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Eignungsprüfungsordnung vom 19. April 2000

Aufgrund von § 13 Abs. 2 i. V. m. § 74 Abs. 1, Ziff. 1 des Gesetzes über die Hochschulen des Landes Brandenburg (Brandenburgisches Hochschulgesetz - BbgHG) vom 20. Mai 1999 (GVBl. Nr. 8, S. 130 ff.) haben die Fakultätsräte der Wirtschaftswissenschaftlichen, Juristischen und Kulturwissenschaftlichen Fakultät mit Zustimmung des Senates die folgende Eignungsprüfungsordnung erlassen:1

Eignungsprüfungsordnung für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung

vom 19. April 2000

Inhaltsverzeichnis

I. Allgemeines

§ 1 Ziel und Zweck der Eignungsprüfung

II. Zulassung zur Eignungsprüfung

§ 2 Zulassungsvoraussetzungen
§ 3 Probesemester
§ 4 Antragsverfahren

Die Eignungsprüfung

§ 5 Prüfungstermine
§ 6 Prüfungsausschuss und Prüfer
§ 7 Art und Umfang der Prüfungen
§ 8 Prüfungsinhalte
§ 9 Bewertung der Eignungsprüfung
§ 10 Wiederholungsmöglichkeiten
§ 11 Einsicht in die Prüfungsakten, Versäumnis, Rücktritt, Täuschung, Ordnungsverstoß

IV. Inkrafttreten

§ 12 Inkrafttreten/Außerkrafttreten

I. Allgemeines

§ 1
Ziel und Zweck der Eignungsprüfung

(1) Die Teilnahme an einer fachrichtungsbezogenen Eignungsprüfung ermöglicht Studienbewerbern, die nicht über eine zur Hochschulreife führende Schulbildung verfügen, die für das Studium erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten in anderer Form nachzuweisen.

(2) Studienbewerber, die die Eignungsprüfung bestanden haben, erwerben die Berechtigung zur Aufnahme des Studiums in der gewählten Fachrichtung.

II. Zulassung zur Eignungsprüfung

§ 2
Zulassungsvoraussetzungen

(1) Zur Eignungsprüfung kann zugelassen werden, wer

  1. das 24. Lebensjahr vollendet hat
    und
    den Abschluss der Sekundarstufe I oder einen gleichwertigen Abschluss
    und
    eine für das beabsichtigte Studium geeignete Berufsausbildung abgeschlossen hat
    und
    danach eine mehrjährige Berufserfahrung nachweisen kann
    oder
  2. die Meisterprüfung in einem für das beabsichtigte Studium geeigneten Beruf erfolgreich abgelegt hat.

(2) Eine Berufsausbildung gilt grundsätzlich dann als "geeignet" gemäß Abs. 1, wenn sie erkennen lässt, dass dem Studienbewerber dadurch die für das angestrebte Studium erforderlichen Grundkenntnisse vermittelt wurden.
Bei der Beurteilung der "mehrjährigen Berufserfahrung" gemäß Abs. 1 sind einschlägige berufliche Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen zu berücksichtigen.

§ 3
Probesemester

(1) Wer die Meisterprüfung in einem für das beabsichtigte Fach geeigneten Beruf abgelegt hat, kann anstelle der fachrichtungsbezogenen Eignungsprüfung ein Probesemester absolvieren, an dessen Ende über die Zuerkennung der Studienberechtigung und die Fortsetzung des Studiums entschieden wird.

(2) Für die Dauer des Probesemesters erhält der Studienbewerber alle Rechte und Pflichten eines ordentlich immatrikulierten Studierenden.

(3) Der gemäß § 6 Abs. 1 zuständige Ausschuss legt vor Beginn des Semesters mit dem Studienbewerber fest, welche Veranstaltungen belegt und welche Leistungsnachweise erbracht werden müssen.

(4) Die Studienberechtigung wird von dem gemäß § 6 Abs. 1 zuständigen Ausschuss zuerkannt, wenn der Studienbewerber unter Berücksichtigung der erbrachten Leistungen gezeigt hat, dass er den Studieninhalten folgen kann und er erwarten lässt, fachwissenschaftliche Themenstellungen selbständig bearbeiten zu können. § 4 Abs. 6 gilt entsprechend.

