Sympathie – Ethik und Metaphysik der Natur
bis
Hauptgebäude, Große Scharrnstraße 59, 15230 Frankfurt (Oder)
Senatssaal (HG 109)
Art: Workshop / Vorlesung / Seminar
Veranstaltungssprache(n): Deutsch
Lehrstuhl
Ist heute von Sympathie die Rede, dann ist sowohl im umgangssprachlichen als auch im wissenschaftlichen Gespräch in der Regel eine emotionale Verbindung von Menschen und anderen Lebewesen gemeint. Sympathie ist dann mal Oberbegriff, mal Synonym für gemeinsames Fühlen oder Anteilnahme an Gefühlen Andererin Mitleid oder Mitfreude. Nur selten findet sich heute eine ältere
Verwendung des Begriffs: Sympathie als Name für einen affektiven Zusammenhang aller mit allem, als Name einerWechselwirkung, die in einer kosmologischenPerspektive, alles mit allem in Verbindung hält.
Zu den ganz seltenen Versuchen, eine Verbindung dieser beiden Sympathiebegriffe zu denken, gehört diePhänomenologie Max Schelers. Max Scheler—von dem ausgehend wirin unserem DFG-ANRgefördertenProjekt nach dem normativen Potenzial einer umfassenden Idee von Sympathie fragen—hat mindestens zwei Begriffe von Sympathie.Zum einen ist Sympathie der Name für das metaphysische Band, das alle menschlichen Verbindungen stiftet, zum anderen ist Sympathie der Oberbegrifffür die verschiedenen Formen des Miteinanders. In diesem Sinn spricht Scheler vom „Wesen“ und den „Formen“ der Sympathie und unterscheidet das Einsfühlen (eine Form des gemeinsamen Fühlens ohne erlebte Ich-Du Unterscheidung), Nachfühlen, Mitfühlen und allgemeine Menschenliebe. Von diesen verschiedenen Formen der Sympathie behauptet er aber nicht nur, dass sie in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen, sondern auch, dass sie nur möglich sind,
weil wir gemeinsam vom Weltgrund abhängig sind.
Im Rahmen des Workshops wollen wir uns gemeinsam mit Expert*innen der Frage widmen, ob und wie Schelers metaphysischeThese einer umfassenden Sympathie ins Gespräch mit historischen und gegenwärtigenPositionen gebracht werden kann und wo ihre philosophischenPotentiale liegen. Lassen sich Erd-(Bruno Latour) und Luftverbundenheit (Eva Horn) als Sympathiephänomene fassen? Und kann eineRückbesinnung auf eine allumfassende Sympathie, d. h. die Verbundenheit mit derWelt, dem Kosmos, der Schöpfung, helfen, Solidarität nicht nur mit anderen Menschen, sondern auch mit anderen Lebewesen, mit der Natur, mit der Erde anders zu denken als in der Logik vonZweck-Mittel-Überlegungen?
Programm
Donnerstag, 19.11.2026
13:00-13:15 Uhr: Einführung
mit Matthias Schloßberger
13:15-13:45 Uhr: „Sechs Glieder der kosmischen Solidarität bei Max Scheler“
mit Konstantin Hokamp & Steffen Kluck
14:45-15:45 Uhr: „Sympathie im Neuplatonismus“
mit Thomas Leinkauf
16:15-17:15 Uhr: „Teilhabedenken und Poetik“
mit Steffen Schneider
17:45-18:45 Uhr: „Sympathie in der Renaissance“
mit Sergius Kodera
Freitag, 20.11.2026
09:30-10:30 Uhr: „Sympathie bei Athanasius Kircher“
mit Andreas Bähr
11:00-12:00 Uhr: „Sympathie als lebensphilosophische Größe — Bergson zu Instinkt und Intuition
mit Ingeborg Mayer
14:00-15:00 Uhr: „Indische Sympathielehren und -techniken“
mit Sven Sellmer
15:30-16:30 Uhr: „Sympathie oder Resonanz? Kulturdiagnostische Potentiale“
mit Hilge Landweer
17:00-17:45 Uhr: Abschlussdiskussion
Veranstalter: Lehrstuhl für Sozialphilosophie, Europa-Universität Viadrina
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