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12. Kinder-Universität Viadrina 2016

Müssen sich die Menschen hassen?

Was haben der Krieg, Kannibalismus und das Tierreich mit Toleranz unter den Menschen zu tun? Das  kann man nicht miteinander in Verbindung bringen, mag so mancher denken. Dr. Wojciechowski hat es getan und das Mitdenken und Nachdenken auf eher ungewöhnliche Weise gefördert.

Er ist mit der Meinung seines Vaters groß geworden, der sagte: „Mein Vater war im Krieg, ich war im Krieg und auch du wirst in den Krieg ziehen“. Er sollte zum Glück nicht Recht behalten. Und doch: Obwohl zwischen Polen und Deutschland seit 60 Jahren kein Krieg mehr herrscht, pflegen beide Seiten noch zu oft ein negatives Bild voneinander. Warum? Weil es dem Menschen eigen ist. Weil er im Nachbarn einen Konkurrenten sieht um Lebensraum und Nahrungsmittel, weil ihm das eben seit Urzeiten in den Genen steckt. Dieses daraus resultierende aggressive Verhalten besitzt der Mensch noch seit der Zeit, als er ein Teil des Tierreichs war. Dieses Verhalten war notwendig, um neue ökologische Nischen besetzen zu können und zu überleben. Das Bewusstein um diesen Zusammenhang kann Verständnis wecken und öffnet zugleich Chancen, Toleranz zu leben und unvoreingenommen zu handeln. So, wie es ein amerikanischer Forscher in Indonesien praktiziert hat, der verschiedene Stämme besuchen wollte. Jeder Stamm hatte vom Nachbarn Gräuelmärchen erzählt und vor deren Kannibalismus gewarnt, alles aus dem Nichtwissen heraus. Der Forscher hat seine Reisen überlebt. Seine Offenheit hat ihm dabei geholfen.

Was heißt das für uns? Es sollte uns gelingen, im Nachbarn nicht zuerst das Schlechte zu sehen, sondern das Gute und Bescheidene, so Dr. Wojciechowski. Es gibt so viele Gemeinsamkeiten – und manche Unterschiede, über die es sich auch zu schmunzeln lohnt. Man muss aufeinander zugehen, um beides zu erkennen.

Diese Vorlesung, die deutsche und polnische Jugendliche vereinte, war ein weiteres Beispiel dafür, wie leicht das sein kann.

 

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