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Mindful Monday - mit der ZSB achtsam in die neue Woche starten


Alles neu macht der… Oktober. Pünktlich zum Semesterbeginn des Wintersemesters 18/19 startet an dieser Stelle der neue Achtsamkeits-Blog der ZSB. Immer montags posten wir eine Achtsamkeits-Anregung für die neue Woche. Zum Ausprobieren, Mitmeditieren und Teilen. Viel Spaß mit unserem neuen "Mindful Monday" Blog!

Lust auf noch mehr Achtsamkeit? Kommen Sie in unsere offene Meditationsgruppe!


November 2018

12.11.2018
Achtsamkeits-Anregung #5: Achtsamkeit und Bewertungen
"Jenseits von richtig und falsch gibt es einen Ort. Dort treffen wir uns."
- Rumi -

Oft tragen wir im Alltag eine "innere Messlatte" mit uns herum, die unsere aktuelle Erfahrung und unser Handeln mit einem Idealzustand vergleicht: "So ist es richtig." "So ist es falsch." "Das war gut." "Das reicht nicht." In vielen Situationen ist diese Messlatte nützlich. Ohne sie könnten wir keine Erfolge feiern und uns nicht verbessern, wir wären in Situationen, in denen wir dazulernen wollen, orientierungslos. Aber wenn es keine Räume mehr gibt, in denen richtig und falsch unwichtig sind, in denen wir einfach sein können, wie wir sind, wird es eng und anstrengend.

Es ist erstaunlich schwierig, Erfahrungen nicht zu bewerten. Schnell ist man dabei, das Bewerten zu bewerten. Man kann sogar das Bewerten des Bewertens bewerten - und spätestens dann tut einem das Gehirn weh. Einfacher ist es, das automatische Bewerten wahrzunehmen, wenn es geschieht, und immer wieder zum Spüren und zur direkten Erfahrung zurückzukehren.

Was hilft Ihnen, Bewertungen loszulassen? Welche bewertungsfreien oder bewertungsarmen Räume gibt es in Ihrem Leben? Wo liegt Ihr Ort "jenseits von Richtig und Falsch"? Und gibt es Menschen, die Sie gern einmal an diesem Ort treffen würden? Wie könnte das gehen?


20181009_143007_resized ©Marvin Süß

05.11.2018
Achtsamkeits-Anregung #4: Achtsamkeits-Anker
"80 percent of success is just showing up." ("80 Prozent des Erfolgs besteht einfach darin aufzukreuzen.")
- Woody Allen -

Einer der größten Stolpersteine auf dem Weg zu mehr Achtsamkeit kann es sein, die Absicht, achtsam sein zu wollen, im Alltag schlicht zu vergessen. Je häufiger wir uns an unseren Vorsatz erinnern, Achtsamkeit zu praktizieren, desto mehr Gelegenheiten haben wir dazu und desto mehr achtsame Momente wird es in unserem Leben geben. Wie können wir uns daran erinnern, in unserem Alltag für die Achtsamkeit "aufzukreuzen" ?

Eine Möglichkeit, sich regelmäßig an die Achtsamkeit erinnern zu lassen, ist ein "Achtsamkeits-Anker", z.B. eine rote Ampel. Jedes Mal, wenn Sie diese Woche an einer roten Ampel warten, könnten Sie in Ihren Körper spüren: Wie ist seine Position? Was nehmen Sie wahr? Spannung oder Entspannung, Wärme, Kälte, Kontakt mit dem Boden? Was gibt es noch zu spüren, was schiebt sich in Ihrer Erfahrung nach vorn, wenn Sie nach nichts Bestimmtem suchen? Seien Sie in Ihrem Körper präsent, wann immer Ihr Achtsamkeits-Anker auftaucht - mit Neugier auf das, was Sie in diesem Moment dort vorfinden.


20181031_155836_resized ©Marianne Tatschner
Oktober 2018

29.10.2018
Achtsamkeits-Anregung #3: Achtsamkeit im Herbst mit einem "Achtsamkeitsblatt"

IMG-20181015-WA0008_resized ©Linda Giesel

Achtsamkeit bedeutet, allen Erfahrungen mit der gleichen offenen, freundlichen und neugierigen Haltung zu begegnen. Worauf wir diese Haltung richten, die "Objekte" der Achtsamkeit, können dabei variieren. Eine Möglichkeit, Achtsamkeit zu üben, ist, ein äußeres Objekt zu wählen und alle Sinneseindrücke achtsam wahrzunehmen, die im Kontakt mit diesem Objekt entstehen.


