Banner Viadrina

Wissenschaftliche Hilfskräfte

Liebe (zukünftige) WHKs an der Viadrina!

Die meisten von Ihnen sind als Studierende an der Europa-Universität Viadrina eingeschrieben und wollen sich neben dem Studium etwas dazuverdienen. Wenn Sie jetzt einen Vertrag als WHK abschließen, hat das aber möglicherweise jetzt schon Folgen für Ihre künftige Beschäftigungsdauer an einer wissenschaftlichen Einrichtung und ggf. auch für Ihren künftigen Verdienst. Darüber sollten Sie sich jetzt informieren!

Der Personalrat für das wissenschaftliche Personal möchte Ihnen durch den Gesetzes- und Paragraphendschungel helfen und hat einige für Sie wichtige Sachverhalte aufgelistet, über die Sie sich vor Ihrer Vertragsunterschrift klar werden sollten.

Informieren Sie sich jetzt!

Anrechnung von WHK-Zeiten auf die Qualifikationszeit bzw. Höchstbefristungsdauer in der Promotionsphase

Maßgeblich ist das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG). Dort ist festgelegt, welche besonderen Befristungsregeln im Hochschulbereich gelten.

Befristung von Arbeitsverträgen vor der Promotion

Wenn Sie nach dem Studium (Bachelor- oder Masterabschluss) eine Stelle an einer Hochschule als Akademische/r Mitarbeiter/in antreten, so können Sie befristete Arbeitsverträge bis zu einer Gesamtdauer von sechs Jahren erhalten. (Ausnahmeregelungen gelten bei Kinderbetreuung) Diese Zeit wird häufig als „erste Qualifikationsphase“ bezeichnet, deren Ziel in der Regel die Promotion ist.

Wichtig: Auf diese Höchstbefristungsdauer von sechs Jahren werden alle befristeten Arbeitsverhältnisse angerechnet, die Sie an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung zuvor hatten und in denen Sie mehr als 1/4 der regelmäßigen Arbeitszeit beschäftigt waren (im Land Brandenburg beträgt die reguläre Arbeitszeit derzeit 40 Stunden). Im Klartext bedeutet das, dass alle Zeiten der WHK-Verträge, deren Gesamtumfang 10 Wochenstunden Arbeitszeit übersteigt, auf die erste Qualifikationsphase angerechnet werden, die Höchstbefristungsdauer von eigentlich sechs Jahren also um diese Zeiten „gekürzt“ wird.

Daher empfiehlt der Personalrat, sich vor WHK-Vertragsabschluss mit dem Arbeitsgeber zusammenzusetzen (ggf. nach vorheriger Beratung durch den Personalrat), um zu klären, ob bspw. eine Streckung der WHK-Vertragsdauer bei einer Stundenreduzierung möglich wäre. So kann die Anrechnung von WHK-Zeiten auf mögliche Qualifikationszeiten verhindert werden.

Hier ein Beispiel, wie eine solche Streckung aussehen könnte:

  Tutoriumsvertrag
über 4 Monate; 14h, WHK (BA)
Tutoriumsvertrag
über 5 Monate; 9h, WHK (BA)
Arbeitgeberkosten pro Monat 765,26 EUR 527,94 EUR
Arbeitgeberkosten gesamt 3.061,04 EUR 2.111,76 EUR
     
Bruttogehalt pro Monat 641,59 EUR 412,45 EUR
Bruttogehalt gesamt 2.566,36 EUR 2.062,25 EUR
     
Nettogehalt pro Monat 512,15 EUR 412,45 EUR
Nettogehalt gesamt 2.048,60 EUR 2.062,25 EUR

Tarifliche Anerkennung von WHK-Zeiten als „einschlägige Berufserfahrung“ im Falle einer Beschäftigung an einer wissenschaftlichen Einrichtung nach Studienabschluss

Hintergrund: Alle Zeiten, die als „einschlägige Berufserfahrung“ gelten, wirken sich positiv auf die Gehaltseinstufung bei einer späteren Anstellung als Akademische/r Mitarbeiter/ aus.

Für Vorbeschäftigungen als WHK (nach BA-oder MA-Abschluss) – egal, ob an der gleichen Uni oder an einer anderen Universität oder Forschungseinrichtung – gilt dabei Folgendes:

Im Grundsatz wird diese Vorerfahrung nicht als „einschlägige Berufserfahrung“ bei der Gehaltseinstufung berücksichtigt.

Aber: Unter bestimmten Voraussetzungen müssen die WHK-Zeiten doch berücksichtigt werden und können somit zu einer höheren Gehaltsstufe führen. Dies ist der Fall, wenn die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit als WHK der Tätigkeit als Akademischer Mitarbeiter/in entspricht.

Das bedeutet: Wer als WHK bereits gelehrt und an seinem Promotionsprojekt gearbeitet oder an Forschungsprojekten mitgearbeitet hat, der sollte in jedem Fall beantragen, dass die WHK-Zeit bei der Gehalteinstufung berücksichtigt wird.

Der zeitliche Umfang des WHK-Vertrages spielt dabei keine Rolle! Es müssen auch WHK-Verträge über eine geringe Stundenzahl berücksichtigt werden, wenn in der Einzelfallprüfung festgestellt wird, dass die Tätigkeiten als WHK den Tätigkeiten eines/einer akademischen Mitarbeiters/in entsprochen haben.

Hierzu gibt es inzwischen ein hilfreiches Urteil des Bundesarbeitsgerichtes:
http://juris.bundesarbeitsgericht.de/zweitesformat/bag/2015/2015-01-06/6_AZR_571-12.pdf

WICHTIGER TIPP: Um nachzuweisen, dass die WHK-Tätigkeit den Tätigkeiten eines/einer Akademischen Mitarbeiters/in entsprochen hat, sollte man sich unbedingt ein entsprechendes Arbeitszeugnis ausstellen lassen, das detailliert die ausgeübten Tätigkeiten beschreibt. Der Personalrat berät auch hier gerne.

Hinweise:

1. SHK-Verträge werden im Gegensatz zu WHK-Verträgen nicht auf die Qualifikationszeit angerechnet. Sie werden auch nicht bei der Gehaltseinstufung berücksichtigt.

2. In der sogenannten. „Gleitzone“ (mtl. Einkommen zwischen 450,01€ und 850,00€) besteht die Option, voll sozialversicherungspflichtig beschäftigt zu werden. Wenn man nicht mehr studentisch versichert ist, ist dies ein großer Vorteil, da man dann über die WHK-Beschäftigung unter anderem in vollem Umfang krankenversichert ist.

Logo des Personalrats ©Personalrat für das Wissenschaftliche Personal der Viadrina