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Magisterprüfungsordnung für die Juristische Fakultät

Aufgrund von § 91 Abs. 1, Ziff. 1 in Verbindung mit § 15 Abs. 1 des Gesetzes über die Hochschulen des Landes Brandenburg (Brandenburgisches Hochschulgesetz) vom 24. Juni 1991 (GVBl. S. 156) in der Fassung vom 16. Oktober 1992 (GVBl. I, S. 422) hat der Fakultätsrat der Fakultät für Rechtswissenschaften der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) die folgende Magisterprüfungsordnung erlassen:

Magisterprüfungsordnung für die Juristische Fakultät

Vom 6. Juli 1994

§ 1
Verleihung des Grades eines Magister legum

(1) Die Juristische Fakultät der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) verleiht Studenten, die im Ausland ein Rechtsstudium erfolgreich abgeschlossen haben, aufgrund einer akademischen Abschlußprüfung den Grad eines Magister legum (LL. M.).

(2) Die Magisterprüfung dient dem Nachweis, daß der Kandidat die Grundzüge des geltenden deutschen Rechts beherrscht und in der Lage ist, in diesem Rahmen ein ausgewähltes Rechtsproblem nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten selbständig zu bearbeiten.

(3) Die Magisterprüfung besteht aus einer Magisterarbeit und einer mündlichen Prüfung.

§ 2
Zulassungsvoraussetzungen

(1) Zur Magisterprüfung wird nur zugelassen, wer den erfolgreichen Abschluß eines mit dem deutschen Rechtsstudium gleichwertigen juristischen Studiums an einer ausländischen Hochschulenachweist. Die Entscheidung über die Voraussetzung trifft der Fakultätsrat.

(2) Der Bewerber muß nach dem erfolgreichen Abschluß eines juristischen Studiums im Ausland an der Europa-Universität zwei Semester Rechtswissenschaft studiert haben (Magisterstudium). Im Rahmen des Magisterstudiums hat der Bewerber an Lehrveranstaltungen von insgesamt 24 Semesterwochenstunden teilzunehmen, die sich gleichmäßig auf die beiden Semester verteilen sollen. Als Leistungsnachweise hat er je eine mindestens mit der Note ausreichend bewertete Klausur aus dem Bürgerlichen Recht, dem Strafrecht und dem Öffentlichen Recht sowie ein Seminarzeugnis zu erbringen.

(3) Bewerber mit einem abgeschlossenen rechtswissenschaftlichen Studium an einer ausländischen Hochschule, die ein Zertifikat über den erfolgreichen Abschluß des Grundstudiums an der Juristischen Fakultät der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) erlangt haben, werden ohne ein Magisterstudium zugelassen.

(4) Das Zertifikat über den erfolgreichen Abschluß des Grundstudiums erhalten ausländische Studenten, die an den Anfängerübungen für Bürgerliches Recht, Strafrecht und Öffentliches Recht sowie an einem Grundlagenseminar mit Erfolg teilgenommen haben.

§ 3
Betreuer

Der Bewerber wird von einem Hochschullehrer der Fakultät betreut, den der Dekan im Einverständnis mit den Beteiligten bestellt.

§ 4
Magisterarbeit

(1) Die Magisterarbeit dient dem Nachweis, daß der Kandidat selbständig wissenschaftlich arbeiten und die Ergebnisse sachgerecht darstellen kann.

(2) Die Magisterarbeit wird nach dem Ende des ersten Semesters und vor dem Ende des zweiten Semesters vom Betreuer ausgegeben. Wenn der Bewerber ohne ein Magisterstudium zugelassen ist (§ 2 Abs. 3), gibt der Betreuer die Magisterarbeit aus, sobald er bestellt ist.

(3) Der Betreuer teilt den Tag der Ausgabe dem Dekan mit. Die Magisterarbeit ist drei Monate nach der Ausgabe beim Dekan einzureichen. Das Thema sowie der Ausgabe- und Abgabezeitpunkt sind aktenkundig zu machen.

(4) Die Magisterarbeit ist in deutscher Sprache einzureichen. Auf Antrag des Bewerbers und mit Zustimmung des Betreuers kann der Fakultätsrat die Einreichung in englischer, französischer oder polnischer Sprache zulassen.

(5) Der Bewerber hat schriftlich zu erklären, daß

  1. er die eingereichte Magisterarbeit selbständig angefertigt und andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt hat;
  2. die eingereichte Magisterarbeit nicht anderweitig als Prüfungsleistung verwendet worden ist;
  3. die eingereichte Magisterarbeit noch nicht in der deutschen oder in einer anderen Sprache als Veröffentlichung erschienen ist.

(6) Die Magisterarbeit wird von zwei Hochschullehrern begutachtet. Sie werden vom Dekan bestimmt. Als Erstgutachter ist der Betreuer (§ 3) zu bestellen. Bei Magisterarbeiten, die in englischer, französischer oder polnischer Sprache eingereicht werden, kann als Zweitgutachter ein Professor oder ein anderes habilitiertes Mitglied der Juristischen Fakultät einer Universität dieses Sprachraumes bestellt werden.