(5) Unbeschadet der Abs. 1 bis 4 können Studienbewerber vor dem Ablegen einer fachrichtungsbezogenen Eignungsprüfung ein Probesemester als Gasthörer absolvieren. Gebühren werden in diesem Fall nicht erhoben. Der Antrag auf Zulassung als Gasthörer und der Antrag auf Zulassung zur Eignungsprüfung sind gleichzeitig zu stellen.

§ 4
Antragsverfahren

(1) Die Zulassung zur Eignungsprüfung muss schriftlich beantragt werden. Der Antrag ist an die

Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Immatrikulations- und Prüfungsamt
Große Scharrnstraße 59
15230 Frankfurt (Oder)

zu richten.

(2) Anträge auf Zulassung zu einer Eignungsprüfung sind

  • für das nächstfolgende Wintersemester bis zum 15. April des betreffenden Jahres
    und
  • für das nächstfolgende Sommersemester bis zum 15. Oktober des vorausgehenden Jahres

zu stellen.

(3) In dem Antrag sind der angestrebte Studiengang, ggf. die Studienrichtung und der angestrebte Abschluss anzugeben.

Dem Antrag sind beizufügen:

  1. der Nachweis über die Vollendung des 24. Lebensjahres,
  2. eine ausführliche Darstellung der bisherigen schulischen und beruflichen Ausbildung,
  3. beglaubigte Kopien der Zeugnisse über die schulische und berufliche Aufbildung
    und
  4. beglaubigte Kopien der Bescheinigungen über Art, Dauer und Ort der mehrjährigen beruflichen Tätigkeit sowie ggf. über die Teilnahme an beruflichen Fortbildungsmaßnahmen.

(4) Der Nachweis einer abgeschlossenen Berufsausbildung gemäß § 2 Abs. 1 kann nur durch die Vorlage folgender beglaubigter Zeugniskopien nachgewiesen werden:

  1. das Abschlusszeugnis der Berufsschule und der Nachweis über den erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung in einem nach dem Berufsbildungsgesetz in der Bundesrepublik Deutschland anerkannten oder als gleichwertig geregelten Ausbildungsberuf
    oder
  2. das Zeugnis einer abgeschlossenen entsprechenden Ausbildung in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis
    oder
  3. das Zeugnis einer durch eine staatliche Prüfung abgeschlossenen schulischen Berufsausbildung, die durch Landesrecht geregelt ist.

(5) Über die Zulassung zur fachrichtungsbezogenen Eignungsprüfung entscheiden die Ausschüsse gemäß § 6 Abs. 1. Vor der Entscheidung können weitere Mitglieder der Hochschule zur Beratung herangezogen werden.

(6) Die Entscheidung über den Antrag ist dem Studienbewerber durch das Prüfungsamt schriftlich bekannt zu geben. Der Bescheid enthält die Bezeichnung des Studiengangs an der Europa-Universität, für den die Zulassung zur Eignungsprüfung gilt, sowie die Prüfungstermine. Der Bescheid ist mit einer Rechtsbehelfsbelehrung zu versehen.

(7) Im Falle der Ablehnung kann der Zulassungsantrag einmal wiederholt werden.

III. Die Eignungsprüfung

§ 5
Prüfungstermine

Eignungsprüfungen finden in der Regel in den Monaten

  • Mai (für das Wintersemester)
    und
  • November (für das Sommersemester)

statt. Die genauen Termine werden den Bewerbern mindestens zwei Wochen vorher mitgeteilt.

§ 6
Prüfungsausschuss und Prüfer

(1) Für die Wahrnehmung aller sich aus dieser Prüfungsordnung ergebenden Aufgaben ist der für den jeweiligen Studiengang eingerichtete Prüfungsausschuss verantwortlich. Die Regelungen der einschlägigen Prüfungsordnungen zum Prüfungsausschuss gelten entsprechend. Soweit aufgrund der Eigenart eines Studienganges ein Prüfungsausschuss nicht gebildet wurde, werden dessen Aufgaben durch den Dekan und Prodekan der betreffenden Fakultät gemeinsam wahrgenommen. Der Prüfungsausschuss kann Teile seiner Aufgaben delegieren.

