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Workshop

„Resilienz offener Infrastrukturen“

23. April 2018, 10–17 Uhr

Offene Infrastrukturen sind langlebige Einrichtungen, die den Austausch von materiellen oder immateriellen Gütern für eine nicht abgegrenzte Gruppe von Nutzern ermöglichen. Offene Infrastrukturen sind ein definierendes Merkmal der modernen Gesellschaft. Sie finden sich in den öffentlichkeitsgenerierenden Verfahren der liberalen Demokratie, in öffentlich zugänglichen digitalen Verwaltungen, in nutzergenerierten sozialen Medien, in open source software und data, open educational resources, blockchain-Anwendungen und vielem mehr.

Offene Infrastrukturen sind wichtig, weil sie es erlauben, gesellschaftliches Wissen zu kooptieren und auf gemeinsame Problemlagen zu fokussieren. Sie ermöglichen gesellschaftliche Partizipation an staatlichem Handeln und tragen damit zur Demokratisierung bei. Offene Infrastrukturen sind gleichzeitig aber auch nicht unproblematisch. Die Einräumung von breitem Zugang für einen unbegrenzten Konsumentenkreis macht sie verwundbar für Störungen und Angriffe (von FakeNews und HateSpeech über Malware bis hin zu Cyberterrorismus) von außen.

Die grundsätzlich anzustrebende Offenheit von Infrastrukturen steht und fällt daher mit der Möglichkeit, unerwünschte externe Beeinflussungen zu identifizieren und zu neutralisieren. Externe Kontrollmechanismen sind hierbei oftmals nur Instrumente zweiter Wahl, da sie mit einer Verringerung von Offenheit und damit vieler der positiven Effekte offener Infrastrukturen einhergehen. Ein effizienterer Weg der Versicherung gegen externe Störungen liegt darin, das inhärente Potential offener Systeme zu nutzen, sich eigenständig auf der Basis von künstlicher Intelligenz und schwarmintelligentem Input weiter zu entwickeln. Das beste Beispiel hierfür ist Wikipedia, wo irreführende Einträge oftmals innerhalb kürzester Zeit von anderen Nutzern korrigiert werden. Offene Infrastrukturen haben somit ein inhärentes Resilienzpotential dessen Aktivierung als eine zentrale Herausforderung für die Gestaltung effizienter offener Infrastrukturen betrachtet werden kann. Extern induzierte Störungen müssen automatisch erkannt und mit dezentral aktivierten Abwehrmaßnahmen neutralisiert werden können. Diesem Projekt liegt die Annahme zugrunde, dass sich die Optionen der Generierung interner Resilienz von offenen Infrastrukturen über unterschiedlichste Bereiche hinweg vergleichen lassen und dass disziplinübergreifende Lernprozesse realisierbar sind. In diesem Pilot sollen unterschiedliche disziplinäre Zugänge zu den Möglichkeiten und Herausforderungen der Gestaltung von Resilienz in offenen Infrastrukturen erschlossen werden. Das Ziel ist es, gemeinsame Forschungsfragen zu entwickeln und Empfehlungen für die Entwicklung gleichzeitig offener und resilienter Infrastrukturen zu generieren. Hierzu werden verwaltungstechnische, demokratietheoretische, politische, zivilgesellschaftliche und technologische Sichtweisen in einem ganztägigen Seminar kombiniert

Agenda

10.00 - 11.30     Einleitung: Resilienz offener Infrastrukturen als Herausforderung transdisziplinärer Forschung (CIHR, Viadrina)
11.45 - 13.15     Austausch: Sichtweisen/ Herausforderungen (FOKUS, BMI, IHP, IRS)
14.00 - 15.30     Austausch: Sichtweisen/ Herausforderungen (AA, Syrian Archive, DGAP, CIHR)
15.45 - 17.00     Perspektiven: Übergreifende Forschungsfragen

Ort: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Logensaal, Logenhaus, Logenstraße 11