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Chief Information Officer (CIO)

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Richard Huber

Was sind die Aufgaben eines Chief Information Officer an einer Universität?

Eine Hochschule wie die Europa-Universität Viadrina benötigt leistungsfähige Forschungsdateninfrastrukturen, Forschungswerkzeuge, Lernmanagementsysteme, Kommunikationsportale und Hochschulverwaltungstechnologien in allen Bereichen von Lehre, Forschung und Verwaltung. Diese für den Einzelanwender oft undurchschaubaren Gesamtarchitekturen aus unterschiedlichen Soft- und Hardwaremodulen, Workflows, Schnittstellen, Datenströmen, Kooperationen und Serviceangeboten müssen an einer zentralen Stelle in der Hochschule konzipiert, zusammengeführt, koordiniert und in Strategien und Strukturen gegossen werden. Diese Aufgabe nimmt an der Europa-Universität Viadrina - wie auch an zahlreichen anderen Hochschulen in Deutschland - ein sogenannter Chief Information Officer (CIO), also ein zentraler IKT-Strategieverantwortlicher wahr.

Ich  fungiere dabei als Ansprechpartner und Koordinator in strategischen Fragen des zielgerichteten Auf- und Ausbaus der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) an der Hochschule sowie in weit verzweigten Netzwerken mit externen Partnern. Schwerpunkte meiner Arbeit an der Europa-Universität sind insbesondere:

Die Konzeption und der Aufbau von Forschungsdateninfrastrukturen und Werkzeugen zur Vereinfachung der Aufgaben von Forschenden, Lehrenden und Lernenden an der Europa-Universität Viadrina.

  • Die Beratung von Präsidium, Hochschullehrern, Mitarbeitern und Studierenden bei Fragen zu Projekten, Forschungsthemen und Werkzeugen der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)
  • Das Initiieren von themenspezifischen Arbeitsgruppen und Teams innerhalb der Universität
  • Die Koordination externer Verbünde mit anderen Hochschulen, im Rahmen derer die EUV Entwicklungs- und Strukturkompetenzen mitnutzen kann, über die sie selbst als kleine, nichttechnisch orientierte Universität nicht verfügt.
  • Die Ermittlung der Bedarfe von Mitarbeitern und Studierenden und das Erkennen von Schwachstellen der bestehenden Systeme und Prozesse (Risikoabschätzung).
  • Enge Zusammenarbeit mit dem Direktor des Informations-, Kommunikations- und Multimediazentrums (IKMZ) und der IKR Kommission in IKT-strategischen Planungen und Ressourcenfragen. 
  • Die Nutzung des über Jahre gewachsenen Netzwerks zu Akteuren im informationswissenschaftlichen Umfeld und zu Partnern in der universitären und der außeruniversitären Forschung.
  • Das Initiieren und Koordinieren von Veranstaltungen an der Schnittstelle von Geistes- zu Informationswissenschaften
  • Die Mitwirkung in Verbünden der Informatik (ZKI, DGI) und - als primärer Ansprechpartner - für externe Kooperationspartner auf informationswissenschaftlichen Gebieten

 

Was sind die speziellen Herausforderungen für den CIO an der Europa-Uni?

Förderquellen im informationswissenschaftlichen Umfeld

Die institutionelle Drittmittelförderung für Projekte und Verbünde in den Geisteswissenschaften liegt auf einem relativ niedrigen Niveau. So umfasste das Fördervolumen des Programmes „Cooperation“ im 7. Rahmenprogramm für Forschung und Innovation der Europäischen Union für die Jahre 2007-2013 Fördermittel in Höhe von ca. 623 Millionen Euro für die Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften bei einem Gesamtvolumen der Forschungsförderung dieses wichtigsten Programmes des 7. FRP von ca. 32,4 Mrd. Euro, also weniger als 2%. Im Vergleich dazu – für Informations- und Kommunikationstechnologien standen in diesem Programm 9,05 Mrd. Euro zur Verfügung, das ist mehr als das 14 Fache. Es erscheint vor diesem Hintergrund für eine fachlich herausragende geisteswissenschaftliche Hochschule wie die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) geradezu essentiell, Themenfelder an der Nahtstelle zwischen Geisteswissenschaften und den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKTT) zu besetzen, um zukünftig an den großen nationalen und internationalen Fördermöglichkeiten partizipieren zu können.  Hier zukunftsfähige Konzepte und Projektverbünde  zu gestalten und mit Leben zu erfüllen stellt eine der zentralen Herausforderungen meiner Arbeit als CIO der Europa-Uni dar.  