(2) Zu Prüfern dürfen nur Personen bestellt werden, die in dem jeweiligen Studiengang eine Lehrtätigkeit ausüben.

(3) Die Prüfung wird von zwei Prüfern, von denen mindestens einer Professor ist, abgenommen.

§ 7
Art und Umfang der Prüfungen

(1) Die Eignungsprüfung erfolgt für den von dem Studienbewerber im Zulassungsantrag benannten Studiengang. Zur Wahl stehen die an der Europa-Universität Viadrina angebotenen Studiengänge.

(2) Die Eignungsprüfung besteht aus

  • einer zweistündigen (120 min) Klausur
    und
  • einer mündlichen Prüfung (Einzelprüfung) von mindestens 20 Minuten Dauer.

(3) Über den Verlauf und das Ergebnis der Eignungsprüfung ist ein Protokoll anzufertigen.

§ 8
Prüfungsinhalte

(1) Für den durch die Kulturwissenschaftliche Fakultät angebotenen Studiengang wird die Eignungsprüfung wie folgt durchgeführt:

a) Schriftliche Prüfung
Dem Bewerber werden drei Texte mit einem Umfang von ca. einer DIN A 4-Seite aus drei Disziplinen (Linguistik/ Literaturwissenschaft, Kulturgeschichte, Sozialwissenschaften/Kulturphilosophie) vorgelegt, die in allgemein verständlicher Sprache eine fachrelevante Fragestellung enthalten. Der Bewerber wählt einen Text aus und interpretiert diesen. Mit der Interpretation soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, die Fragestellung und die sachbezogenen Zusammenhänge, die der Text behandelt, zu erkennen und in angemessener Weise schriftlich darzustellen.

b) Mündliche Prüfung
Gegenstand der mündlichen Prüfung sind die beiden anderen, für die Klausur nicht gewählten Texte, über die ein Prüfungsgespräch mit den beiden Prüfern durchgeführt wird. In dem Gespräch soll die Fähigkeit nachgewiesen werden, die fachrelevanten Fragestellungen und die sachbezogenen Zusammenhänge, die die Texte behandeln, zu erkennen.

(2) Für die durch die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät angebotenen Studiengänge gestaltet sich die Eignungsprüfung wie folgt:

a) Schriftliche Prüfung
Die schriftliche Prüfung besteht aus drei Teilen:

Teil 1: Mathematische Grundlagen der Wirtschaftswissenschaften (60 min) (Elementarmathematik: Gleichungen, Ungleichungen, Bruchrechnung, Potenzen, Logarithmen, Geometrie, grafische Darstellung von Funktionen, Logik, Kombinatorik; höhere Mathematik: Kurvendiskussion, Differentiation und Integration von Funktionen)

Teil 2: Schriftliche Interpretation eines wirtschaftlichen oder wirtschaftspolitischen Themas (60 min)
Die Klausur ist vor der mündlichen Prüfung abzulegen.

b) Mündliche Prüfung
Es wird ein Prüfungsgespräch mit folgenden Rahmenthemen durchgeführt:

  • Planung und Produktion im Betrieb,
  • Wirtschaftliches Handeln im Unternehmen,
  • Entscheidungsprozesse in Unternehmungen,
  • volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen für betriebliches Handeln,
  • aktuelle wirtschaftspolitische Fragen der Europäischen Union.

Die sprachliche Darstellung wird berücksichtigt.

