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Eignungsprüfungsordnung für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung

Aufgrund von § 8 Abs. 3 der Verordnung über den Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung vom 16. Dezember 1992 (GVBl. II, S. 2) hat der Senat der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) folgende Eignungsprüfungsordnung erlassen:

Eignungsprüfungsordnung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung

Vom 5. Juni 1996

Inhalt

Präambel
§ 1 Ziel und Zweck der Prüfung
§ 2 Verfahren
§ 3 Zulassung zur Eignungsprüfung
§ 4 Abgabe- und Prüfungstermine
§ 5 Probesemester
§ 6 Prüfer
§ 7 Art und Umfang der Prüfungen
§ 8 Prüfungsinhalte
§ 9 Bewertung
§ 10 Wiederholungsmöglichkeiten
§ 11 Einsicht in Prüfungsakten, Versäumnis, Rücktritt, Täuschung, Ordnungsverstoß
§ 12 Inkrafttreten

Präambel

Alle Personen- und Funktionsbezeichnungen in dieser Ordnung gelten für Männer und Frauen in gleicher Weise.

§ 1
Ziel und Zweck der Prüfung

(1) Die Teilnahme an einer fachrichtungsbezogenen Eignungsprüfung ermöglicht Studienbewerbern, die nicht über eine zur Hochschulreife führende Schulbildung verfügen, die für das Studium erforderliche Qualifikation in anderer Form nachzuweisen.

(2) Studienbewerber, die die fachrichtungsbezogene Eignungsprüfung bestanden haben, erwerben die Berechtigung zur Aufnahme des Studiums.
Diese Studienberechtigung gilt für gleiche Studiengänge an allen Hochschulen des Landes Brandenburg.

§ 2
Verfahren

Das Prüfungsverfahren wird auf der Grundlage der „Verordnung über den Hochschulzugang für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung" vom 16. Dezember 1992 (GVBl. II, S. 2) - im folgenden: Hochschulzugangsverordnung - und nach Maßgabe dieser Ordnung durchgeführt.

§ 3
Zulassung zur Eignungsprüfung

(1) Zur Eignungsprüfung kann zugelassen werden, wer

a) das 24. Lebensjahr vollendet hat
und
den Abschluß der Sekundarstufe I, einen entsprechenden Abschluß oder den Abschluß einer für das beabsichtigte Studium geeigneten Berufsausbildung nachweisen kann
und
danach eine mehrjährige Berufserfahrung erworben hat
oder
b) die Meisterprüfung in einem für das beabsichtigte Studium geeigneten Beruf erfolgreich abgelegt hat.

(2) Die Zulassung ist schriftlich bei der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) zu beantragen. In dem Antrag sind der angestrebte Studiengang, ggf. die Studienrichtung und der angestrebte Abschluß anzugeben.

Dem Antrag sind beizufügen:

  1. der Nachweis über die Vollendung des 24. Lebensjahres,
  2. eine ausführliche Darstellung der bisherigen schulischen und beruflichen oder beruflichen Ausbildung,
  3. beglaubigte Kopien der Zeugnisse über die schulische und berufliche oder die berufliche Ausbildung,
  4. beglaubigte Kopien der Bescheinigungen über Art, Dauer und Ort der mehrjährigen beruflichen Tätigkeit sowie ggf. über die Teilnahme an beruflichen Fortbildungsmaßnahmen und
  5. eine Erklärung, ob und für welchen Studiengang der Studienbewerber bereits früher bei dieser oder einer anderen Hochschule einen Antrag auf Zulassung zur fachrichtungsbezogenen Eignungsprüfung gestellt hat und ob eine derartige Prüfung bereits versucht oder bestanden wurde.

(3) Über die Zulassung zur Eignungsprüfung entscheidet eine gemäß § 5 der Hochschulzugangsverordnung zu bildende Kommission.

§ 4
Abgabe- und Prüfungstermine

(1) Anträge auf Zulassung zu einer Eignungsprüfung sind

  • für das nächstfolgende Wintersemester bis zum 15. April des betreffenden Jahres
    und
  • für das nächstfolgende Sommersemester bis zum 15. Oktober des vorausgehenden Jahres zu stellen.

(2) Eignungsprüfungen finden i.d.R. in den Monaten

  • Mai (für das Wintersemester)
    und
  • November (für das Sommersemester)

statt.

Die genauen Termine sind den Bewerbern mindestens zwei Wochen vorher bekanntzugeben.

