Università di Catania 2025: "...dieser Ort ist für mich zu einem zweiten Zuhause geworden"
European Studies (MA)
Vorbereitung
Bevor ich mich für mein Erasmus-Semester entschieden habe, habe ich intensiv recherchiert, welche Orte für mich infrage kommen. Da es bereits mein zweiter Auslandsaufenthalt war, wusste ich diesmal ganz genau, was ich suche: ein warmes Klima, gutes Essen, authentische Atmosphäre, offene Menschen und die Möglichkeit, mein Italienisch zu verbessern, das ich zu dieser Zeit lernte. All das fand ich im Angebot der Università degli Studi di Catania auf Sizilien.
Privat
Ich habe mich im Dezember 2023 für das Sommersemester beworben und nach einiger Zeit die Zusage von meiner Wunschuniversität in Catania erhalten. Da noch viel Zeit bis zur Abreise blieb, konnte ich alles in Ruhe organisieren und musste mich nicht stressen. Als EU-Bürgerin brauchte ich kein Visum, was vieles erleichtert hat.
Was die Versicherung betrifft, war ich über Euro26 versichert – eine Jahresversicherung, die ich bereits während meines vorherigen Auslandspraktikums genutzt hatte. Das Thema war also für mich schon erledigt.
Die Bewerbung an der Universität in Catania war erst im Oktober 2024 möglich, da das Semester Ende Februar/Anfang März 2025 begann. Für die Vervollständigung der Unterlagen hatte ich bis Ende Oktober Zeit. Der gesamte Bewerbungsprozess war sehr unkompliziert – ich habe eine E-Mail von der Gasthochschule mit einer detaillierten Schritt-für-Schritt-Anleitung erhalten. Auch die Learning Agreement wurde sehr zügig von beiden Seiten – der Viadrina und der Universität Catania – genehmigt.
Ende Februar fand eine Welcome Week statt, die für alle internationalen Studierenden verpflichtend war. Ich kann wirklich nur empfehlen, diese Woche so gut wie möglich zu nutzen – es ist eine großartige Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen. Soweit ich weiß, gab es an der Uni kein offizielles Buddy-Programm, aber die ESN-Gruppe war unglaublich aktiv und hat diese Rolle komplett übernommen. Sie haben uns in allen möglichen Situationen unterstützt.
Ich bin schließlich mit dem Flugzeug nach Catania gereist, da zwischen dem Ende meines Praktikums und dem Start des Semesters nur wenig Zeit lag. Flüge aus Polen (z. B. aus Katowice, Krakau oder Warschau) sind günstig und fast täglich verfügbar – es war also kein Problem, spontan einen passenden Flug zu finden.
Unterkunft
Vor meiner Abreise hatte ich einige Erfahrungsberichte von anderen Studierenden gelesen, die geschrieben hatten, dass die Wohnungssuche in Catania kein großes Problem sei und man sich darum nicht im Voraus kümmern müsse. Das habe ich mir sehr zu Herzen genommen.
Die erste Woche verbrachte ich in einem Hostel — und habe dort direkt tolle Leute kennengelernt, obwohl mein Erasmus-Aufenthalt offiziell noch gar nicht begonnen hatte! Mein Hauptziel war aber natürlich, eine Unterkunft zu finden. Ich hatte mich vorher nicht wirklich mit Angeboten oder Plattformen beschäftigt, also begann ich erst vor Ort auf Sizilien mit der aktiven Suche. Ich gab mir selbst eine Woche Zeit.
Etwas komplizierter war die Sache, weil ich zusammen mit meinem Freund wohnen wollte. Wir suchten also ein kleines Apartment oder eine Einzimmerwohnung für zwei Personen, möglichst im Zentrum und zu einem vernünftigen Preis – also gab es durchaus ein paar Anforderungen. Aber: Es hat geklappt!
Ich habe mich an Leute vom ESN-Team gewandt, und eine Person dort hatte Kontakte zu vielen Vermieter:innen. Sie gaben mir hilfreiche Infos und haben uns sehr unterstützt. Zusätzlich habe ich auch die Plattform Idealista.it genutzt.
Wenn man nur ein Zimmer in einer WG sucht, gibt es wirklich viele Angebote, auch kurzfristig – da muss man sich nicht zu sehr stressen. Nach etwa einer Woche fanden wir ein kleines Apartment für zwei Personen im Herzen der Stadt, zu einem Preis, mit dem wir sehr zufrieden waren.
Ich habe viele Wohnungen besichtigt – meistens waren es WGs in sehr großen Apartments, was in Italien üblich ist. Kleine, eigenständige Wohnungen sind dort nicht so verbreitet. Unsere Einzimmerwohnung kostete 500 € im Monat plus Stromkosten (etwa 100 €), also rund 300 € pro Person. Wir hatten eine Klimaanlage, was im Juni wirklich Gold wert war – ohne sie hätte man nachts kaum schlafen können.