Solange der Winter den Herbst noch nicht vollständig abgelöst hat, ein Übungsvorschlag zu dieser Variante, passend zur herbstlichen Jahreszeit: Vielleicht haben Sie Lust, in der kommenden Woche einen Herbstspaziergang zu machen. Dabei könnten Sie nach einem Blatt Ausschau halten, das Ihnen besonders gut gefällt. Suchen Sie sich dann einen ruhigen Ort und nehmen Sie sich 5-10 Minuten Zeit, um Ihr Blatt zu betrachten. Nutzen Sie dabei alle Sinne: Wie sieht Ihr Blatt aus? Welche Form hat es, welche Farben? Gibt es Stellen, die durchsichtig sind? Wie fühlt es sich an? Rauh, zart, dick, dünn, spröde oder fest? Hat es einen Geruch? Gibt es einen Klang, wenn Sie es zwischen den Fingern hin und her bewegen? Lassen Sie sich überraschen, was es an Ihrem Blatt alles zu entdecken gibt.


22.10.2018
Achtsamkeits-Anregung #2: Der Achtsamkeits-Power-Move

Achtsamkeit fragt in jedem Moment "Wie ist meine Erfahrung, jetzt, in diesem Moment?" - offen, neugierig und freundlich. Diese einfache Frage ist ein "Power-Move" im Alltag, weil wir dadurch aus unseren unbewusst ablaufenden Reaktionsmustern aussteigen können. Wenn wir merken, dass wir uns ärgern und unseren Ärger anerkennen, können wir nach einem geeigneten Weg suchen, mit ihm umzugehen - und müssen nicht die nächste Person anmotzen, die uns über den Weg läuft. Eine Erfahrung, die uns bewusst ist, kontrolliert uns nicht.

Die einfachste Art, dies zu üben, ist, im Alltag danach zu fragen: "Was ist jetzt da, was kann ich gerade wahrnehmen?". Mit dieser Frage können wir uns unserem Körper und unseren Emotionen nähern. Wir können also fragen (und Sie können beim Lesen gleich mitmachen, wenn Sie möchten): "Was nehme ich gerade, in diesem Moment, in meinem Körper wahr?" Vielleicht ist da Wärme oder Kälte, Spannung, Entspannung, Kribbeln, Jucken, Bewegung - oder etwas ganz anderes. Vielleicht sind die Empfindungen deutlich oder diffus, schnell wechselnd oder stabil, vielleicht gibt es kaum etwas wahrzunehmen. Wie wäre es, wenn all das gleich gültig, gleich willkommen wäre?

20181009_143225_resized ©Marvin Süß

Wir können auch fragen: "Was passiert jetzt, in diesem Moment, in meinem emotionalen Erleben?" Vielleicht ist dort eine starke Emotion, die wir klar benennen können, wie Ärger, Angst, Traurigkeit, Freude oder Erleichterung. Vielleicht ist da eine diffuse Stimmung oder ein Gemisch aus verschiedenen, undeutlichen Emotionen. Vielleicht können wir dort aber auch gerade nichts Bestimmtes wahrnehmen. Was ist der Unterschied zwischen dem Wahrnehmen des emotionalen Erlebens und dem Nachdenken darüber? Können Sie zwischen beidem hin und her wechseln?

Versuchen Sie, neugierig auf die Antworten zu sein, wenn Sie nach der Erfahrung des Moments fragen - egal, wie sie ausfallen. Je häufiger wir üben, uns unserem Erleben freundlich und interessiert zuzuwenden, desto eher wird uns dieser "Power-Move" auch in schwierigen Situationen gelingen.


15.10.2018
Achtsamkeits-Anregung #1: Achtsamkeit - was könnte das sein?

IMG-20181015-WA0000_resized ©Linda Giesel

Achtsam sein heißt, die Dinge zu sehen wie sie sind - ohne zu versuchen sie loszuwerden und ohne sich an sie zu klammern. Wahrnehmen, was ist. Das ist für die meisten von uns sehr ungewohnt. Wir sind gestresst, müde oder verärgert und versuchen - oft ohne dass uns das bewusst ist - diesen Zustand zu verändern und das unangenehme Gefühl loszuwerden. Oder wir genießen den Moment und versuchen, ihn zu verlängern und mehr von diesem schönen Gefühl zu bekommen. Achtsamkeit ist der Raum, der sich auftut, wenn wir uns dessen, was geschieht, bewusst werden - einschließlich unserer Versuche, unsere Erfahrung zu verändern.

Achtsamkeit lässt sich nicht strategisch einsetzen. Den Moment zu akzeptieren, damit er sich verändert, ist nicht möglich. Stattdessen versuchen wir, in uns den Ort zu finden, von dem aus wir alles anschauen und so sein lassen können, wie es ist. Dies ist keine Fähigkeit, die sich einmal lernen und dann beherrschen lässt, sondern ein Prozess, der immer weitergeht. Lassen Sie sich einladen in das Üben, die Erfahrung, den Moment. Die Reise, das Abenteuer genau hier, genau jetzt, in diesem Atemzug, in dieser Empfindung. Diesen Ort des "Nur-Wahrnehmens" immer wieder aufzusuchen, egal, wie häufig man ihn verlässt oder vergisst, bedeutet, Achtsamkeit zu praktizieren. Warum man das tun sollte? Wer sich aufmacht, das für sich ganz persönlich herauszufinden, ist bereits mittendrin im Abenteuer Achtsamkeit.