§ 5
Probesemester

(1) Vor dem Ablegen der fachrichtungsbezogenen Eignungsprüfung können Bewerber ein Probesemester als Gasthörer absolvieren. Von den Teilnehmern werden in diesem Fall keine Gebühren erhoben.

(2) In dem Fall von Abs. 1 sind der Antrag auf Zulassung als Gasthörer und der Antrag auf Zulassung zur fachrichtungsbezogenen Eignungsprüfung gleichzeitig zu stellen.

§ 6
Prüfer

(1) Der nach Maßgabe der einschlägigen Prüfungsordnungen bestehende Prüfungsausschuß bestellt die Prüfer. Zu Prüfern dürfen nur Personen bestellt werden, die im jeweiligen Studiengang eine Lehrtätigkeit ausüben.

(2) Soweit aufgrund der Eigenart eines Studienganges ein Prüfungsausschuß nicht gebildet wurde, werden dessen Aufgaben durch den Dekan und Prodekan der betreffenden Fakultät gemeinsam wahrgenommen.

(3) Die Prüfung wird von zwei Prüfern abgenommen, von denen mindestens einer Professor ist.

§ 7
Art und Umfang der Prüfungen

(1) Die Eignungsprüfung erfolgt für einen von den Studienbewerbern im Zulassungsantrag benannten Studiengang. Zur Wahl stehen die an der Europa-Universität Viadrina angebotenen Studiengänge.

(2) Die Eignungsprüfung besteht aus

  • einer zweistündigen (120 min) Klausur
    und
  • einer mündlichen Prüfung (Einzelprüfung) von mindestens 20 Minuten Dauer.

(3) Über den Verlauf und das Ergebnis der Eignungsprüfung ist ein Protokoll anzufertigen.

§ 8
Prüfungsinhalte

(1) Für den durch die Kulturwissenschaftliche Fakultät angebotenen Studiengang wird die Eignungsprüfung wie folgt durchgeführt:

a) Schriftliche Prüfung
Dem Bewerber werden drei Texte mit einem Umfang von ca. einer DIN A 4-Seite aus drei Disziplinen (Linguistik / Literaturwissenschaft, Kulturgeschichte, Sozialwissenschaften/Kulturphilosophie) vorgelegt, die in allgemein verständlicher Sprache eine fachrelevante Fragestellung enthalten. Der Bewerber wählt einen Text aus und interpretiert diesen. Mit der Interpretation soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, die Fragestellung und die sachbezogenen Zusammenhänge, die der Text behandelt, zu erkennen und in angemessener Weise schriftlich darzustellen.

b) Mündliche Prüfung
Gegenstand der mündlichen Prüfung sind die beiden anderen, für die Klausur nicht gewählten Texte, über die ein Prüfungsgespräch mit den beiden Prüfern durchgeführt wird. In dem Gespräch soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, die fachrelevanten Fragestellungen und die sachbezogenen Zusammenhänge, die die Texte behandeln, zu erkennen.

(2) Für die durch die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät angebotenen Studiengänge gestaltet sich die Eignungsprüfung wie folgt:

a) Schriftliche Prüfung
Die schriftliche Prüfung besteht aus drei Teilen:
Teil 1: Mathematische Grundlagen der Wirtschaftswissenschaften (60 min)
(Elementarmathematik:Gleichungen,Ungleichungen, Bruchrechnung, Potenzen, Logarithmen, Geometrie, grafische Darstellung von Funktionen, Logik, Kombinatorik; höhere Mathematik: Kurvendiskussion, Differentation und Integration von Funktionen)
Teil 2: Übersetzung eines englischsprachigen wirtschaftswissenschaftlichen Textes (30 min)
Teil 3: Schriftliche Interpretation eines wirtschaftlichen oder wirtschaftspolitischen Themas (30 min)

Die Klausur ist vor der mündlichen Prüfung abzulegen.

b) Mündliche Prüfung
Es wird ein Prüfungsgespräch mit folgenden Rahmenthemen durchgeführt:

  • Planung und Produktion im Betrieb,
  • Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen,
  • Entscheidungsprozesse in Unternehmungen,
  • volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen für betriebliches Handeln,
  • aktuelle wirtschaftspolitische Fragen der Europäischen Union.

Die sprachliche Darstellung wird berücksichtigt.

