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„Wir brauchen mehr Geschichtsarbeit für den Frieden und für Europa“ – Magdalena Abraham-Diefenbach erhält Europaurkunde des Landes Brandenburg

Magdalena Abraham-Diefenbach hat am Europatag, dem 9. Mai 2022, eine Europaurkunde von Brandenburgs Europaministerin Katrin Lange entgegengenommen. Die Vorsitzende vom Institut für angewandte Geschichte wurde bei einem Festakt in Potsdam für ihren Einsatz für ein europäisches Miteinander geehrt. Warum dafür die Geschichtsarbeit in der Grenzregion entscheidend ist, erzählt die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Viadrina in diesem Beitrag.

„Dass die europäische Idee sinnvoll ist, wird gerade angesichts des Krieges immer klarer“, findet Dr. Magdalena Abraham-Diefenbach. Sie nennt sich ohne Umschweife eine „überzeugte Europäerin“ und fordert: „Wir brauchen mehr Geschichtsarbeit für den Frieden und für Europa.“  Auch deshalb freut sie sich über die Anerkennung ihrer persönlichen Arbeit. Seitdem sie nach ihrem Studium der Soziologie, Philosophie und der deutschen Sprache in Toruń 2006 an die Oder gezogen ist, engagiert sie sich beim Institut für angewandte Geschichte, heute ist sie dessen Vorsitzende.

2022-05-09 Verleihung Europaurkunden by Christin Steffen 419 ©MdFE

Auszeichnung in Potsdam: Magdalena Abraham-Diefenbach (Mitte) erhielt die Europaurkunde von Brandenburgs Europaministerin Katrin Lange und Jörg Wojahn, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland.


Grenzgebiete, wie das in und um Frankfurt (Oder) und Słubice, sind für Magdalena Abraham-Diefenbach besondere Orte des europäischen Zusammenwachsens: „Mehr noch als in den Zentren verhandeln wir hier Dinge, die im europäischen Kontext wichtig sind.“ Grenzverschiebungen, Migration und Ansiedlung sind nur drei Themen, die die Verbindung von historischer Arbeit und Aktualität offensichtlich machen. Dabei ist es Selbstverständnis des Instituts und Überzeugung seiner Vorsitzenden, dass neben der historischen Forschung das Brückenbauen und Netzwerke-knüpfen im Fokus stehen. Für Magdalena Abraham-Diefenbach ist die Verknüpfung beider Seiten der Grenze und das Sichtbarmachen möglichst vieler Perspektiven auf Geschichte zentral in ihrer Arbeit. „Das ist in gewissem Sinn auch Anti-Propaganda-Arbeit“, findet sie. Möglichst vielen Menschen den Zugang zu Wissen über die Geschichte ihrer Region zu verschaffen und aufzuzeigen, dass es nicht nur die eine absolute Geschichtsschreibung gibt, sondern eine Vielzahl an Konstruktionen und Deutungen, sei auch ein Beitrag gegen rechtspopulistische Tendenzen.

Neben der europäischen hat die Auszeichnung für Magdalena Abraham-Diefenbach auch eine persönliche Bedeutung: „Ich bekomme die Urkunden zu einem Zeitpunkt, an dem ich selbst viel über mein Engagement nachdenke.“ Zum einen sei es toll, dass man mit der Auszeichnung ihre ehrenamtliche Arbeit anerkenne. „Es ist wichtig zu zeigen, dass Ehrenamt nicht nur sozial geleistet wird, sondern auch Arbeit an Geschichte sein kann. Das ist eine gesellschaftspolitisch wichtige Arbeit und alles andere als ein Hobby“, betont sie. Genau deshalb möchte sie die Auszeichnung auch für eine Forderung nutzen: „Die Projekte unseres Vereins füllen eine Lücke, die man eigentlich hauptamtlich abdecken müsste. Wir haben stets einen sehr professionellen Anspruch, aber die Kraft reicht nicht mehr aus.“ Aus diesem Grund wünsche sie sich eine Institutionalisierung der historischen Arbeit an der Schnittstelle zwischen Universität und Gesellschaft, zwischen Generationen, Sprachen und Ländern. Denn, und das wird überdeutlich im Gespräch: „Es gibt sehr viel zu tun und man muss jede neue Generation von Neuem erreichen.“ Der Frieden, die gute deutsch-polnische Zusammenarbeit und das zusammenwachsende Europa seien keine Selbstverständlichkeiten. Magdalena Abraham-Diefenbach betont: „Wir müssen daran arbeiten.“

(FA, Foto: Ministerium der Finanzen und für Europa des Landes Brandenburg)