Sciences Po: "Insgesamt kann ich nur sagen, dass mir das Semester in Paris sehr gut gefallen hat und ich es auf jeden Fall weiterempfehlen kann."
International Business Administration (MA)
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Vorbereitung
Die Bewerbung an der Partneruniversität verlief relativ schnell und reibungslos. Dennoch muss man im Voraus bedenken, dass das Institut d’études politiques de Paris, auch Sciences Po genannt, mehrere Voraussetzungen für die Bewerbung hat. Beispielsweise ist ein CV erforderlich, ebenso ein extra Motivationsschreiben und ein offizieller Sprachnachweis auf C1-Niveau, entweder auf Englisch oder Französisch, abhängig vom gewünschten Studiengang und der Unterrichtssprache. Aus diesem Grund sollte man möglichst früh mit der Vorbereitung der Bewerbungsunterlagen beginnen, insbesondere, wenn ein Sprachzertifikat erforderlich ist. Für den Englischnachweis würde ich den Duolingo Englisch Test empfehlen, da dieser im Vergleich zu anderen Tests weniger kostet und man sehr schnell die Ergebnisse bekommt. Dabei werden allerdings nur bestimmte Zertifikate anerkannt und die Tatsache, dass man an der Viadrina auf Englisch studiert, reicht leider nicht aus. Zudem sollte man sich früh überlegen, in welchem Studiengang man studieren möchte und welche Kurse man belegen will, da man bei der Bewerbung das gewünschte Studienprogramm angeben muss, das man im Motivationsschreiben genauer erläutert. Sciences Po wird als eine der besten Universitäten der Welt im Bereich Politik anerkannt, wobei andere Studiengänge ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau sind. Nach der Zusage von der Partneruni muss man anschließend ein weiteres Formular ausfüllen und die administrative Registrierung abschließen, bis man den Platz an der Uni endgültig erhalten hat.
https://www.sogelym-dixence.fr/en/achievment/sciences-po-paris
Bei der Kursanmeldung sollte man wirklich sehr schnell sein, da die Kurse bereits nach wenigen Minuten voll sind. Es ist sinnvoll, sich zuerst für die kleineren Seminare mit begrenzter Anzahl an Plätzen und erst danach für die Vorlesungen mit größerer Teilnehmerzahl einzuschreiben. Da man leider nicht immer alle gewünschten Kurse bekommt, sollte man sich ebenfalls bereits vor dem Start der Anmeldung einen Notfallplan überlegen. Das Gleiche gilt auch für die sportlichen und kulturellen Angebote, für die die Anmeldung erst eine oder zwei Wochen später stattfindet.
Die Einführungsveranstaltungen beginnen eine Woche vor dem offiziellen Studienbeginn, weshalb es sich lohnt, etwas früher anzureisen. Abgesehen vom Flugzeug kann man auch problemlos mit dem Zug oder dem Fernbus anreisen, sodass sich „Green Travel” bei der Anreise nach Paris besonders lohnt. Die freiwillige „Welcome Week“ dauert fünf bis sechs Tage und ist kostenpflichtig. Jeden Tag stehen gemeinsame Aktivitäten, methodische Kurse sowie Ausflüge auf dem Programm. Da beinah eintausend Austauschstudierende zu dieser Universität aus der ganzen Welt kommen, kann es hilfreich sein, an diesem Programm teilzunehmen, um vor allem am Anfang möglichst viele neue Leute kennenzulernen. Wenn man jedoch nicht fast 300 Euro dafür ausgeben möchte, kann man auch an studiengangabhängigen, kostenlosen Einführungsveranstaltungen und Führungen teilnehmen, die ebenfalls sehr empfehlenswert sind. Generell gibt es bei Sciences Po sehr viele englischsprachige Studenten und Professoren, sodass es am Anfang leichter fallen kann, Kontakte zu knüpfen und Fragen zu klären. Im Ganzen ist diese Universität sehr gut organisiert und E-Mails werden meist innerhalb weniger Tage beantwortet.
Zudem besteht die Möglichkeit, sich für das Buddy-Programm einzutragen. Dabei wird man mit einem anderen einheimischen Studenten in Kontakt gebracht, um sich über den Unialltag auszutauschen und eine direkte Ansprechperson zu haben. Dabei kann man auswählen, ob der Buddy Französisch oder Englisch spricht und ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.