(3) Für den durch die Juristische Fakultät angebotenen Studiengang gestaltet sich die Eignungsprüfung wie folgt:

a) Schriftliche Prüfung
In der Klausur hat der Bewerber sich im einzelnen mit einem Text auseinanderzusetzen, den er aus zwei vorgegebenen Vorschlägen zu einem kontrovers diskutierten Thema auswählen kann. Bewertet wird die Fähigkeit des Bewerbers, die Probleme zu erfassen, sich inhaltlich mit den Pro- und Contra-Argumenten zu beschäftigen und die eigenen Gedanken logisch, sachlich und sprachlich überzeugend zu formulieren.

b) Mündliche Prüfung
In der mündlichen Prüfung soll der Bewerber einen mindestens 10-minütigen Vortrag zu einem von ihm selbst gewählten, aktuellen Thema halten, durch den er nachweist, welche Kenntnisse und Fähigkeiten er aufgrund seiner bisherigen beruflichen Erfahrung für das juristische Studium mitbringt.
Im Anschluß hieran findet eine ebenfalls mindestens 10-minütige Diskussion mit den beiden Prüfern statt. Bewertet wird, inwieweit der Bewerber in der Lage ist, den eigenen Gedankengang klar und schlüssig darzulegen, seinen Standpunkt sprachlich gewandt zum Ausdruck zu bringen und in der Sache überzeugend zu verteidigen sowie ob er das für das Studium erforderliche Mindestmaß an Allgemeinbildung mitbringt, wie man es auch von einem Abiturienten erwarten könnte.

Rechtskenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

§ 9
Bewertung

(1) Die Noten für die einzelnen Prüfungsleistungen werden von den jeweiligen Prüfern festgesetzt. Für die Bewertung der Prüfungsleistung gelten die Festlegungen in den Prüfungsordnungen sinngemäß.

(2) Das Gesamtergebnis der Eignungsprüfung wird in Form einer Durchschnittsnote aus den Noten aller Teilprüfungsleistungen ermittelt. Dabei wird nur die erste Dezimalstelle hinter dem Komma berücksichtigt; alle weiteren Stellen werden ohne Rundung gestrichen.

(3) In Abweichung von Abs. 2 ergibt sich die Gesamtnote der Eignungsprüfungen für die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge als gewichtetes Mittel aller Leistungen, wobei die schriftliche und mündliche Prüfung im Verhältnis zwei zu eins gewertet werden. In der Klausurnote werden die einzelnen Teile nach ihrem zeitlichen Umfang berücksichtigt.

(4) Die fachrichtungsbezogene Eignungsprüfung ist bestanden, wenn sowohl die Klausur als auch die mündliche Prüfung jeweils mindestens mit „ausreichend" bewertet werden.

(5) Über das Ergebnis der Eignungsprüfung erteilt der Prüfungsausschuß einen Bescheid, der mit einer Rechtsbehelfsbelehrung zu versehen ist. Im Falle des Bestehens enthält er die Angabe, für welchen Studiengang die Studienberechtigung erworben wurde; im Falle des Nichtbestehens sind Angaben über Wiederholungsmöglichkeiten zu machen.

(6) Der Prüfungsausschuß hat sicherzustellen, daß die Bekanntgabe der Ergebnisse rechtzeitig vor Ablauf der Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Studiengänge erfolgt.

§ 10
Wiederholungsmöglichkeiten

(1) Der Antrag auf Zulassung zur fachrichtungsbezogenen Eignungsprüfung kann bei Ablehnung einmal wiederholt werden.

(2) Eine nichtbestandene Eignungsprüfung kann einmal wiederholt werden.

(3) Teilprüfungen können nicht wiederholt werden.

§ 11
Einsicht in die Prüfungsakten, Versäumnis, Rücktritt, Täuschung, Ordnungsverstoß

(1) Nach Abschluß des Prüfungsverfahrens hat der Bewerber die Möglichkeit, die Prüfungsakten einzusehen.

(2) Bei Versäumnis, Rücktritt, Täuschung oder Ordnungsverstoß finden die entsprechenden Bestimmungen der einschlägigen Prüfungsordnungen Anwendung

§ 12
Inkrafttreten

Diese Ordnung tritt am Tage nach ihrer Veröffentlichung in den „Amtlichen Bekanntmachungen der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)" in Kraft.

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat seine Genehmigung mit Erlaß vom 5. Dezember 1996, Az.: 2550-03/002, erteilt.