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Abteilung für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Aktuell und hochdynamisch: erstes deutschsprachiges Handbuch zur Grenzforschung erschienen

cover ©Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG

Das im Januar 2021 neu erschienene Handbuch zum facettenreichen Themenfeld der Grenzforschung ist nicht nur ein Überblickswerk, sondern auch ein Debattenbeitrag zu aktuellen Diskursen. Flucht und Migration, der Klimawandel und Pandemien wie das Corona-Virus sind Beispiele für grenzüberschreitende Phänomene – geografisch, politisch und auch sozial.

„Es gibt ein gestiegenes Interesse an Grenzen über Grenzen hinweg“, fasst es Prof. Dr. Hannes Krämer von der Uni Duisburg-Essen und Mit-Herausgeber der neu erschienenen Publikation „Grenzforschung – Handbuch für Wissenschaft und Studium“, in der online übertragenen Buchvorstellung zusammen. Letztlich seien die großen Themen unserer Zeit nicht nur mit politisch-geographischen, sondern auch mit sozialen Grenzen verbunden. Flucht und Migration, der Klimawandel und Pandemien wie das Corona-Virus sind solche Beispiele für grenzüberschreitende Phänomene. „Angesichts der derzeitigen Reisebeschränkungen und plötzlich geschlossenen Grenzen einerseits und einer Entgrenzung der Arbeit im privaten Raum andererseits ist das Thema hochaktuell“, ergänzt Maria Klessmann, ebenfalls Herausgeberin des Grenzforschung-Handbuches.

Bislang fehlte ein aktueller systematischer Überblick über den Stand der Grenzforschung, der zusätzlich auch Querverbindungen zu anderen Themenfeldern aufzeigt. „Wir waren auf der Suche nach einem Weg, interdisziplinär zusammenzuarbeiten“, so Maria Klessmann, akademische Mitarbeiterin am Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION. Das Handbuch liefere diesen Überblick nun. In 30 Beiträgen geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einblick in den Stand der Forschung, vermitteln Orientierungswissen und schauen über ihre Disziplinen hinaus. Hannes Krämer verweist auf die Dynamik von Grenzen, die man auch in Frankfurt (Oder) und Słubice erkennen könne: „Das Buch will für die Phänomene zwischen dem Ein- und Ausgrenzen sensibilisieren.“ So schreiben beispielsweise Dr. Peter Ulrich, Fellow am Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION und Prof. James W. Scott (Universität Ostfinnland) über europäische Regionalkooperation und die Bedeutung von Grenzen und Governance-Konzepten. Anhand der Fallbeispiele Doppelstadt und Kooperationszentrum Frankfurt (Oder)-Słubice und der Euroregion Pro Europa Viadrina veranschaulichen sie das Konzept der „Cross-Border Governance“.

„Das Handbuch liefert Diskussionsimpulse, zumal es so ein Überblickswerk noch nicht auf Deutsch gab“, erklärt Dominik Gerst, der dritte Herausgeber im Bunde und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Duisburg-Essen. Grenzforschung sei bislang ein Forschungsschwerpunkt vor allem im angloamerikanischen Raum gewesen. So sei es an den Autorinnen und Autoren, Grenzen weiterzudenken. Dr. Christine Leuenberger, Lehrbeauftragte am Department of Science & Technology Studies an der US-amerikanischen Universität Cornell diskutiert in ihrem Beitrag, wie Gesellschaften von einer Ausgrenzungs- zu einer Integrationspolitik kommen. „Angesichts von Gesundheitskrisen und Klimawandel sind grenzüberschreitende Institutionen und durchlässige Systeme sinnvoll, da sie ökonomische, politische und auch moralische Vorteile haben“, sagt sie. Ohne Austausch gebe es kein Fortkommen, das habe die beispiellose grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Naturwissenschaften am Problem Covid-19 bewiesen. (HST)

Das Buch ist kostenfrei in der Nomos-eLibrary unter https://doi.org/10.5771/9783845295305 abrufbar.