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Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

„Ein wichtiges Projekt, an dem weitergearbeitet werden muss“ – verbuendungshaus fforst mit Europaurkunde ausgezeichnet

Das verbuendungshaus fforst wurde am Europatag, dem 9. Mai 2022, von Brandenburgs Europaministerin Katrin Lange mit einer Europaurkunde geehrt. Stellvertretend für das studentische Wohnprojekt nahm Inga Hengst die Auszeichnung bei einem Festakt in Potsdam entgegen. Über ihre gemischten Gefühle beim Gedanken an Europa und das Engagement im fforst erzählt sie hier.

Das bunte Haus mit der pinken Freiheitsstatue sei ihr gleich beim ersten Besuch in Frankfurt (Oder) aufgefallen, erzählt Inga Hengst. Im Oktober letzten Jahres ist sie nach Frankfurt (Oder) gezogen, um an der Viadrina Europäisches Wirtschaftsrecht zu studieren. Das verbuendungshaus fforst gefiel ihr auf Anhieb; Wohnprojekte kannte sie von besetzten Häusern und Kommunen im „Hippie-Spektrum“. „Hier überschneidet sich das alles mit der studentischen Nutzung“, beschreibt sie ihre ersten Eindrücke. Nur ein gutes halbes Jahr nach dem Einzug ist Inga Hengst im Vorstand des Vereins und in dieser Funktion am 9. Mai nach Potsdam gefahren, um die Europaurkunde von Brandenburgs Europaministerin Katrin Lange entgegenzunehmen.

fforst_europaurkunde_c_Anna Pröschild_Märkisches Medienhaus_600 ©Anna Pröschild / Märkisches Medienhaus

Feier der Europaurkunde am verbuendungshaus fforst, Inga Hengst schwenkt die Fahne auf dem Dach.
Foto: Anna Pröschild/Märkisches Medienhaus


Ausgezeichnet wird damit der Einsatz des verbuendungshaus fforst für ein europäisches Miteinander. Doch was macht dieses Miteinander aus? „Wir sind ein sehr interkulturelles Haus, bei uns leben Menschen aus 13 Nationen“, sagt Inga Hengst. „Wir leben hier interkulturellen Zusammenhalt an der Grenze und sind ein offener Lebensraum für junge Menschen.“ Diese Menschen leben nicht nur Tür an Tür, sie kochen und essen gemeinsam, lernen in der offenen Bibliothek, veranstalten Filmabende und Partys. 2006 war das Projekt aus einem Viadrina-Seminar heraus entstanden. Mit dem Ziel, Leerstand und Abriss etwas entgegenzusetzen und mit Unterstützung der Stadt übernahmen Studierende das eigentlich zum Abriss vorgesehene Haus der Wohnungswirtschaft in der Forststraße 3–4. Seitdem ist das fforst, wie es kurz heißt, nicht nur eine der ungewöhnlichsten Wohngemeinschaften, sondern auch ein etablierter Veranstaltungsort.

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Inga Hengst bei der Urkundenübergabe in Potsdam mit Europaministerin Katrin Lange (links).
Foto: MdFE


Auch wenn im fforst die europäische Idee im besten Sinne gelebt wird, ist für Inga Hengst Europa nicht nur positiv besetzt: „Ich kann das nicht ohne die Abschottungspolitik denken, nicht ohne die Menschen, die an der EU-Außengrenze erfrieren und die, die täglich im Mittelmeer ertrinken.“ Europa sei für sie ein wichtiges Projekt, an dem immer weitergearbeitet werden müsse. „Und genau das leben wir im fforst“, sagt sie. So wurde das Haus in den vergangenen Monaten zu einer zentralen Anlaufstelle für die Ukraine-Hilfe in Frankfurt (Oder). Ein Angebot von Schlafplätzen, das das verbuendungshaus noch am Tag des Angriffes von Russland auf die Ukraine bei Instagram gepostet hatte, war „total viral gegangen“. In den Wochen darauf wurden Sachspenden abgegeben, die russische und ukrainische Community traf sich im Haus, regelmäßig finden Filmabende statt und als neuestes Angebot soll nun immer mittwochs ein Sprachcafé stattfinden, bei dem Interessierte die ukrainische Sprache und Kultur lernen können. „Wir sprechen hier die Sprachen, sind für alle offen und haben den Raum“, bringt Inga Hengst auf den Punkt, warum das fforst für diese Aktionen prädestiniert ist – und es übrigens auch schon vor dem Krieg in der Ukraine für andere Geflüchtete war.

Die Europaurkunde sei eine nette Wertschätzung – für Inga Hengst vor allem wertvoll aufgrund der damit verbundenen Aufmerksamkeit. „Vielleicht ergeben sich dadurch neue Anknüpfungspunkte und Ideen für neue Projekte in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren an der Viadrina und in der Doppelstadt“, so ihre Hoffnung.
(FA)

Am gleichen Tag erhielt Dr. Magdalena Abraham-Diefenbach als Vorsitzende des Instituts für angewandte Geschichte eine Europaurkunde.