Unterkunft
Was die Wohnungssuche in Paris angeht, sollte man auch dort so frühzeitig wie möglich damit anfangen, denn das ist ein sehr langer Prozess, der viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Die meisten Studenten wohnen in der Cité Universitaire, in möblierten Studios, WG-Zimmern oder privaten Wohnheimen. Da es in Paris sehr viele Studenten gibt, sind die etwas günstigeren Zimmer schnell weg, weswegen man im Idealfall bereits mehrere Monate vor der Ankunft nach einer Wohnung suchen sollte. Ich persönlich habe meine Wohnung auf der Website Se Loger gefunden. Eine andere empfehlenswerte Seite ist Studapart, da einige meiner Freunde dort ihre Unterkunft gefunden haben. Man sollte jedoch beachten, dass es in Paris viele Betrüger gibt und man deshalb niemals im Voraus die Miete oder eine Anzahlung überweisen sollte, bevor man den Vertrag unterschrieben hat und die Schlüssel erhalten hat. Die Mietpreise sind in Paris allgemein höher als in Deutschland. Für ein kleines Studio zahlt man im Durchschnitt zwischen 700 und 1 000 Euro. Obwohl es in Paris zahlreiche Verkehrsmittel gibt und nachts Busse fahren, lohnt es sich, möglichst zentral zu wohnen, um das Leben in der Stadt richtig genießen zu können. Gleichzeitig sollte man möglichst nah an einer Metrostation wohnen, um sich entspannt in der Stadt bewegen zu können. Da Paris eine Großstadt ist, kann es gut sein, dass man ca. eine halbe Stunde braucht, um zur Uni zu kommen - das ist vollkommen normal. Die Stadtteile im Norden von Paris sollte man jedoch vermeiden, obwohl die Mieten dort etwas günstiger sind.
Studium an der Gasthochschule
Während meines Auslandssemesters war ich im Masterprogramm „New Luxury & Art de Vivre” und bin sehr positiv davon beeindruckt. An der Viadrina studiere ich im Management und Marketing Track, weshalb dieses Programm für mich die perfekte Wahl war und ich mich umso mehr über die Zusage gefreut habe. Als Austauschstudent kann man sich im Master nur für einen bestimmten Studiengang bei der Partneruniversität entscheiden und somit nur die dort angebotenen Kurse belegen und nicht, wie an der Viadrina, aus verschiedenen Fakultäten wählen. Dennoch ist die Kursliste sehr abwechslungsreich und es gibt oft einen gewissen Bezug zu den Sozialwissenschaften. Wenn man im Wintersemester ins Ausland geht, kann man die Kurse des ersten und dritten Semesters belegen, während man im Sommer nur die Kurse des aktuellen Semesters zur Auswahl hat. Da ich im Wintersemester dort war, habe ich die Einführungskurse aus dem ersten Semester sowie Spezialisierungen aus dem dritten Semester gewählt, wodurch ich mir einen erweiterten Blick auf die Luxusindustrie verschaffen konnte.
Insgesamt habe ich während meiner Zeit bei Sciences Po zwölf Kurse belegt, darunter: Anatomy of Beauty, When Art meets Luxury, Introduction to the Luxury and Fashion Industries, Introduction to Market Research, Jewelry: how to build the Dream, Luxury Business Case, Fashion and Accessories, Introduction to Corporate Strategy, The Institutional Context of Luxury in France, Product Management in the Luxury Sector, Fundamentals of Marketing und Introduction to Financial Aspects of Marketing. Die hohe Anzahl der Kurse liegt daran, dass die meisten Kurse nur zwei bis vier Credits haben und oft verkürzt sind. Zudem sind die Kurse extrem interessant, weswegen ich Lust hatte, mehr Kurse zu belegen. Es ist tatsächlich eine einmalige Chance, so viele Einblicke in die Luxuswelt zu bekommen, was an anderen Unis nicht oft möglich ist. Also, wenn man sich für Marketing und Management im Luxusbereich interessiert, ist das das beste Programm dafür.
Alle Kurse wurden von Dozenten mit jahrelanger Arbeitserfahrung in der Industrie geführt, die sehr viele Einblicke mit uns teilten, die in keinem Buch stehen. Oft waren das Personen, die führende Rollen in den Branchen haben und von denen man wirklich viel lernen und Inspiration für die zukünftige Karriere sammeln kann. Darüber hinaus wurden zu den Seminaren oft spannende Gastsprecher eingeladen, von denen man auch sehr viele Einblicke bekommen konnte. Sciences Po ist wirklich der richtige Ort, um wichtige Kontakte zu knüpfen und die besten Ratschläge im Hinblick auf das spätere Berufsleben zu bekommen.
Allgemein ist Sciences Po eine sehr praxisorientierte Universität, weshalb man auch sehr oft praxisnahe Aufgaben erledigen muss. Der Arbeitsaufwand und die allgemeinen Erwartungen sind viel höher als in Deutschland, dafür sind die Inhalte aber auch sehr spannend und relevant. Dieser Studiengang kooperiert mit großen Luxusmarken und wird von ihnen unterstützt, weshalb man oft zusammen mit den Unternehmen an spannenden Case Studies arbeitet und die Firmen besucht. So hatte ich die Möglichkeit, das historische Wohnhaus von Louis Vuitton zu besichtigen, das normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, und eine Führung durch das 19M, die Chanel-Modemanufaktur, zu erhalten sowie die Paris Fashion Week zu besuchen. Das große Highlight war für mich der Kurs „Luxury Business Case”, im Rahmen dessen wir in Zusammenarbeit mit der Marke Christian Louboutin ein Projekt entwickelt und vor den Managern vorgestellt haben. Dabei wurde unsere Gruppe als Gewinner erklärt und wir haben tolle Preise bekommen.