§ 5
Mündliche Magisterprüfung

(1) Die Zulassung zur mündlichen Magisterprüfung setzt einen Zulassungsantrag des Kandidaten voraus. Er ist an den Dekan zu richten. Dem Antrag sind beizufügen:

  1. der Nachweis der Immatrikulation im Magisterstudium;
  2. der Nachweis eines ordnungsmäßigen Magisterstudiums;
  3. die nach § 2 Abs. 2 Satz 3 geforderten Leistungsnachweise oder das Zertifikat im Sinne von § 2 Abs. 3 und 4;
  4. der Nachweis über die Einreichung und Annahme der Magisterarbeit.

(2) Über die Zulassung entscheidet der Dekan. Die Zulassung ist zu versagen, wenn die Voraussetzungen gemäß Absatz 1 nicht vorliegen oder wenn der Kandidat die Magisterprüfung oder eine ihr gleichwertige Prüfung bereits zweimal nicht bestanden hat.

(3) Die mündliche Prüfung erstreckt sich auf die Grundzüge des deutschen Bürgerlichen Rechts, des deutschen Strafrechts und des deutschen Öffentlichen Rechts.

(4) Der Prüfungsausschuß für die mündliche Prüfung besteht aus drei Hochschullehrern der Juristischen Fakultät, darunter dem Betreuer der Arbeit. Der Dekan bestellt die Mitglieder des Prüfungsausschusses und bestimmt einen der Prüfer zum Vorsitzenden.

(5) Der Dekan lädt zur mündlichen Prüfung. Diese erfolgt in deutscher Sprache und dauert je Prüfungskandidat und Rechtsgebiet etwa 15 Minuten.

(6) Über die mündliche Prüfung wird ein Protokoll geführt.

§ 6
Bewertung der Prüfungsleistungen

(1) Die einzelnen Prüfungsleistungen werden wie folgt bewertet:

1 = sehr gut
2 = gut
3 = befriedigend
4 = ausreichend
5 = nicht ausreichend

(2) Für die Note der Magisterarbeit werden die Einzelnoten aus den Gutachten addiert und durch 2 geteilt.

(3) Für die Note der mündlichen Prüfung werden die Einzelnoten aus den drei Rechtsgebieten (§ 5 Abs. 3) addiert und durch 3 geteilt.

(4) Für die Prüfungsgesamtnote werden die Einzelnoten aus den Gutachten über die Magisterarbeit mit dem Faktor 3 multipliziert, die Einzelnoten aus der mündlichen Prüfung dazu addiert und diese Summe durch 9 geteilt.

(5) Die Magisterprüfung ist nicht bestanden, wenn die Magisterarbeit von beiden Gutachtern mit "nicht ausreichend" bewertet wird, wenn der Bewerber in der mündlichen Prüfung auf mindestens zwei Rechtsgebieten eine nicht ausreichende Leistung erbringt oder wenn die Prüfungsgesamtnote schlechter als "ausreichend" ist.

(6) Für die Gesamtnote gilt:

1,00 - 1,50 = sehr gut
1,51 - 2,50 = gut
2,51 - 3,50 = befriedigend
3,51 - 4,50 = ausreichend
4,51 - 5,00 = nicht ausreichend.

§ 7
Magisterurkunde

Über die bestandene Prüfung und die Verleihung des akademischen Grades eines Magister legum erhält der Kandidat eine Urkunde, die die Prüfungsgesamtnote enthält und vom Dekan der Juristischen Fakultät unterzeichnet wird. Nach Aushändigung der Urkunde ist der Kandidat berechtigt, den akademischen Grad eines Magister legum zu führen (abgekürzt LL.M., hinter dem Familiennamen).

§ 8
Einsicht in die Prüfungsakten

(1) Nach Abschluß der Prüfung wird dem Kandidaten auf Antrag Einsicht in die Prüfungsakten gewährt.

(2) Der Antrag ist innerhalb einer Frist von 30 Tagen nach Abschluß der Prüfung an den Dekan zu richten. Der Dekan bestimmt Ort und Zeit der Einsichtnahme.

§ 9
Wiederholungsprüfung

(1) Wurde die Magisterarbeit abgelehnt, so kann der Kandidat in einem neuen Verfahren einmal eine weitere Magisterarbeit vorlegen.

(2) Eine nicht bestandene mündliche Prüfung kann einmal wiederholt werden, und zwar innerhalb eines Jahres.

§ 10
Rücknahme und Widerruf der Zulassung; Bewertung bei Täuschung über Prüfungsleistungen

(1) Ergibt sich vor Aushändigung der Magisterurkunde, daß der Bewerber über eine Zulassungsvoraussetzung getäuscht hat, so kann die Zulassung zur Magisterprüfung zurückgenommen werden. Dasselbe gilt, wenn Tatsachen bekannt werden, die nach Landesrecht die Entziehung des Magistergrades rechtfertigen würden.

(2) Ergibt sich vor Aushändigung der Magisterurkunde, daß der Bewerber bei einer Prüfungsleistung getäuscht hat, so ist diese mit der Note "nicht ausreichend" zu bewerten.

(3) Entscheidungen nach Absatz 1 und 2 trifft der Fakultätsrat.

§ 11
Inkrafttreten

Diese Magisterprüfungsordnung tritt am Tage nach ihrer Bekanntmachung in Kraft.