Projekte, Entwicklungen und das Besetzen von Forschungsgebieten an der Grenze zwischen Geistes- und Informationswissenschaften

Mit seinem Förderprogramm zu den eHumanities zeigt das Bundesministerium für Bildung und Forschung, wohin vielfältige Entwicklungen der nationalen wie auch der internationalen Forschung gehen. Das sich Aufeinander zu bewegen von Geisteswissenschaften und Informationswissenschaften/Informatik hat ganz unterschiedliche Beweggründe und Konzepte.

Einerseits können Portalstrukturen zur dezentralen Zusammenarbeit von Forschergruppen  (virtuelle Forschungsumgebungen) in Forschung und Lehre genutzt werden, andererseits gilt es, die vielfältigen Informationsinfrastrukturen zur Unterstützung von Wissenschaftlern und Studierenden sowie zu einem automatisierten Datamining großer Datensammlungen auf- und auszubauen. Unter diesen Gesichtspunkten stellt die  Informatik allerdings tendenziell eine Dienstleistung gegenüber den Geisteswissenschaften dar. Als viel breiter und mit einer großen, erst in Teilen erforschten wissenschaftlichen Tiefe zeichnet sich das Feld einer Verschmelzung von Denkmustern und Wissensmodellen zwischen den Geisteswissenschaften und den Informationswissenschaften, speziell der Informatik ab. Das zusammenführen von „interpretationsintensiven, hermeneutisch ausgerichteten Disziplinen (…)“ und Wissensmodellen (*1) mit den Methoden der Informatiker (eher eine Fragmentierung, Formalisierung und Standardisierung von Wissens- und Denkmodellen) kann langfristig zu gänzlich neuen und innovativen Forschungsfeldern führen. In der Symbiose der unterschiedlichen Denkmodelle liegt ein großes Forschungs- und Entwicklungspotential. Um in diesem Grenzbereich zwischen den Geisteswissenschaften und der Informatik schon heute spannende und wegweisende Forschungsgebiete abzustecken und vielfältige Wege in eine innovative Symbiose zwischen den Denkwelten vorzubereiten zielen wir auf weitreichende Kooperationen und Projekte mit technisch-informationswissenschaftlichen Fachbereichen und Lehrstühlen von regionalen Universitäten und Fachhochschulen ab. Zugute kommt mir dabei ein breites Netzwerk hin zu universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen im MINT Bereich. Hier fungiere ich als Ansprechpartner und Motor für Projekte und Forschungsideen und vermittle geeignete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Europa-Universität an externe Interessenten.

Verbesserung der Angebote für Studierende:

Der demographische Wandel in Deutschland wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu einer Abnahme der Studienanfänger in Deutschland führen. Wenn gleich die Hochschulforschung der  HIS  für Brandenburg bis 2025 Studierendenzahlen auf etwa dem heutigen Niveau erkennt, wird es im bundesweiten Wettbewerb der Universitäten um die „besten Köpfe“ eine zunehmende Konkurrenzsituation geben.

Um der Europa-Universität Viadrina in der absehbaren Konkurrenz zu anderen Universitätsstandorten um Studierende hervorragende Alleinstellungsmerkmale gerade in Hinblick auf IKT-Serviceangebote zu sichern, planen wir für die kommenden Jahre umfangreiche Erweiterungen der Infrastrukturen für Studierende. Eine erste Umfrage unter Studierenden hat uns hierzu vielfältige Wünsche und Anregungen und ein ganz neues Bild zu den Erwartungshorizonten heutiger Studierender vermittelt. 

Wie sieht die konkrete Arbeit des CIO aus?