(3) Für den durch die Juristische Fakultät angebotenen Studiengang gestaltet sich die Eignungsprüfung wie folgt:

a) Schriftliche Prüfung
In der Klausur hat der Bewerber sich im einzelnen mit einem Text auseinander zu setzen, den er aus zwei vorgegebenen Vorschlägen zu einem kontrovers diskutierten Thema auswählen kann. Bewertet wird die Fähigkeit des Bewerbers, die Probleme zu erfassen, sich inhaltlich mit den Pro- und Contra-Argumenten zu beschäftigen und die eigenen Gedanken logisch, sachlich und sprachlich überzeugend zu formulieren.

b) Mündliche Prüfung
In der mündlichen Prüfung soll der Bewerber einen mindestens 10-minütigen Vortrag zu einem von ihm selbst gewählten, aktuellen Thema halten, durch den er nachweist, welche Kenntnisse und Fähigkeiten er aufgrund seiner bisherigen beruflichen Erfahrung für das juristische Studium mitbringt.
Im Anschluss hieran findet eine ebenfalls mindestens 10-minütige Diskussion mit den beiden Prüfern statt. Bewertet wird, inwieweit der Bewerber in der Lage ist, den eigenen Gedankengang klar und schlüssig darzulegen, seinen Standpunkt sprachlich gewandt zum Ausdruck zu bringen und in der Sache überzeugend zu verteidigen sowie ob er das für das Studium erforderliche Mindestmaß an Allgemeinbildung mitbringt, wie man es auch von einem Abiturienten erwarten könnte.
Rechtskenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

§ 9
Bewertung der Eignungsprüfung

(1) Die Noten für die einzelnen Prüfungsleistungen werden von den jeweiligen Prüfern festgesetzt. Für die Bewertung der Prüfungsleistung gelten die Festlegungen in den Prüfungs-/Ausbildungsordnungen entsprechend.

(2) Das Gesamtergebnis der Eignungsprüfung wird in Form einer Durchschnittsnote aus den Noten aller Teilprüfungsleistungen ermittelt. Dabei wird nur die erste Dezimalstelle hinter dem Komma berücksichtigt; alle weiteren Stellen werden ohne Rundung gestrichen.

(3) In Abweichung von Abs. 2 ergibt sich die Gesamtnote der Eignungsprüfungen für die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge als gewichtetes Mittel aller Leistungen, wobei die schriftliche und mündliche Prüfung im Verhältnis zwei zu eins gewertet werden. In der Klausurnote werden die einzelnen Teile nach ihrem zeitlichen Umfang berücksichtigt.

(4) Die fachrichtungsbezogene Eignungsprüfung ist bestanden, wenn sowohl die Klausur als auch die mündliche Prüfung jeweils mindestens mit "ausreichend" bewertet werden.

(5) Über das Ergebnis der Eignungsprüfung erteilt der Prüfungsausschuss einen Bescheid, der mit einer Rechtsbehelfsbelehrung zu versehen ist. Im Falle des Bestehens enthält er die Angabe, für welchen Studiengang die Studienberechtigung erworben wurde; im Falle des Nichtbestehens sind Angaben über Wiederholungsmöglichkeiten zu machen.

(6) Der Prüfungsausschuss hat sicherzustellen, dass die Bekanntgabe der Ergebnisse rechtzeitig vor Ablauf der Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Studiengänge erfolgt.

§ 10
Wiederholungsmöglichkeiten

(1) Teilprüfungen können nicht wiederholt werden.

(2) Eine nicht bestandene Eignungsprüfung kann einmal wiederholt werden.

§ 11
Einsicht in die Prüfungsakten, Versäumnis, Rücktritt, Täuschung, Ordnungsverstoß

(1) Innerhalb eines Jahres nach Abschluss des Prüfungsverfahrens hat der Bewerber die Möglichkeit, die Prüfungsakten einzusehen.

(2) Bei Versäumnis, Rücktritt, Täuschung oder Ordnungsverstoß finden die entsprechenden Bestimmungen der einschlägigen Prüfungs-/Ausbildungsordnungen Anwendung.

IV. Inkrafttreten

§ 12
Inkrafttreten/Außerkrafttreten

Diese Ordnung tritt am Tage nach ihrer Veröffentlichung in den Amtlichen Bekanntmachungen der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) in Kraft. Gleichzeitig tritt die Eignungsprüfungsordnung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) für beruflich qualifizierte Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung vom 5. Juni 1996 außer Kraft.

1Die Präsidentin hat mit Verfügung vom 13.7.2000 ihre Genehmigung erteilt.