Was andere Zimmerpreise betrifft: Das günstigste Angebot, das ich bekommen habe, lag bei 160 €, das teuerste etwa bei 380 €, und alle lagen maximal 30 Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt.
Mein Tipp? Keine Panik! Überlegt euch vorher, was euch wirklich wichtig ist. Für mich war die zentrale Lage ausschlaggebend – und rückblickend war das eine sehr gute Entscheidung. Warum? Weil die meisten Veranstaltungen, vor allem vom ESN, im Zentrum stattfinden – und das oft sehr spät abends, teilweise beginnen die Events erst um 23 Uhr. Da ist es ein echter Vorteil, wenn man zu Fuß schnell und sicher nach Hause kommt – vor allem, wenn man gerne unterwegs ist und Leute trifft.
Wenn ihr denkt, dass ihr euch auf den öffentlichen Nahverkehr verlassen könnt – überlegt es euch lieber nochmal. Die Busse in Catania fahren, wie sie wollen – man kann sich nicht auf sie verlassen. Die Metro funktioniert relativ zuverlässig, fährt aber nur bis zum späten Abend (am Wochenende bis 1 Uhr), also nicht nach Partys oder Abendveranstaltungen.
Ich habe in der Nähe des Bellini Parks gewohnt und kann diese Gegend wirklich sehr empfehlen. Ich hatte alles in der Nähe: zur Felsenküste bin ich etwa 40 Minuten gelaufen, der Park direkt vor der Tür war perfekt zum Entspannen, die Nachbarschaft war gepflegt und ich habe mich dort immer sicher gefühlt.
Es gibt auch Studentenwohnheime, für die man sich bewerben kann – ein paar meiner Freunde wohnten dort und waren zufrieden. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass die meisten Erasmus-Studierenden lieber Zimmer oder Wohnungen privat mieten – das scheint in Catania die beliebtere Lösung zu sein.
Studium an der Gasthochschule
Was die Kurse betrifft, habe ich nur ein universitäres Fach belegt – „Migration and Development“. Es war ein interessanter Kurs, eher im Vorlesungsstil, ohne großen Fokus auf Diskussionen. Die Prüfungsleistung bestand aus einem 8–10-seitigen Essay sowie einem Buchkommentar zu einer frei gewählten Lektüre. Der Kurs war Teil des Masterprogramms „Global Politics and Euro-Mediterranen Relations“, bei dem alle Veranstaltungen auf Englisch angeboten werden.
Ein großer Vorteil war, dass man sich den Prüfungstermin selbst aussuchen konnte – es gab zwischen zwei und vier Optionen, und man konnte ganz flexibel entscheiden, wann man den Essay abgibt oder die Prüfung macht.
Außerdem habe ich an einem intensiven Italienischkurs auf Niveau A2 sowie an einem kurzen Crashkurs zu Beginn des Semesters teilgenommen. Der Intensivkurs umfasste 100 Unterrichtsstunden. Er war wirklich angenehm und nützlich – auch wenn die Gruppe ziemlich groß war, was das Lernen etwas erschwert hat. Die Lehrkräfte waren jedoch sehr engagiert, freundlich und haben versucht, den Unterricht so interaktiv wie möglich zu gestalten.
Am Ende des Kurses gab es eine schriftliche und eine mündliche Prüfung.
Sowohl im Sprachkurs als auch im regulären Kurs galt eine Anwesenheitspflicht – man musste an mindestens 70 % der Sitzungen teilnehmen. Falls es mal Probleme gab, konnte man das aber direkt mit den Dozent:innen besprechen und individuelle Lösungen finden.
Insgesamt empfand ich die Kurse als etwas einfacher als an meiner Heimatuniversität in Deutschland. Ich musste mich nicht besonders intensiv vorbereiten – zumindest in meinem Fall. Ich weiß aber auch, dass es Kurse gab, bei denen man Texte vor dem Unterricht lesen und sich aktiv an Diskussionen beteiligen musste. Das hängt ganz von dem jeweiligen Fach und der Lehrperson ab.
Was die Betreuung von Erasmus-Studierenden betrifft, habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt. Wenn man schnell Informationen braucht oder mehrere Fragen hat, würde ich auf jeden Fall empfehlen, anzurufen statt zu mailen – E-Mails werden zwar beantwortet, aber es kann eine Weile dauern.
Alltag und Freizeit
Was die Lebenshaltungskosten in Catania betrifft, fand ich, dass das Erasmus-Stipendium absolut ausgereicht hat – natürlich ist das aber sehr individuell. Wenn man plant, viel zu reisen und andere Teile Italiens oder Europas zu entdecken, kann ein zusätzliches Budget sinnvoll sein.
Im Allgemeinen reichen 600–800 Euro im Monat völlig aus, um die täglichen Ausgaben wie Unterkunft, Lebensmittel und Freizeitaktivitäten zu decken – inklusive gelegentlicher Ausflüge.