Wie die Prüfungsleistungen am Ende aussehen, variiert sehr stark von Kurs zu Kurs. Typische Klausuren am Ende des Moduls gibt es dort nur sehr selten, da die Gesamtnote meistens aus mehreren Teilnoten berechnet wird. Man sollte sich also auf mehrere Abgaben, mündliche Mitarbeit, zahlreiche Gruppenpräsentationen und Case Studies einstellen. Zudem gibt es bei manchen Kursen Midterms und Finals, die aber normalerweise etwas kürzer sind als die Klausuren in Deutschland. Obwohl sich das nach viel Arbeit anhört, finde ich dieses System persönlich besser, da man so im ständigen Austausch mit anderen Studierenden ist, direkten Einfluss auf die Note hat und das Lernen somit viel spannender und interaktiver ist. Dennoch hat man bei Sciences Po, wie bereits erwähnt, hohe Erwartungen und legt viel Wert auf Qualität, kritisches Denken und Kreativität. Bei allen Kursen an Sciences Po gibt es Anwesenheitspflicht und man darf im Laufe des Semesters nur wenige Male fehlen. Wird diese Grenze überschritten, ist man leider raus aus dem Kurs.
Zudem gibt es diverse sportliche und kulturelle Angebote sowie mehrere Sprachkurse in verschiedenen Sprachen und auf allen Niveaus. Für die Sprachkurse sind keine vorherigen Einstufungstests erforderlich, jedoch muss man bei der Einschreibung schnell sein, da die Plätze sehr begehrt sind.
Die Universität liegt im wunderschönen Stadteil Saint-Germain-des-Prés im Zentrum von Paris. So ist man sofort von vielen Sehenswürdigkeiten umgeben und kann in der Mittagspause einen tollen Spaziergang machen. Zu bedenken ist, dass die Universität aus mehreren Gebäuden besteht, die alle in wenigen Minuten erreichbar sind. Es ist jedoch empfehlenswert, sich gleich zu Beginn zu informieren, wo sich die einzelnen Räume befinden, da die Bezeichnungen mitunter verwirrend sein können. So spart man sich später viel Zeit.
Alltag und Freizeit
Paris ist eine sehr vielfältige Stadt, in der garantiert keine Langeweile aufkommt, denn es gibt für jeden Geschmack passende Aktivitäten. Man sollte jedoch bedenken, dass Paris eine sehr touristische Stadt ist und es immer sehr voll ist. Es gibt zahlreiche Parks, Museen, Konzerte, Workshops, Ausstellungen und viele weitere einzigartige Veranstaltungen.
Je nachdem, wie man seine Zeit in Paris verbringen möchte, können sich die Lebenshaltungskosten stark unterscheiden. Allgemein lässt sich sagen, dass vieles in Paris etwas teurer ist als in Deutschland. Aber auch mit einem kleineren Budget kann man in Paris viel erleben, denn für Personen unter 26 Jahren sind die meisten Eintritte kostenlos.
Es gibt zahlreiche empfehlenswerte Reise- und Ausflugsangebote in und außerhalb von Paris. Diese werden entweder von der Universität selbst oder von Erasmus Place organisiert und bieten die perfekte Gelegenheit, die Gegend besser zu erkunden und viele neue Leute aus der ganzen Welt kennenzulernen.
Zu meinen schönsten Erlebnissen zählten: Das Banquet des Troubadours in Provins, Fontainebleau, Château de Versailles und die Grandes Eaux Nocturnes, Montmartre, die Ausflüge nach Étretat und Le Mont-Saint-Michel, Châteaux de la Loire, Giverny, Musée Grévin, Bibliothèque Mazarine, Le Caveau de la Huchette, die Aussichtsplattform des Panthéons, Arc de Triomphe, Trocadéro, Stade de France, Grand Rex, Galeries Lafayette Haussmann, Palais Garnier und vieles mehr.
Da Paris eine sehr große Stadt ist, lohnt es sich auf jeden Fall, eine Navigo-Monatskarte (ca. 90 Euro) zu besorgen, um sich bedenkenlos in der ganzen Region bewegen zu können. Wenn man aber nicht ständig mit der Métro fahren möchte und sportlich unterwegs sein will, kann man sich kostengünstig ein Fahrrad von Vélib ausleihen. Besonders bei dem guten Wetter lohnt es sich meiner Meinung nach, sich auch mehr zu Fuß zu bewegen, um die schöne Atmosphäre der Stadt noch mehr zu genießen.
Fazit
Meiner Meinung nach braucht man am Anfang etwas Zeit, um sich an den Rhythmus der Stadt zu gewöhnen. Auch wenn das Leben in Paris teilweise stressig sein kann, ist es ein großartiger Ort, um zu studieren und unvergessliche Momente zu erleben. Zwar hat Sciences Po sehr hohe Anforderungen und man verbringt viel Zeit mit Lernen, doch das gleicht sich durch die vielen Freizeitaktivitäten wieder aus. Paris ist eine wunderschöne und facettenreiche Stadt, in die man sich unvermeidlich verlieben wird. Insgesamt kann ich nur sagen, dass mir das Semester in Paris sehr gut gefallen hat und ich es auf jeden Fall weiterempfehlen kann.
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