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Ordnung für die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang ausländischer und staatenloser Studienbewerber

Aufgrund von § 84 Abs. 1, Ziff. 5 in Verbindung mit § 15 Abs. 1 des Gesetzes über die Hochschulen des Landes Brandenburg (Brandenburgisches Hochschulgesetz) vom 24. Juni 1991 (GVBl. S. 156) in der Fassung vom 22. Mai 1996 (GVBl. I, S. 173) sowie auf der Grundlage der Rahmenordnung für die „Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang ausländischer Studienbewerber (DSH)", hat der Senat der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) die nachstehende Prüfungsordnung beschlossen:

Ordnung für die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang ausländischer und staatenloser Studienbewerber (DSH) der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Vom 13. November 1996

Die in dieser Ordnung verwendeten Funktionsbezeichnungen (Prüfungsvorsitzender, Studienbewerber u.a.) gelten für Männer und Frauen gleichermaßen.

Inhalt

A. Allgemeine Prüfungsbestimmungen

§ 1 Anwendungsbereich
§ 2 Zweck der Prüfung
§ 3 Zulassung zur Prüfung
§ 4 Gliederung der Prüfung
§ 5 Bewertung der Prüfungsleistung und Gesamtergebnis
§ 6 Wiederholung der Prüfung
§ 7 Versäumnis, Rücktritt, Täuschung, Ordnungsverstoß
§ 8 Prüfungsvorsitz, Prüfungskommission
§ 9 Bekanntgabe der Ergebnisse und Einsicht in die Prüfungsunterlagen

B. Besondere Prüfungsbestimmungen

§ 10 Schriftliche Prüfung
§ 11 Mündliche Prüfung
§ 12 Inkrafttreten

A. Allgemeine Prüfungsbestimmungen

§ 1
Anwendungsbereich

(1) Ausländische und staatenlose Studienbewerber haben vor Aufnahme des Studiums ausreichende deutsche Sprachkenntnisse nachzuweisen. Der Nachweis erfolgt durch die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang ausländischer und staatenloser Studienbewerber (DSH).

(2) Von der Prüfung freigestellt sind Studienbewerber,

a) die die zur Aufnahme eines Studiums erforderlichen Sprachkenntnisse im Rahmen eines Schulabschlusses nachweisen, der einer deutschen Hochschulzugangsberechtigung entspricht,
b) die das Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz Stufe II besitzen,
c) die das "Kleine Deutsche Sprachdiplom" oder das "Große Deutsche Sprachdiplom", verliehen vom Goethe-Institut im Auftrag der Ludwig-Maximilians-Universität zu München, besitzen,
d) die die Zentrale Oberstufenprüfung (ZOP) des Goethe Instituts im Inland bzw. im Ausland (unter fachlicher Verantwortung des Goethe-Instituts) bestanden haben,
e) die eine deutschsprachige Hochschule erfolgreich absolviert haben,
f) die die „Deutsche Sprachprüfung" unter organisatorischer und inhaltlicher Verantwortung eines Studienkollegs oder eines Lehrgebietes Deutsch als Fremdsprache einer deutschen Hochschule an einer ausländischen Hochschule bestanden haben.

(3) Der Prüfungsvorsitzende kann auf Antrag von der Sprachprüfung befreien, sofern Nachweise über deutsche Sprachkenntnisse vorgelegt werden, die denen in Absatz 2 gleichwertig sind. Eine Befreiung kann mit der Auflage verbunden werden, durch den Besuch studienbegleitender Sprachlehrveranstaltungen die fachsprachliche Kompetenz zu erweitern.

§ 2
Zweck der Prüfung

Durch die Prüfung sollen die ausländischen Studienbewerber nachweisen, daß sie in allgemeinsprachlicher wie auch in wissenschaftssprachlicher Hinsicht befähigt sind, das geplante Fachstudium aufzunehmen. Sie müssen in der Lage sein, auf die Studiensituation bezogene mündlich und schriftlich dargebotene Texte zu verstehen, zu bearbeiten sowie entsprechende Texte selbst zu verfassen.

