sprachgebrauch, an der die Seminarteilnehmenden mitgeschrieben haben, soll noch in diesem Jahr erscheinen. Sie folgt auf einen Beschluss des Präsidiums der Viadrina aus dem Mai 2025, in dem den Mitgliedern der Universität empfohlen wird, möglichst geschlechtsneutrale Formulierungen (wie Redepult statt Rednerpult) zu nutzen, oder, wenn diese nicht zur Verfügung stehen, auf genderinklusive Formulierungen mit dem Asterisk („Genderstern“) – wie beispielsweise Professor*innen –zurückzugreifen. In ihrem Leitbild verpflichtet sich die Viadrina zu einem wertschätzenden, diversitätssensiblen und diskriminierungsfreien Umgang und verleiht dieser Haltung mit dem Beschluss auch in ihrer öffentlichen Kommunikation Ausdruck.

Geschlechterinklusive Sprache verfolgt das Ziel, alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht sprachlich sichtbar zu machen. Sie soll verhindern, dass bestimmte Gruppen – insbesondere Frauen, nichtbinäre und intergeschlechtliche Personen – durch sprachliche Konventionen unsichtbar oder mitgemeint, aber nicht ausdrücklich benannt werden.

Ulrike Polley

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