Meine primär wichtigsten Aufgaben bestehen im Zuhören, in technischen Analyseprozessen und im Kommunizieren und Beraten – intern gegenüber Kollegen, Hochschullehrern, Mitarbeitern und Studierenden, extern mit potentiellen Projektpartnern, Gremien, Arbeitsgruppen, Fördergebern und Interessenten.

Es gilt, Lösungen für die mannigfaltigen Verbesserungspotentiale an der EUV zu finden, Projektanträge zu stellen, Menschen zu technologischen Werkzeugen und zu Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu überzeugen, Verbünde und Gruppen mit gemeinsamen Interessenslagen zusammenzubringen, Richtlinien und Regelungen zu kennen und daraus Veränderungsprozesse und Strategien zu entwickeln  und mit Lösungsvorschlägen oder mit fachlich-technischer Expertise auf Bedarfe und Engpässe zu reagieren.

Wie ist der CIO in die Uni eingebunden?

Gemäß den Empfehlungen der DFG  (Informationsverarbeitung an Hochschulen – Organisation, Dienste und Empfehlungen, Empfehlungen der  Kommission für IT-Infrastruktur 2011-2015) (zu finden hier ) sollte die Einordnung des CIO innerhalb der Hochschulorganisation mit direkter Anbindung an die Hochschulleitung (Präsidium) erfolgen. Eine Zuordnung zum Präsidium der Viadrina mit der Rolle eines „ständigen Gastes“ macht dabei insbesondere Sinn, um einerseits neue EUV-spezifische Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) an die Universitätsleitung anzubinden und um andererseits einen kontinuierlichen Informationsfluss zu den technischen Fortschritten, Projekten und zu Möglichkeiten einer Forschungsunterstützung durch wissenschaftliche Informationsinfrastrukturen zu erzielen.

Wer ist die Person hinter der Rolle des Chief Information Officers?

Mein Name ist Richard Huber. 1965 in München geboren und dort aufgewachsen bin ich seit mehr als 20 Jahren im Großraum Berlin beheimatet. Studium des Maschinenbaus in München und der Technischen Informatik in Berlin, Abschluss Diplom. Nach verschiedenen beruflichen Stationen u.a. in der Softwareindustrie (Telekommunikation) und an einem Leibniz Institut (Fachinformationszentrum Chemie) kam ich im November 2011 an die Europa-Universität Viadrina in der Rolle des CIO. Ich bin verheiratet, habe eine 11 jährige Tochter (Stand 2013) und wohne im Norden Berlins (OHV).

Im Fokus all meiner Aktivitäten und Kooperationsideen steht immer der Mensch in all seinen Farben und Facetten. Ich habe eine grundsätzlich analytische Herangehensweise an Menschen, Projekte und Inhalte. Ich suche immer schon nach einem ganzheitlichen Weltbild und nach einem tiefen Verständnis für Zusammenhänge. In meiner Freizeit dienen mir die Gartenarbeit und die Beschäftigung mit meiner Tochter zu einem raschen Ausspannen von den Herausforderungen des Tagesgeschäftes. Darüber hinaus fröne ich dem Sammeln von Mineralien und Fossilien, der Malerei, der Sprache und der Dichtkunst.

Wie erreiche ich den CIO?

Ich habe keine expliziten Sprechzeiten, aber meine Tür im Hauptgebäude, in Raum HG002 steht immer und jedem Interessierten offen, wenn ich nicht in Meetings oder zu Terminen im Haus oder bei Partnern außerhalb unterwegs bin.

Ich bin telefonisch unter der Nummer 0335-5534 2558 oder via E-Mail (huber[at]europa-uni.de) zu erreichen.

Alternativ freue ich mich über Ihre Kontaktaufnahme bei Xing (https://www.xing.com/profiles/Richard_Huber4 ), wo Sie weitere Informationen zu mir und meinen Aktivitäten finden können.

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(*1): Zitat aus Artikel „Feindliche Übernahme – Die Geisteswissenschaften wehren sich gegen falsche Ansprüche der Informatik, aber setzen auf die „Digital Humanities“ – von Jan Röhnert, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 19.7.2013“