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Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

30 x Viadrina & ich: 30 x Viadrina & ich – „Forschung bedeutet Freiheit, Sinn und Struktur“

In der Reihe „30 x Viadrina & ich“ erzählt Management-Doktorand Yanis Hamdali, warum er als junger Gründer und Vertreter der Generation Y in der Forschung an der Viadrina den idealen Platz für sich gefunden hat. Anlässlich von 30 Jahren Europa-Universität berichten 30 Menschen – vom Erstsemester bis zur emeritierten Professorin – welche Rolle die Viadrina in ihrem Leben spielt. 

Es überrascht nicht, dass sich Yanis Hamdali für das Fotoshooting zu diesem Artikel einen Hörsaal aussucht. Für den Doktoranden vom Lehrstuhl für Internationales Management ist die Arbeit mit Studierenden wichtig. „Theorie muss nicht trocken sein“ ist er überzeugt, „sie soll vielmehr anregen, die Welt mit neuen Augen zu sehen“. Wer in seinen Veranstaltungen sitzt, muss nicht befürchten, Folien vorgelesen zu bekommen, sondern kann mitdiskutieren und sich einbringen. „Flipped Classroom“ nennt sich dieses Konzept, bei dem Inhalte im Videoformat vorproduziert und Sitzungen mit Studierenden vor allem für gemeinsame Reflexionen genutzt werden. Gemeinsam mit seiner Kollegin Elisa Lehrer vom Lehrstuhl für Management und Organisation wurde Hamdali dafür mit dem Lehrpreis der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ausgezeichnet – basierend auf den Bewertungen der Studierenden. „Das ist eine schöne Wertschätzung, die uns am Lehrstuhl antreibt, denn am Ende ist es immer eine Teamleistung“, sagt Hamdali.

Hamdali_Yanis_UV_4736 ©Heide Fest

Sieht große Potenziale an der Viadrina und ihrem Standort: Doktorand Yanis Hamdali                Foto: Heide Fest


Im Kopf hat der Wirtschaftswissenschaftler dabei auch den Einfluss, den seine Lehre erzielt. „Impact“ sagt er dazu und meint das, was bei den Studierenden hängenbleibt, worüber sie weiter nachdenken, woran sie in ihrer wissenschaftlichen und praktischen Arbeit anknüpfen. „Wir sprechen viel über den Impact unserer Forschung, aber es passiert auch viel durch die Lehre. Publikationen sind für den Impact unserer Forschung eine anerkannte Währung. Aber wie messen wir eigentlich den Impact, wenn wir 300 Studierenden einen Gedanken mit auf den Weg geben, der sie womöglich ihr ganzes Leben begleitet?“, fragt er sich. Er selbst zumindest erinnert sich an viele Thesen und Blickwinkel von Lehrenden, die ihn beeinflusst haben.

Gemeinsam mit seinem Doktorvater Prof. Dr. Albrecht Söllner teilt er das Ideal eines ganzheitlichen Studiums: „Wir wollen nicht auswendig lernende BWL-Studierende produzieren. Es ist auch Auftrag einer Universität, reflektierte Mitglieder unserer Gesellschaft hervorzubringen, die Verantwortung übernehmen und sich eine eigene, fundierte Meinung bilden können.“ Dazu gehören für ihn wissenschaftliche Diskussionen – „um gemeinsam Erkenntnisse zu generieren, nicht um gegeneinander zu spielen“. Zudem ist ihm ein Praxisbezug in der Lehre besonders wichtig, beispielsweise bei einem Seminar, in dem er mit Studierenden Smart-City-Ansätze für den Frankfurter Stadtteil Güldendorf erarbeitet oder indem er Teams bei der Corporate Campus Challenge in Heilbronn begleitet, bei der sie reale Herausforderungen von Unternehmen bearbeiten.

Auch seine Dissertation befasst sich mit theoretisch fundierten Blickwinkeln auf praxisrelevante Themen. So untersucht Hamdali unter anderem in einem Projekt mit einer großen Unternehmensberatung, wie dort „Zukünfte produziert“ werden. „Während es eigentlich unmöglich ist, die Zukunft exakt vorherzusagen, werden Beratungen doch angeheuert, um mögliche Bilder dessen, was kommen mag, zu entwickeln. Diesen Prozess nennen wir Produktion von glaubhaften Zukünften und wissen dabei doch: es kommt anders, als man denkt; und das immer wieder. Mich interessiert deshalb vor allem: Wie schaffen es die beteiligten Akteure trotzdem Zukünfte immer und immer wieder glaubhaft zu produzieren?“ So überzeugend wie Yanis Hamdali heute über seine Forschung und Lehre spricht, so offen war seine berufliche Zukunft noch, als er 2017 zum Masterstudium der Internationalen Betriebswirtschaftslehre an die Viadrina kam. Parallel arbeitete er in einem Start-Up, eine weitere Gründung fiel in seine Studienzeit. Mehrere Jahre Berufserfahrung in einem großen Konzern lagen bereits hinter ihm. Gleichzeitig entdeckte er aber auch sein Faible für die Wissenschaft während des Masterstudiums in Deutschland und Estland. „Für mich vereinen Forschung und Wissenschaft die Ansprüche unserer „Generation Y“, die sich nach sinnstiftender Beschäftigung, nach Freiheit, aber auch nach Sicherheit sehnt“, sagt er. Die Wissenschaft schaffe diesen Spagat: „Sie bietet Themen, die Sinn stiften und mich interessieren, und gibt mir dabei trotzdem eine Struktur, die vieles ermöglicht.“

Eine Struktur, die an der Viadrina für ihn genau die richtige Größe hat, mit kurzen Wegen und freundschaftlichen Beziehungen auch unter den Doktorandinnen und Doktoranden. Für die Region sieht Yanis Hamdali die Europa-Universität als Katalysator: „Sie lockt Leute an, die sonst vielleicht nicht kommen würden und sie dient als Aushängeschild. Ich finde das eine charmante Rolle, die die Uni einnehmen kann und sollte.“ Vor allem interessiert ihn die Wirkung der Forschung und Lehre an der Viadrina auf die Region. Angesichts der aktuellen politischen Entwicklung, der Ausdehnung der Metropole Berlin und der wirtschaftlichen Ansiedlungen sieht Hamdali Potenzial, auch für die Universität. Er ist überzeugt: „Wenn wir jetzt die Weichen richtig stellen, haben wir große Chancen.“

(FA)

Dieser Text ist der neunte Teil der Serie „30 x Viadrina & ich“.
Die bereits erschienenen Beiträge können hier nachgelesen werden.
In den nächsten Beiträgen erzählen Viadrina-Alumnus Sören Urbansky und Ewa Bielewicz-Polakowska vom Collegium Polonicum von ihren Erfahrungen. Die Texte erscheinen jeweils in der Rubrik „30 Jahre Viadrina“ im Viadrina-Logbuch.