§ 3
Zulassung zur Prüfung

(1) Zur Deutschen Sprachprüfung (DSH) werden ausländische und staatenlose Studienbewerber zugelassen, die an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) die Zuteilung eines Studienplatzes beantragt haben und bei denen die Erteilung eines endgültigen Zulassungsbescheides ausschließlich von dem noch zu erbringenden Nachweis ausreichender deutscher Sprachkenntnisse abhängig ist.

(2) Zur Deutschen Sprachprüfung wird nicht zugelassen, wer an einer anderen Hochschule oder an einem Studienkolleg die Deutsche Sprachprüfung endgültig nicht bestanden hat.

§ 4
Gliederung der Prüfung

(1) Die Prüfung besteht aus drei schriftlichen Teilprüfungen und einer mündlichen Teilprüfung. Die schriftlichen Teilprüfungen finden vor der mündlichen Teilprüfung statt.

(2) Von der mündlichen Prüfung kann abgesehen werden, wenn bereits bei den schriftlichen Teilprüfungen die erforderlichen Leistungen für das Bestehen der Gesamtprüfung erbracht worden sind. Von der mündlichen Prüfung ist abzusehen, wenn das Ergebnis der schriftlichen Teilprüfungen das Bestehen der Gesamtprüfung entsprechend § 5 Abs. 1 und 2 ausschließt.

§ 5
Bewertung der Prüfungsleistung und Gesamtergebnis

(1) Die mündliche Teilprüfung und die schriftlichen Teilprüfungen sind bestanden, wenn jeweils mindestens zwei Drittel der festgelegten Anforderungen erfüllt sind.

(2) Ist mehr als eine schriftliche Teilprüfung nicht bestanden, so gilt die Gesamtprüfung als nicht bestanden.

(3) Über die mündliche Teilprüfung wird ein Protokoll angefertigt.

(4) Das Ergebnis der Prüfung lautet "bestanden" oder "nicht bestanden".

(5) Über die bestandene Prüfung wird ein Zeugnis ausgestellt. Das Zeugnis enthält den Vermerk, daß der angewendeten DSH-Prüfungsordnung die Rahmenordnung vom 2. Juni 1995 zugrunde liegt.

§ 6
Wiederholung der Prüfung

(1) Die Deutsche Sprachprüfung kann grundsätzlich einmal wiederholt werden. In begründeten Ausnahmefällen, über die der Prüfungsvorsitzende entscheidet, kann eine zweite Wiederholungsmöglichkeit gewährt werden. Jede an einer Hochschule/an einem Studienkolleg nicht bestandene Sprachprüfung ist dabei anzurechnen.

(2) Die Deutsche Sprachprüfung soll frühestens nach einem Semester wiederholt werden, sofern der Prüfungsvorsitzende nicht ausdrücklich einen anderen Termin festsetzt.

§ 7
Versäumnis, Rücktritt, Täuschung, Ordnungsverstoß

(1) Eine Prüfungsleistung gilt als mit „nicht ausreichend" bewertet, wenn der Kandidat einen Prüfungstermin ohne triftige Gründe versäumt oder wenn er nach Beginn der Prüfung ohne triftige Gründe von der Prüfung zurücktritt. Dasselbe gilt, wenn eine schriftliche Prüfungsleistung nicht innerhalb der vorgegebenen Bearbeitungszeit erbracht wird.

(2) Die für den Rücktritt oder das Versäumnis geltend gemachten Gründe müssen der Prüfungskommission unverzüglich schriftlich angezeigt und glaubhaft gemacht werden. Bei Krankheit des Kandidaten kann die Vorlage eines ärztlichen Attestes und in Zweifelsfällen eines amtsärztlichen Attestes verlangt werden. Werden die Gründe anerkannt, so wird ein neuer Termin anberaumt. Die bereits vorliegenden Prüfungsergebnisse sind in diesem Falle anzurechnen.

(3) Versucht der Kandidat, das Ergebnis seiner Prüfungsleistungen durch Täuschung oder Benutzung nicht zugelassener Hilsmittel zu beeinflussen, gilt die betreffende Prüfungsleistung als mit „nicht bestanden" bewertet. Ein Kandidat, der den ordnungsgemäßen Ablauf der Prüfung stört, kann von dem jeweiligen Prüfer oder Aufsichtsführenden von der Fortsetzung der Prüfungsleistung - ausgeschlossen werden; in diesem Fall gilt die betreffende Prüfungsleistung als mit „nicht bestanden" bewertet. In schwerwiegenden Fällen kann die Prüfungskommisson den Kandidaten von der Erbringung weiterer Prüfungsleistungen ausschließen.

