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Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Wie Alexa und Siri die Sprache beeinflussen – Linguistin Prof. Dr. Britta Schneider forscht zu stimmgesteuerten Assistenten und sucht weitere Interviewpartner:innen

Britta Schneider_190hoch ©Privat

Sie dimmen das Licht, spielen ein Hörbuch, versenden E-Mails – stimmgesteuerte Assistenten wie Siri und Alexa gehören für viele zum modernen Medienalltag. Wie diese Technik Sprache und Sprachnormen beeinflusst, erforscht Prof. Dr. Britta Schneider. In Interviews mit Nutzerinnen und Nutzern stößt sie auch darauf, dass einige eine regelrecht persönliche Beziehung zu den Geräten eingehen.

Was als sprachlich richtig und was als falsch gilt, wurde die längste Zeit durch das gedruckte Wort bestimmt. Verlässlich standen die korrekten orthografischen und grammatikalischen Formen in gedruckten Büchern – ausgewählt und fixiert von wenigen. „Durch Sprachassistenten wie Alexa und Siri können orale Normen verändert werden. Wie diese digitalen Geräte Sprachnormen beeinflussen, ist mein ursprüngliches Interesse“, sagt Prof. Dr. Britta Schneider, Inhaberin der Viadrina-Professur für Sprachgebrauch und Migration.

Neben der gewachsenen Bedeutung des gesprochenen Wortes interessiert sie auch der Fakt, dass es keine klar definierte kleine Gruppe gibt, die bestimmt, was korrekt ist und was nicht. Für stimmgesteuerte Computer-Assistenten ist vielmehr richtig, was sie verstehen. Und das, so scheint es, wird durch die Nutzerinnen und Nutzer bestimmt. „Beispielsweise haben die Geräte Menschen mit Südtiroler Dialekt zu Anfang überhaupt nicht verstanden. Doch die Datenmenge steigt und damit auch das Verstehen“, erläutert Britta Schneide. Korrekt – im Sinne der Geräte – ist also, was nur oft genug in sie hineingesprochen wird.

Richtig ist aber auch, dass die Geräte nur auf wenige der weltweit Tausenden Sprachen reagieren. Von den vielen Sprachen des afrikanischen Kontinents beispielsweise keine einzige. Andere Sprachen werden nur schlecht verstanden. „Das führt zu interessanten Phänomenen. Meine Doktorandin beschäftigt sich beispielsweise mit der türkischen Diaspora. Viele der Türkinnen und Türken im Ausland sprechen Englisch mit den Geräten – schlicht, weil es besser funktioniert.“

Britta Schneider ist sich sicher, dass der Einsatz von Siri & Co. die Sprache verändert. Sie sieht dabei zwei gegensätzliche Entwicklungen. Zum einen werde Sprache informeller und variabler. Zum anderen verstärke die künstliche Intelligenz die Bedeutung der Sprachen, die ohnehin schon von vielen gesprochen werden. „Ist eine Sprache oder die Art, sie zu nutzen, zu ungewöhnlich und variabel, dann haben die Firmen kein Interesse daran, sie in die Geräte zu programmieren“, umreißt die Linguistin das Phänomen.

Neben den sich wandelnden Sprachnormen interessiert sich Britta Schneider bei den Interviews mit den Nutzerinnen und Nutzern für ein weiteres Phänomen: So scheint der Einsatz der Stimme (anders als die Steuerung eines Computers über die Tastatur) eine emotionale Beziehung zu den Geräten zu begünstigen. Während einige – vor allem Männer – ein sehr technisches Verhältnis betonen, wird den Geräten von anderen eine Akteurhaftigkeit zugeschrieben. „Man würde nie auf die Idee kommen, zu sagen, der Lichtschalter hat das Licht angemacht“, verdeutlicht Britta Schneider. Bei den Geräten sei das anders. Teilweise bekommen sie von ihren Nutzerinnen Namen wie „Tante Ilse“, ihnen werden Fehler „nachgesehen“ und persönliche Erlebnisse anvertraut.

„Um diese Beobachtungen weiter zu bearbeiten, brauche ich unbedingt mehr Daten“, betont die Viadrina-Professorin. Daher ist sie weiter auf der Suche nach Personen, die ihr von ihrem Gebrauch stimmgesteuerter Assistenten erzählen. Interessierte können unter bschneider@europa-uni.de Kontakt aufnehmen.