Übersetzer sind Netzwerker

Frankfurt (Oder) und Słubice, 

„Übersetzer sind Netzwerker“ – dieser Satz aus der Ausstellung „Ohne Applaus… Vom Übersetzen als stiller Kunst. Henryk Bereska 1926–2005“ prägte das Jubiläumsprogramm „Im Fluss der Worte“ am 17. Mai 2026.

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Zum 100. Geburtstag von Henryk Bereska kamen im Collegium Polonicum in Słubice, in Frankfurt (Oder) und auf der Oder Personen aus Literatur, Wissenschaft, Übersetzung und Kultur zusammen – ebenso wie interessierte Besucherinnen, Wegbegleiterinnen sowie Freund*innen und Bekannte der Familie Bereska.

 

Zu den Höhepunkten des Tages gehörte die Eröffnung der Ausstellung, kuratiert von Dr. Agnieszka Brockmann und in graphischer Gestaltung von Adam Czerneńko. Die Ausstellung zeigte Henryk Bereska als Übersetzer, Vermittler und Organisator deutsch-polnischer Begegnungen. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur seine Texte, sondern auch seine Kontakte, Freundschaften und kulturellen Netzwerke.

Große Aufmerksamkeit erhielt außerdem die szenische Lesung „Wenn ich nachts losgehe…“. Texte von Henryk Bereska, Tadeusz Różewicz und Katja Lange-Müller wurden von Torsten Gesser, Arkadiusz Porada und Judith Speckmaier vom Theater des Lachens Frankfurt gemeinsam mit der Musikerin Janni Struzyk auf die Bühne gebracht, in der Inszenierung von Odette Bereska. Fast heimlicher Star des Abends war die Henryk-Bereska-Puppe von Judith Mähler, die den 100. Geburtstag des Schriftstellers zugleich sentimental, ironisch und mit trockenem Humor auf der Bühne miterlebte.

Ergänzt wurde das Programm durch einen Beitrag von Prof. Ines Geipel, die über ihre Erfahrungen mit dem Editionsprojekt der „Kolberger Hefte“ sprach und die besondere Sprache und Arbeitsweise Henryk Bereskas reflektierte. Studierende der Universität Wrocław lasen unter der Leitung von Dr. Magdalena Bieniasz eigene Übersetzungen von Auszügen aus Bereskas Tagebüchern auf Deutsch und Polnisch.

Ein besonderer Treffpunkt war erneut der Poetendampfer auf der Oder. Bereits am Vormittag und noch einmal am Abend fuhr das Schiff „Onkel Helmut“ mit Autor*innen aus Polen und Deutschland über den Fluss. Gelesen wurden Texte von Krzysztof Fedorowicz, Björn Kern, Maria Sidorska-Ryczkowska, Artur Daniel Liskowacki, Uwe Rada und Carmen Winter. Die Übersetzungen lasen Dr. Ilona Czechowska und Dr. Friederike Frach, moderiert wurden beide Fahrten von Dr. habil. Marta Bąkiewicz und Wolfgang de Bruyn.

Der Poetendampfer knüpfte dabei direkt an eine Tradition an, die auch Henryk Bereska selbst geprägt hatte. Zwischen 1995 und 1999 nahm er mehrfach an den deutsch-polnischen Literaturfahrten teil – als Autor, Moderator und Übersetzer. Die Oder verstand er dabei nicht als Grenze, sondern als Ort der Begegnung und des Austauschs.

Mit einem augenzwinkernden Abschluss endete schließlich auch die Jubiläumsfeier selbst: Ausgezeichnet wurden diejenigen Gäste, die beim begleitenden Bereska-Quiz bewiesen hatten, wie gut sie den Jubilar inzwischen kennengelernt hatten. Die Fragen hatten es allerdings in sich. Besonders lange wurde darüber diskutiert, ob Henryk Bereskas Lieblingssuppe nun die Brotsuppe oder doch eher die Pilzsuppe gewesen sei.

Das Jubiläum war Teil des Projekts „Bereska 100 – Erinnerung und Rezeption im deutsch-polnischen Kulturdialog“, organisiert von der Karl Dedecius Stiftung, dem Karl Dedecius Archiv am Collegium Polonicum und zahlreichen Partnerinstitutionen aus Deutschland und Polen, gefördert von der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit.

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