Zu Beginn des Semesters haben wir eine E-Mail erhalten mit dem Angebot, ein 3-Monats-Ticket für Bus und Metro für nur 15 Euro zu kaufen – ein wirklich gutes Angebot. Allerdings, wie schon erwähnt, sind die Busse in Catania ziemlich unzuverlässig und fahren, wie es ihnen gerade passt. Die Metro funktioniert deutlich besser, fährt aber nicht nachts.
Was Sport und Bewegung angeht, verfügt die Universität über ein eigenes Sportzentrum, das man nutzen kann. Wichtig: Um sich für ein Fitnessstudio (egal ob an der Uni oder privat) anzumelden, braucht man ein ärztliches Attest, das den Gesundheitszustand bestätigt. Das kann man ganz unkompliziert in Italien machen – Kostenpunkt: ca. 20 Euro.
ESN Catania ist super aktiv – sie organisieren Ausflüge in verschiedene Städte auf Sizilien (und darüber hinaus), sowie viele Events in Catania selbst. Ich kann nur empfehlen, daran teilzunehmen – das ist eine tolle Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen und die Insel auf entspannte Weise zu erkunden.
Es gibt generell ständig Veranstaltungen, auch von der Stadt selbst – da ist wirklich für jeden etwas dabei. Ich habe zum Beispiel an einem Theaterkurs teilgenommen, der von der Uni organisiert wurde und sowohl für Erasmus-Studierende als auch für italienische Studierende offen war. Es war eine super Möglichkeit, Italienisch zu üben, Einheimische kennenzulernen und dabei noch etwas Kreatives zu machen. Wir haben uns einmal pro Woche getroffen, und am Ende des Semesters haben wir ein kleines Theaterstück aufgeführt. Danach sind wir meistens noch zusammen etwas trinken gegangen. Das Theater war definitiv ein wichtiger Teil meines Erasmus-Aufenthalts. Langeweile kommt in Catania wirklich nicht auf.
Fazit
Mein Aufenthalt in Catania war einfach großartig. Diese Stadt hat wirklich viel zu bieten – nicht nur an sich selbst, sondern auch als Ausgangspunkt, um ganz Sizilien zu entdecken. Egal, ob man das Nachtleben liebt, die Natur genießen will oder einfach nur entspannen möchte – hier findet jeder etwas für sich.
Catania ist ein authentischer Ort, mit Seele und Geschichte, voller herzlicher und offener Menschen, die gerne Italienisch sprechen und sich über jeden Versuch freuen, in ihrer Sprache zu kommunizieren. Ich empfehle auf jeden Fall, vor der Abreise einen A1-Italienischkurs zu machen – Grundkenntnisse sind wirklich hilfreich, denn Englisch hilft nicht immer weiter.
Was Catania wirklich besonders macht, ist diese Echtheit. Im Sommer kommen zwar Touristen, aber es sind bei Weitem nicht so viele wie in Rom, Venedig oder Florenz. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass es sich um Süditalien handelt – man darf keinen mitteleuropäischen Standard erwarten, was Ordnung oder Sauberkeit betrifft. Für manche mag Catania etwas chaotisch oder roh wirken – aber genau das macht ihren Charme aus.
Vor meiner Reise hatte ich viele Kommentare über die „Schmutzigkeit“ der Stadt gelesen. Und ja – manchmal ist es nicht perfekt, aber es war längst nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Was die Sicherheit betrifft: Ich habe mich während meines gesamten Aufenthalts absolut wohl und sicher gefühlt und nie eine Situation erlebt, in der ich Angst gehabt hätte.
Catania hat alle meine Erwartungen erfüllt, vor allem, weil ich hier täglich Italienisch sprechen konnte und sprachlich große Fortschritte gemacht habe. Es ist eine wunderschöne Stadt auf einer einzigartigen Insel, die man auch relativ einfach erkunden kann: Busverbindungen sind vorhanden und erschwinglich, und mit Freunden kann man sich auch mal ein Auto mieten. An den Wochenenden kann man sogar den Ätna besteigen, den man übrigens täglich von der Hauptstraße – der Via Etnea – sehen kann.
Dieser Ort gibt einem das Gefühl, entschleunigen zu dürfen, durchzuatmen, dem alltäglichen Stress zu entkommen und einfach im Moment zu leben. Aber am allerwichtigsten war für mich, dass mein Erasmus in Catania mir die Möglichkeit gegeben hat, wundervolle Menschen aus aller Welt kennenzulernen – Freundschaften, die lange bleiben und diesen Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem gemacht haben.
Ganz ehrlich: Mir fällt nichts Negatives ein. Ich wusste im Voraus, worauf ich mich einlasse – ich kannte mögliche Schwächen, und deshalb hat mich nichts enttäuscht oder überrascht.
Ich kann Erasmus in Catania von ganzem Herzen empfehlen – dieser Ort ist für mich zu einem zweiten Zuhause geworden. Die besondere Atmosphäre, die tollen Menschen, die Sprache im Alltag und unzählige schöne Erinnerungen haben diesen Aufenthalt zu einer der wichtigsten und schönsten Erfahrungen meines Lebens gemacht.
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