(4) Der Kandidat kann binnen eines Monats verlangen, daß die Entscheidungen von der Prüfungskommission überprüft werden. Belastende Entscheidungen sind dem Kandidaten unmittelbar schriftlich mitzuteilen, zu begründen und mit einer Rechtsbehelfsbelehrung zu versehen.

§ 8
Prüfungsvorsitz, Prüfungskommission

(1) Für die ordnungsgemäße Durchführung der Deutschen Sprachprüfung ist ein Prüfungsvorsitzender verantwortlich. Dieser wird vom Rektorat bestellt. In der Regel ist dies der geschäftsführende Leiter des Sprachenzentrums.

(2) Der Prüfungsvorsitzende beruft und koordiniert eine Prüfungskommission - ggf. mehrere Prüfungskommissionen -, die sich mindestens aus zwei Prüfern, von denen mindestens einer hauptamtliche Lehrkraft des Lehrgebietes „Deutsch als Fremdsprache" ist, zusammensetzt.

(3) Der Prüfungskommission, vor der die mündliche Prüfung abgelegt wird, soll ein Vertreter des Studienfaches bzw. Fachbereichs, in dem der Kandidat sein Studium aufzunehmen beabsichtigt, angehören.

§ 9
Bekanntgabe der Ergebnisse und Einsicht in die Prüfungsunterlagen

(1) Die Ergebnisse sind den Kandidaten unmittelbar bekanntzugeben oder öffentlich bekanntzugeben.
Gegen die Entscheidung der Prüfungskommission kann binnen eines Monats nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Gesamtprüfung beim Rektor der Europa-Universität Viadrina Widerspruch eingelegt werden.

(2) Jeder Kandidat kann seine Prüfungsunterlagen einsehen, sobald alle Ergebnisse vorliegen.

B. Besondere Prüfungsbestimmungen

§ 10
Schriftliche Prüfung

(1) Die schriftliche Prüfung umfaßt drei Teilprüfungen mit folgenden Aufgabenbereichen:

  • Verstehen und Verarbeiten eines Hörtextes
  • Verstehen und Verarbeiten eines Lesetextes
  • Vorgabenorientierte Textproduktion
  • Verstehen und Bearbeiten wissenschaftssprachlicher Strukturen.

(2) Die schriftliche Prüfung dauert 4 Zeitstunden.

(3) In allen Teilprüfungen können einsprachige Wörterbücher benutzt werden.

(4) Die Teilprüfungen gestalten sich wie folgt:

1. Verstehen und Verarbeiten eines Hörtextes
Die Kandidaten sollen zeigen, daß sie Vorlesungen und Vorträgen aus dem wissenschaftlichen Bereich mit Verständnis folgen, sinnvoll Notizen dazu anfertigen und damit arbeiten können.

a) Art und Umfang des Textes
Es soll ein Text zugrunde gelegt werden, welcher der Kommunikationssituation Vorlesung angemessen Rechnung trägt. Der Text setzt keine Fachkenntnisse voraus, ggf. nur solche, die Gegenstand eines vorausgegangenen fachspezifisch orientierten Unterrichts waren.
Der Hörtext soll je nach Redundanz im Umfang einem schriftlichen Text von nicht weniger als 50 und nicht mehr als 100 Zeilen zu 60 Anschlägen entsprechen.

b) Durchführung
Der Text wird nicht öfter als zweimal präsentiert. Dabei dürfen Notizen gemacht werden. Dem Text entsprechend ist die Angabe von Namen, Daten und schwierigen Fachausdrücken oder die Veranschaulichung durch nichtsprachliche Darstellungsmittel (Grafiken, Diagramme; Bilder) zulässig.

c) Dauer der Teilprüfung
Bearbeitungszeit etwa 75 Minuten (je nach Aufgabenstellung)

d) Aufgabenstellung
Die Überprüfung kann durch verschiedene Aufgabenstellungen, wie Strukturskizze, Resümee, Wiedergabe des Gedankenganges, Beantwortung von Fragen, Textwiedergabe, erfolgen. Die Art der Aufgabenstellung ist abhängig von der speziellen Struktur des Textes. Mischformen sind zulässig.

e) Bewertung
Die Leistung ist nach Vollständigkeit und Angemessenheit der Erfüllung der gestellten Aufgabe zu bewerten. Dabei sind inhaltliche Aspekte stärker zu berücksichtigen als sprachliche Korrektheit.

2. Verstehen und Verarbeiten eines Lesetextes
Die Kandidaten sollen zeigen, daß sie die wesentlichen Inhaltsmomente eines schriftlich vorgelegten Textes verstehen und verarbeiten können.

a) Art und Umfang des Textes
Es soll sich um einen weitgehend authentischen Text handeln, der die für wissenschaftliche Texte charakteristischen Strukturen enthält und sich inhaltlich an wissenschaftlichen Fragestellungen orientiert, ohne jedoch spezielle Fachkenntnisse vorauszusetzen. Eine Bearbeitung des Textes ist zulässig.
Der Lesetext soll einen Umfang von 700 bis 900 Wörtern haben.

b) Dauer der Teilprüfung
etwa 90 Minuten (je nach Aufgabenstellung)

c) Aufgabenstellung
Das Verständnis kann durch Beantwortung von Fragen zum Textinhalt, Erläuterung von Textstellen, durch Zusammenfassung, Gliederung, Formulieren von Überschriften usw. überprüft werden.

d) Bewertung
Die Leistung ist nach Vollständigkeit und Angemessenheit der Aufgabenstellung zu bewerten. Dabei sind inhaltliche Aspekte grundsätzlich stärker zu berücksichtigen als sprachliche Korrektheit.

3. Vorgabenorientierte Textproduktion
Die Kandidaten sollen nachweisen, daß sie in der Lage sind, sich selbständig und zusammenhängend zu einem an Vorgaben gebundenen Thema schriftlich zu äußern.

a) Aufgabenstellung
Die Textproduktion kann erklärender, vergleichender oder kommentierender Art sein; sie kann auch die sprachliche Umsetzung von Grafiken, Schaubildern, Diagrammen zum Gegenstand haben.
Dabei kann gewählt werden zwischen Aufgaben, die in einem inhaltlichen Zusammenhang mit den anderen Prüfungsteilen stehen.

b) Dauer der Teilprüfung
etwa 75 Minuten (je nach Art der Aufgabenstellung)

c) Bewertung
Zu bewerten sind neben inhaltlichen Aspekten (Textaufbau und Kohärenz) vor allem sprachliche Aspekte.

§ 11
Mündliche Prüfung

(1) In der mündlichen Prüfung sollen die Kandidaten nachweisen, daß sie imstande sind, allgemeinverständliche Sachverhalte aus dem wissenschaftlichen Bereich zu erfassen und diese zu referieren bzw. zu kommentieren. Außerdem sollen die Kandidaten nachweisen, daß sie in der Lage sind, in einem Gespräch über studienrelevante Sachverhalte angemessen zu reagieren. Es können entsprechende Texte, Graphiken, Schaubilder zugrunde gelegt werden.

(2) Die Vorbereitungszeit beträgt 20 Minuten.

(3) Die mündliche Prüfung dauert ca. 20 Minuten.

(4) Bewertet werden die allgemeine Gesprächsfähigkeit (Aufgaben-, Fragenverständnis, angemessenes Reagieren) sowie die Fähigkeit, Sachverhalte korrekt und verständlich darzustellen.

§ 12
Inkrafttreten

(1) Diese Prüfungsordnung tritt am Tage nach der Veröffentlichung in den „Amtlichen Bekanntmachungen der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)" in Kraft.
Zugleich tritt die Ordnung für die Prüfung zum Nachweis deutscher Sprachkenntnisse in der Fassung vom 13. Oktober 1993 außer Kraft.

(2) Prüfungsverfahren, die vor Inkrafttreten dieser Prüfungsordnung begonnen wurden, werden nach der Prüfungsordnung abgehalten, die der ersten Prüfung zugrunde lag.

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat seine Genehmigung mit Erlaß vom 23.01.1997, Az.: 2550-11/002, erteilt.